• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteVerbrauchertippKleine Pausen sind positiv02.03.2016

ArbeitsrechtKleine Pausen sind positiv

Pause ist nicht gleich Pause. Die offizielle Mittagspause, die der Arbeitgeber gewährt, wird üblicherweise nicht bezahlt. Die kleinen Pausen, in denen man aus dem Fenster schaut oder in der Teeküche ein Schwätzchen hält, stehen dagegen nicht im Tarifvertrag. Aber für den Arbeitgeber lohnt es sich, diese Pausen aktiv mitzugestalten.

Von Bernd Debus

Farbfoto: Frau vor dem Computerbildschirm trinkt eine Tasse Kaffee im Büro (Imago/STPP)
Kleine Pausen während der Arbeitszeit wirken leistungssteigernd (Imago/STPP)
Mehr zum Thema

Arbeitswelt 4.0 - zur digitalen Zukunft der Arbeit (3/3) Die App als Arbeitgeber

Familienfreundliche Unternehmen Kind und trotzdem voll im Job

Soziales Alltagsphänomen Über das Warten

Automation Die Macht der Maschinen

Mittagspause Welche Regeln gelten für Arbeitnehmer?

Wer mehr als sechs Stunden arbeitet, hat einen gesetzlichen Anspruch auf dreißig Minuten Pause. Bezahlt wird die meistens nicht. Anders als die kleinen Pausen zwischendurch:

"Die Mitarbeiter loggen sich morgens ein, wenn sie kommen, abends wenn sie gehen und bei den Pausen kommt’s so ein bisschen drauf an."

Jens Krömer arbeitet für den "Urlaubsguru", einen kommerziellen Reiseblog mit Firmensitz am Dortmunder Flughafen.

"Bei gesunden Dingen, wie zum Beispiel Obst - bei uns gibt’s kostenfreies Obst - oder wenn sie sich ein Getränk holen, wer sich also da ein bisschen danach verquatscht und plaudert, der kann das ohne sich auszuloggen tun, bei der Zeiterfassung."

Aber für Raucherpausen gilt das nicht. Wer rauchen will, muss vor die Tür und vorher seine Karte durch den Scanner ziehen. Das findet Christian Dieckmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus dem westfälischen Lünen, völlig in Ordnung:

"Im Gegensatz zu den anderen Mitarbeitern, die die Pause nicht haben, weil sie ja Nichtraucher sind, wäre das ja eine Ungleichbehandlung, wenn die Raucher quasi während der Arbeitszeit rauchen könnten."

Allerdings müssen sich Chefs bei solchen Regelungen auf die Ehrlichkeit ihrer Angestellten verlassen. Denn Überwachungskameras in der Raucherecke sind tabu, erklärt der Anwalt:

"Nur bei dringendem Tatverdacht, zum Beispiel des Diebstahls, kann also eine entsprechende Kamera installiert werden. Aber nur für den konkreten Zweck, um einen Täter gegebenenfalls zu überführen."

Schneller arbeiten bringt kaum Vorteile

Trotzdem sollte man besser ehrlich bleiben. Selbst wer schneller arbeitet als die Kollegen, hat deshalb noch lange kein Anrecht auf Extra-Pausen:

"Wenn Mitarbeiter schneller als die anderen arbeiten, bedeutet das nicht, dass sie mehr Pause machen können. Das ist löblich, aber es bringt keinen großen Vorteil."

Umgekehrt sieht die Sache jedoch anders aus. Wer zu viel Pause macht und deshalb weniger leistet als andere Mitarbeiter, riskiert auf Dauer Ärger:

"Würde ein Arbeitgeber feststellen, dass ein Arbeitnehmer seine Arbeitskraft nicht hinreichend einsetzt, so ist das grundsätzlich nicht sofort ein Grund, einen Mitarbeiter entlassen zu können, sondern er müsste ihn erst mal abmahnen."

Auf der anderen Seite: Nicht jede kleine Pause schadet der Unternehmensbilanz. Ganz im Gegenteil, findet Christian Schipke von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz in Dortmund:

"Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Pausen sich generell positiv auswirken. Sie wirken sich positiv auf die Leistung aus. Sie wirken sich positiv auf das Befinden der Beschäftigten aus. Sie wirken sich aber auch positiv auf Produktivität aus."

Einfach mal Pause machen. Kein Problem für Menschen, die am Schreibtisch arbeiten. Aber für Band- oder Akkordarbeiter schlichtweg unmöglich. Für die gibt es seit den Siebzigerjahren in vielen Branchen die sogenannte Steinkühler-Pause:

Fünf Minuten Pause pro Stunde für Band- und Akkordarbeiter

"Dort wurde dann tariflich vereinbart, dass Mitarbeiter im Akkord und am Band pro geleisteter Arbeitsstunde fünf Minuten Pause bezahlt erhalten haben."

Auf persönliche Bedürfnisse kann eine starre Pausen-Regelung wie die Steinkühler-Pause natürlich keine Rücksicht nehmen. Aber eine Arbeitswelt ganz ohne Pausenregeln ist auch keine Lösung, mahnt Arbeitsschutz-Experte Christian Schipke:

Mitarbeiter lassen Pausen ausfallen, wenn sie den Zeitpunkt selbst wählen können

Wenn Mitarbeiter ihre Pausen selbst wählen, fallen sie oft aus

"Wenn Mitarbeiter ihre Pausen komplett selbst wählen können, dann stellen wir sehr oft fest, dass Mitarbeiter diese Pausen ausfallen lassen. Was wir dann beobachten ist, die gleichen Mitarbeiter, die ihre Pausen vernachlässigen, klagen oft über Kopfschmerzen, Nervosität, Erschöpfung, Schlafstörungen."

Außerdem seien Arbeitgeber, so Christian Schipke, gut beraten, die Pausen ihrer Angestellten aktiv mitzugestalten. Frisches Obst und Getränke gratis sind da zum Beispiel ein guter Anfang.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk