• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 07:00 Uhr Nachrichten
StartseiteCampus & KarriereArmut und Ungleichheit auf der Spur01.08.2005

Armut und Ungleichheit auf der Spur

Studiengang Entwicklungsökonomie in Göttingen

Die Probleme der Entwicklungsländer erforschen und politische Maßnahmen dagegen finden - das sind Ziele der Entwicklungsökonomie. Diese Studienrichtung innerhalb der Volkswirtschaft haben allerdings mehrere Universitäten im Rahmen der Sparmaßnahmen abgeschafft. Eine Ausnahme ist die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Göttingen.

Von Elke Drewes

Das Wasserholen über weite Distanzen raubt in Entwicklungsländern kostbare Arbeitszeit. (WHO)
Das Wasserholen über weite Distanzen raubt in Entwicklungsländern kostbare Arbeitszeit. (WHO)

Sie hat den Bereich Internationale Wirtschaft sogar ausgebaut: Nicht zuletzt, weil die Universität mit dem Ibero-Amerika-Institut eine lange Forschungstradition zu Armut und Ungleichheit, vor allem in Lateinamerika fortsetzen will. Was Studierenden und Doktoranden der Wirtschaftswissenschaften motiviert, Armut und Ungleichheit zu erforschen.

"Ehrlich gesagt habe ich mit BWL angefangen und habe aber während dessen Praktika gemacht. Ich war in Südafrika in einem Township und habe dort eine Bäckerei mit aufgebaut und Bildungsinitiativen haben wir auch gemacht. Ich fand das super spannend, weil man den Einfluss sieht von dem, was man macht. Wenn man später in eine Firma geht und Marketing macht, das ist für einen persönlich weniger relevant, als wenn man sich mit Dingen beschäftigt, die Einfluss auf das Wohl von Leuten haben. Für mich hat das mehr Sinn, natürlich verdient man weniger Geld."

Isabell Günter ist 26 Jahre alt. Sie hat ihr BWL-Studium beendet und erforscht jetzt in ihrer Promotionsarbeit, ob Wirtschaftswachstum in West-Afrika den Armen hilft oder eher nicht. Ihre Kommilitonin Melanie Grosse hat ein dreiviertel Jahr in Brasilien gelebt, hat erst bei VW gearbeitet und ist dann durch das Land gereist.

"Gerade dadurch, dass ich gut Portugiesisch spreche, konnte ich mich gut mit den Leuten unterhalten, auch mit denen, die für einen Euro 100 Kilometer auf einem Pick up mitfahren. Das habe ich auch öfter gemacht, mich mit den einfachen Leuten unterhalten und zu sehen wie die leben, in was für einer Armut. Familien mit zehn Kindern, wo sechs von denen nicht ein einziges Kleidungsstück besitzen. So was bestätigt mich darin, dass ich gerne etwas ändern würde. Ich will die Gründe verstehen, warum Länder so arm sind, um daraus politische Maßnahmen empfehlen zu können."

Eine Forschungsarbeit schreiben, die nicht im Regal verstaubt, sondern wirklich etwas bewegt und verändert - das will auch Jair Lombana aus Kolumbien. Der 30-Jährige hat im Handelsministerium in Bogota gearbeitet. Jetzt ist er mit einem Stipendium der katholischen Kirche in Göttingen, um seinen PHD zu machen. Danach will er ins Wirtschaftsministerium nach Bogota zurückkehren und Entscheidungen treffen.

"Ich möchte den Menschen helfen. Geld zu verdienen, das ist nicht so wichtig für mich, wirklich nicht. Ich habe andere Ziele. Ich arbeite für die Kirche und diese sozialen Projekte. Heutzutage wenn du Wirtschaft studierst, willst du gewinnen. Aber für mich ist es besser, anderen Menschen zu helfen."

"Volkswirte sind ja nicht Betriebswirte, die sich für das Wohl eines einzelnen Unternehmens interessieren. Der Volkswirt an sich interessiert sich für das Wohl der Gemeinschaft. Natürlich gilt für mich auch, dass ich Geld verdienen will. Man kann mit diesem Schwerpunkt nicht große Gelder verdienen, das ist klar, aber man kann durchaus gut über die Runden kommen, denke ich."

Mark Misselhorn promoviert über die wirtschaftlichen Hintergründe von Armut und Unterernährung. Sein Doktorvater, der Direktor des Ibero-Amerika Instituts der Universität Göttingen, Prof. Stephan Klasen, gibt ihm Recht: Die Berufschancen für Volkswirte und Masters of International Economics mit dem Schwerpunkt Entwicklungsländer seien gut.

"Bei den Doktoranden sowieso: Die vom letzten Jahr kann ich aufzählen: Eine arbeitet bei der Weltbank, eine bei der GTZ, eine arbeitet beim Finanzministerium, einer im Außenministerium, einer arbeitet für einen Rückversicherer in London. Die sind alle sehr gut untergekommen. Auch die Absolventen mit Diplom und Master haben sehr gute Chancen. Das Bundesministerium, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit stellen jedes Jahr um die 100 Leute ein und so viele werden in Deutschland gar nicht produziert."

Das liegt auch daran, dass die Studienplätze für Wirtschaftswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Entwicklungsländer rar gesät sind. Ein Lehrangebot mit zwei Professuren gibt es nur in Göttingen.

Doktoranden können sich jederzeit bewerben. Für Bachelor und Master Studierende endet die Bewerbungsfrist für das Sommersemester 2006 am 15. Januar.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk