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StartseiteVerbrauchertippWas man bei der Krankmeldung beachten muss28.12.2017

ArbeitsrechtWas man bei der Krankmeldung beachten muss

Fühlt sich ein Arbeitnehmer morgens krank und schlapp, schwankt er oft zwischen Pflichtgefühl seinem Arbeitgeber gegenüber und dem Bedürfnis, sich um seine Gesundheit zu kümmern. Wer sich krankmeldet, sollte einiges beachten - sonst drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Von Ursula Reinsch

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Ein Krankenschein wird vor eine Gruppe von Patienten gehalten (gestelltes Illustrationsfoto) (dpa / picture alliance / Peter Endig)
Ein ärztliches Attest muss spätestens am 4. Tag vorgelegt werden (dpa / picture alliance / Peter Endig)
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Eigentlich ist der Fall klar: Wenn es nicht ausdrücklich anders vereinbart ist, muss ein Arbeitnehmer erst am 3. Tag zum Arzt gehen und eine Krankschreibung besorgen.  Doch viele Arbeitnehmer sind hier verunsichert - wie beispielsweise der Angestellte Harald Franz: "Bei unserem Arbeitgeber ist es so geregelt, dass wir tatsächlich zum dritten Arbeitstag dann auch eine Krankmeldung haben müssen. Aber in der letzten Zeit ist es häufig so, dass ich aus Gründen einfach meiner eigenen Sicherheit, um zu wissen, wann der Arbeitgeber tatsächlich auch mich einplanen kann wieder, dass ich dann sehr bald eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mir beim Arzt besorge."

Arbeits- oder Kalendertage?

Viel Verwirrung gibt es zur Frage, ob der dritte Arbeitstag für die Krankmeldung entscheidend ist oder es dabei um Kalendertage geht, erklärt Britta Schüssler von Ver.di: "Ein ärztliches Attest ist bei einer Erkrankung regelmäßig dann erforderlich, wenn drei Tage Erkrankungszeit überschritten werden. Also ab dem 4. Tag. Und der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin muss auch nachweisen können, dass das Attest rechtzeitig bei dem Arbeitgeber vorgelegen hat. Hinsichtlich der drei Tage, für die noch kein Attest vorgelegt werden muss, ist wichtig zu beachten: Das sind Kalendertage. Das sind nicht Arbeitstage. Wenn ich also freitags erkranke und Freitag der erste Krankheitstag logischerweise ist, dann muss spätestens am darauffolgenden Montag das Attest beim Arbeitgeber vorgelegt werden." 

Immer in den Arbeitsvertrag schauen

Die meisten Arbeitgeber akzeptieren es, wenn man das Attest per Scan oder Foto schickt und das Original nachreicht.  Die Dreitagesfrist  ist im Lohnfortzahlungsgesetz geregelt. Allerdings kann der Arbeitgeber die ärztliche Bescheinigung auch schon früher verlangen – also zum Beispiel am ersten Tag. Und zwar "ohne besondere Begründung", wie das Bundesarbeitsgericht entschieden hat.

Zudem gilt:  "Es ist aber dem Arbeitgeber auch möglich, etwa im Arbeitsvertrag oder in einer betrieblichen Regelung eine frühere Vorlage eines ärztlichen Attestes zu verlangen. Ob eine solche Regelung etwa im Arbeitsvertrag getroffen wurde, sollten die Betroffenen anhand ihres Arbeitsvertrags unbedingt klären. Unabhängig vom ärztlichen Attest muss man schon bei Krankheitsbeginn seinen Arbeitgeber informieren: "Arbeitnehmer müssen sich unverzüglich beim Arbeitgeber melden. Und zwar bevor ihre Dienstzeit beginnt oder ihre Arbeitszeit beginnt."

Arbeitgeber rechtzeitig informieren

Das geht telefonisch, mündlich, per Fax oder E-Mail. Die umgehende Information auch über die voraussichtliche Dauer der Erkrankung ermöglicht es dem Arbeitgeber, dringende Arbeiten von anderen Mitarbeitern erledigen zu lassen beziehungsweise noch eine Vertretung zu organisieren. 

Was zusätzlich wichtig ist: Nichts tun, was den Heilungsprozess behindert. Wer bei einer Grippeerkrankung beim Karnevalfeiern erwischt wird, kann deshalb richtig Ärger bekommen. Bis hin zu Abmahnung und Kündigung.

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