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StartseiteKultur heuteLicht als Werkstoff04.02.2015

ArchitekturLicht als Werkstoff

Sein wichtigstes Material sind Licht und Schatten - der ghanaisch-britische Architekt David Adjaye legt Wert auf Transparenz, die Besucher sollen seine Konstruktionen erleben können. Derzeit zeigt das Haus der Kunst in München eine Werkschau.

Von Julian Ignatowitsch

"Das ist der haptische Moment der Ausstellung. Ich wollte eine Architekturausstellung, in der die Besucher die Möglichkeit haben, ein Projekt von mir selbst zu betreten und darin körperlich einzutauchen. Ich wollte ein Erlebnis schaffen."

Der Architekt David Adjaye steht in seiner Rauminstallation "Horizon" (dt. Horizont) und erklärt, was ihm bei der Konzeption dieser Architektur-Ausstellung wichtig war: Er möchte jedem Besucher die Möglichkeit geben, ein Projekt von ihm selbst zu betreten, darin einzutauchen. Architektur als Erlebnis.

Horizon ist ein Pavillon, eine Gitterkonstruktion. Der Grundriss beruht auf zwei Kegeln, die sich auf einer Mittelachse schneiden. Das Ganze ähnelt einer liegenden Sanduhr.

Licht und Schatten

David Adjaye: "Der Pavillon ist 50 Prozent Licht und 50 Prozent Schatten. Er ist eine Form der zwei Seiten des Lichts. Zudem zeigt er, wie sich etwas verengt und wieder ausbreitet. Die Form zieht den Besucher hinein, konzentriert ihn und bewegt ihn dann wieder hinaus. Diese zwei Prinzipien Verdunkelung und Transparenz haben mich immer beschäftigt und fassen zusammen, was für meine Arbeit ganz wesentlich ist."

Das Licht als eines der wichtigsten Materialien im Werk von Adjaye. Der 48-Jährige gehört zu den renommiertesten Architekten weltweit, er hat Büros in London, New York und Accra. In diesem Dreieck zwischen Europa, Nordamerika und Afrika ist auch seine Arbeit angesiedelt. Geboren in Tansania, aufgewachsen in Afrika und Nahost, als Jugendlicher lebte er in Großbritannien, heute quasi auf drei Kontinenten gleichzeitig - zusammen mit seinen Konstruktionen. Die Ausstellung gibt einen eindrucksvollen Überblick über Adjayes internationales Schaffen.

Angefangen bei seinen kleinsten Projekten, Entwürfe für Möbel, der begehbare Pavillon – als Ausgangspunkt. Dann private Aufträge. Die Modelle sind bewusst ganz in Weiß gehalten. Die Fassade meist glatt, einheitlich, beeinflusst vom Bauhaus-Stil. Eben sehr privat. Von außen dringt durch den Beton kaum ein Blick ins Innere, wo sich dann aber – das zeigen die dazugehörigen Fotografien an der Wand – weite Räume auftun, viel Glas, lichtdurchflutet und sehr offen. Wie beim Nanjing House in China, dem Dirty House in London oder dem Hill House in Trinidad.

Bedeutendstes US-Projekt

Anders dann bei den öffentlichen Gebäuden, die Adjaye entwirft. Bei Bibliotheken und Kulturzentren. Sie sind schon von außen durchsehbar und quasi begehbar. Transparent, häufig mit Glas- und Stahlfassade und zahlreichen Eingängen und Wegen. Dahinter steckt natürlich auch ein inhaltlicher Gedanke: Wissensgesellschaft, Wissensdemokratie, Wissen für alle. Die Idea Stores, bekannt aus London, bringen das Konzept auf den Punkt. Sie sind Orte des Wissens, zwischen Bibliothek, Internet-Café und Volkshochschule. Erleuchtende Orte eben.

David Adjaye: "Licht und Schatten sind die Grundlage. Ich habe darauf schon immer sensibel reagiert. Und ich benutze es als Startpunkt meiner Architektur. In jedem Projekt geht es darum, Licht in bestimmter Weise aufzuspalten."

Natürlich zeigt die Ausstellung auch Adjayes momentan wichtigstes Projekt: das Smithsonian National Museum of African American History and Culture. 2016 soll das Museum in Washington, inmitten der National Mall, gleich neben Capitol und Monument eröffnen. Die Bauphase hat längst begonnen, es ist das bedeutendste Architekturprojekt in den USA während Obamas Amtszeit.

Schon Modell und Entwürfe zeigen, was für ein monumentales Gebäude dort entsteht. Geometrisch zwar streng, doch die schillernde Außenfassade in Bronze, von der ein Stück in der Ausstellung zu sehen ist, macht es zu einem ornamentalen Kunstwerk. Die Anleihen bei afrikanischer Handwerkskunst sind bewusst gewählt, das Licht fällt in besonderer Weise. Adjaye will das Design als Narrativ und Hommage an die (afro-)amerikanische Geschichte verstanden wissen:

David Adjaye: "Viele Leute denken nur an den traurigen Teil der Geschichte: die Sklaverei etc., aber für mich ist sie gleichzeitig ein unglaubliches Beispiel des Human Spirit - von so einem Tiefpunkt aus zu einer neuen Nation zu gelangen. Für mich ist dieses Gebäude ein Festakt der Geschichte."

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