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Seit 20:00 Uhr Nachrichten
StartseiteVerbrauchertippAb zum Durchgangsarzt18.03.2016

ArbeitsunfallAb zum Durchgangsarzt

Bei einem Arbeitsunfall schlägt seine Stunde: Der Durchgangsarzt kümmert sich um die Behandlung von verunglückten Arbeitnehmern. Auch Selbstständige können sich über eine Berufsgenossenschaft versichern lassen und am Durchgangsarzt-Verfahren teilnehmen - was eine Reihe von Vorteilen hat.

Von Klaus Deuse

Logo und Schiftzug der gesetzlichen Unfallversicherung VBG (Verwaltungs-Berufsgenossenschaft gesetzliche Unfallversicherung) an einem Bürogebäude der VBG in Berlin (dpa/ picture-alliance/ Wolfram Steinberg)
Eine der neun gewerblichen Berufsgenossenschaften, die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) (dpa/ picture-alliance/ Wolfram Steinberg)
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"Letzten Winter bin ich auf dem Weg zur Arbeit ausgestiegen, bin in Matsche gestürzt und bin so unglücklich gefallen, dass ich mit der linken Hand aufgekommen bin. Das hat geknackt und die Hand wurde ganz schnell dick, und ich konnte sie nicht mehr bewegen. Da hab ich mich ins Taxi gesetzt. Ich bin dann darauf ganz schnell zum Hausarzt gefahren, hab dem das gezeigt – und der hat mich an den Durchgangsarzt verwiesen, der das dann weiter aufwendig behandelt hat", erinnert sich der Ingenieur Jochen Schäfer.

Die Kosten für die Behandlung beim Durchgangsarzt und später im Krankenhaus übernahm die für Schäfer zuständige Berufsgenossenschaft Holz und Metall. Jeder Arbeitnehmer ist bei einer von insgesamt neun Berufsgenossenschaften gegen Folgen eines Arbeitsunfalls abgesichert. Beiträge selbst dafür bezahlen müssen sie nicht, sagt Oberarzt Sven Jung vom Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum.

"Die Berufsgenossenschaften laufen über den Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter da pflichtversichert. Also es ist auch anders als bei den gesetzlichen Kassen. Es gibt bei den Unfallversicherungsträgern, also den Berufsgenossenschaften,  das nicht, dass man in irgendeiner Form dazuzahlen muss oder bestimmte Leistungen irgendwie limitiert sind."

Der Versicherungsschutz besteht aber nicht nur für Unfälle direkt am Arbeitsplatz.

"Auch der Weg zur Arbeit ist als sogenannter Wegeunfall versichert. Wobei man wissen muss, dass der Weg zur Arbeit vor der eigenen Haustür beginnt. Also selbst wenn sie in einer Mietwohnung wohnen und ihnen passiert im Treppenhaus dieses Hauses ein Unfall, dann ist das schon als Wegeunfall versichert."

Zuständig sei in jedem Fall ein Durchgangsarzt, sagt Sven Jung.

"Der Durchgangsarzt ist ein von der Berufsgenossenschaft ermächtigter und auch speziell geschulter Arzt. In aller Regel ein Unfallchirurg. In manchen Fällen auch ein Orthopäde. Aber auf jeden Fall jemand, der sich mit Unfällen, mit Knochen und weiteren Verletzungen gut auskennt."

Wer trotzdem zu seinem Hausarzt geht, weil er diese Regelung nicht kennt, den verweist der Hausarzt nach einer gegebenenfalls notwendigen Erstversorgung an den zuständigen Durchgangsarzt. Wen es so böse erwischt hat, dass er ins Krankenhaus muss, sollte im Zweifelsfall schon im Krankenwagen Bescheid sagen, dass es sich um einen Arbeitsunfall handelt. Darauf spezialisiert sind berufsgenossenschaftliche Krankenhäuser wie das Bergmannsheil in Bochum. Außerdem gelten für das Heilverfahren dann zum Teil höhere Standards.  

Keine Begrenzung der Liegezeit

"Das heißt: wir haben anders als bei den gesetzlichen Kassen gerade in der Nachbehandlung und Rehabilitation etwas andere Möglichkeiten und auch aufwändigere Möglichkeiten, die Versicherten zu rehabilitieren und auch in ihre Tätigkeit zurückzubringen."

Etwa eine Begrenzung der Liegezeit wie für gesetzlich Krankenversicherte gibt es nicht. So besteht für Krankenhäuser im Unterschied zu regulär Krankenversicherten kein so großer wirtschaftlicher Druck für die Dauer der Behandlung. Wer nach einem Arbeitsunfall längere Zeit ausfällt, erhält von der Berufsgenossenschaft ein Verletztengeld. Auch wenn für Freiberufler keine berufsgenossenschaftliche Versicherungspflicht besteht, rät Oberarzt Jung:

"Es gibt aber für jeden Freiberufler die Möglichkeit, sich über die Verwaltung BG selber dann bei der Berufsgenossenschaft zu versichern."

Die rund 3.600 Durchgangsärzte in Deutschland sind für die Versicherten aller Berufsgenossenschaften zuständig. Unterschiede werden keine gemacht. Da es bei einem Unfall immer auf schnelle Hilfe ankommt, wissen Hausärzte oder Sanitäter auch, wo sich die nächstgelegene Durchgangsarztpraxis oder Unfallklinik befindet.

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