• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 08:00 Uhr Nachrichten
StartseiteVerbrauchertippKrank im Urlaub12.07.2017

ArbeitsrechtKrank im Urlaub

Mit Gips am Strand: Ausgerechnet im Urlaub krank zu werden, ist ärgerlich. Immerhin haben Arbeitnehmer, die arbeitsunfähig erkrankt sind, Anspruch darauf, den Urlaub nachzuholen. Dabei gilt es jedoch einige Regeln zu beachten.

Von Angelika Gördes-Giesen

Ein Paar sitzt in Liegestühlen am Mittelmeer in der Sonne, die Frau trägt eine Armschiene. (imago stock&people)
Wer im Urlaub erkrankt, wie diese Frau mit einem Arm in Gips, muss sofort ein Attest einholen. (imago stock&people)
Mehr zum Thema

Krank im Urlaub Am besten sofort zum Arzt

Arbeitsrecht und Urlaub Erholt und mobil?

Autounfall im Ausland Was tun, wenn es im Urlaub scheppert?

Endlich Urlaub, aber das Baden im Meer kann schnell vorbei sein, wenn man sich beispielsweise die Hand gebrochen hat. "Dann gehe ich natürlich zum Arzt."

Für Maria Gronemann eine klare Sache. Seine Urlaubstage sollte man aber nicht verschenken, erklärt Peter Ihme, Jurist beim DGB in Münster:

"Wenn ein Arbeitnehmer während des Urlaubes arbeitsunfähig krank wird, dann führt das dazu, dass diese Tage, die er arbeitsunfähig ist, nicht als Urlaub verbraucht werden; das heißt, diese Tage werden ihm gut geschrieben. Er darf die Tage aber nicht selbstständig an den Urlaub dran hängen."

Bei Krankheit im Urlaub: sofort Attest besorgen

Den Urlaub müssen Arbeitnehmer deshalb aber nicht unbedingt abbrechen. Passiert der Unfall vor dem Abflug, muss die Reise nicht unbedingt storniert werden. Je nach Situation und Erkrankung ist eine Reise möglich, wenn sowohl der Arzt zustimmt und der Arbeitgeber informiert ist. Alles was der erfolgreichen Genesung nicht im Weg steht, ist erlaubt.
Ganz wichtig aber: Bei einer Krankmeldung im Urlaub, sollte man in jedem Fall sofort zum Arzt gehen und ein Attest besorgen und nicht erst, wie sonst meist üblich, am dritten Tag der Krankheit.

"Die Gutschrift des Urlaubs erfolgt nur, wenn der Arbeitgeber ein entsprechendes, ärztliches Zeugnis vorgelegt bekommt, mit dem die Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen wird."

Andere Regeln für das Nicht-EU-Ausland

Wer Urlaub in Deutschland macht, der kann sich auch als Bayer an der Nordsee ein Attest geben lassen. In der EU gelten die gleichen Regeln wie in Deutschland; schwieriger wird es im Nicht-EU-Ausland. So gibt es mit einigen Ländern besondere Absprachen, zum Beispiel mit Tunesien. Dort wendet man sich an die örtlichen Krankenversicherungsträger, um eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung zu bekommen.

Ärgerlich übrigens: Wenn der Urlaub ein Freizeitausgleich für Überstunden ist, verfällt der Anspruch, auch wenn man krankgeschrieben wird. Wer allerdings schon vor Beginn einer Reise krank wird, kann den Urlaubsantrag in der Firma stornieren, muss ihn aber wieder neu beantragen. Oft wird der Urlaub aus betrieblichen Gründen dann doch gestrichen. Für Peter Ihme ein Fall für den Betriebsrat:

"Der Arbeitnehmer beantragt für einen bestimmten Zeitraum eine Anzahl von Urlaubstagen. Der Arbeitgeber sagt: Ich gewähre sie dir nicht oder nur zum Teil, weil du nach meiner Auffassung nicht mehr zehn Urlaubstage hast, sondern nur noch zwei. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Wenn ein Betriebsrat existiert, dann kann sich der Arbeitnehmer an den Betriebsrat wenden, wenn sich der Betriebsrat des Problems annimmt, dann gibt es ein Einigungsstellenverfahren. Existiert kein Betriebsrat, dann hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit das beim Arbeitsgericht abzuklären."

Atteste, Übersetzungen: Wer erstattet die Kosten?

Die Arztkosten im Ausland sowie alle zusätzlichen Kosten können sich ganz schön summieren. In jedem Fall sollte man die Krankenkasse schon vom Urlaubsort aus informieren und fragen, was erstattet wird:

"Lassen Sie sich eine Rechnung geben, auch das Telefonat mit dem Arbeitgeber müssen Sie wahrscheinlich bezahlen, auch darüber lassen Sie sich eine Rechnung ausstellen. Da der Arbeitgeber derjenige ist, der alles fordert, gesetzlichen Anspruch hat er, muss der Arbeitgeber auch die Kosten übernehmen. Das gilt beispielsweise auch. für eine Übersetzung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Das Arzthonorar ist bei der Krankenkasse einzureichen."

Maria Gronemann überlegt gerade, was sie alles beim Reisestart berücksichtigen muss.

"Das liegt ja daran, ob ich abgesichert bin mit einer Auslandskrankenversicherung, eventuell sogar mit Rücktransport und so weiter, je nachdem welche Krankheit ich habe."

Denn die Krankenkasse erstattet in der Regel nur die Kosten, die sie bei einer Behandlung in Deutschland bezahlen würde. Alles Weitere sollte man mit einer eigenen Auslandskrankenversicherung abdecken.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk