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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Wir beobachten einen Boom im illegalen Wildtierhandel"25.06.2014

Artenschutz"Wir beobachten einen Boom im illegalen Wildtierhandel"

Der WWF schlägt Alarm: In den letzten Jahren habe der verbotene Handel mit großen Wildtieren wie Tigern oder Elefanten zugenommen, sagt Volker Homes, bei der Tierschutzorganisation zuständig für den Artenschutz. Im Kampf gegen das Artensterben könnten auch deutsche Touristen einen Beitrag leisten.

Volker Homes im Gespräch mit Georg Ehring

Großaufnahme einer Elefantenmutter mit ihrem Kind (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)
Elefanten in Afrika: "Vielleicht schon 60 Prozent der Bestände verloren" (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)
Weiterführende Information

Tiere töten im Zoo (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 10.3.2014)

"Wir sehen im Moment eine Wildereikrise" (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher. 3.3.2014)

Georg Ehring: Mehr als 150 Milliarden Euro werden jährlich mit Umweltkriminalität verdient. Dies ergab eine Studie im Auftrag von Vereinten Nationen und Interpol, die bei der ersten Konferenz der neuen UNO-Umweltagentur UNEA in Nairobi vorgestellt wurde. Eine große Rolle spielt dabei der illegale Handel mit Wildtieren. Um welche Tiere es da geht, das habe ich vor dieser Sendung Volker Homes gefragt. Er ist zuständig für Artenschutz beim World Wide Fund For Nature (WWF).

Volker Homes: Na ja, was wir in den letzten Jahren vor allem beobachten ist, dass es wirklich einen Boom gibt im illegalen Wildtierhandel, und da geht es gerade um diese Flaggschiff-Arten, diese großen Arten, die wirklich jedes Kind kennt. Da geht es um Elefanten, vor allem aus Afrika, Nashörner aus Afrika, aber auch den Tiger, und mit diesen Arten wird wirklich ein Reibach gemacht. Das sind organisierte Banden, denen das Aussterben dieser Arten wirklich total egal ist. Es geht um das Elfenbein, was in Afrika gewildert wird an den Elefanten. Die werden zu Dutzenden erschossen und dann wird das Elfenbein illegal geschmuggelt und dann auch illegal auf dem Markt in Ostasien verkauft.

Ehring: Welche Rolle spielt denn der illegale Handel, wenn Tiere oder Pflanzen aussterben?

Homes: Der spielt eine Rolle. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir sagen, dass wirklich innerhalb der letzten Dekade, in den letzten zehn Jahren, die Elefanten Afrikas massiv gelitten haben, und zwar nicht überall gleich, aber doch ganz deutlich in Zentralafrika, wo die Elefantenbestände ausbluten. Wir rechnen damit, dass vielleicht schon 60 Prozent der Elefanten verloren gegangen sein können. Dieses Krebsgeschwür an Wilderei, das pflanzt sich jetzt fort auf Ostafrika, also die Savannenelefanten. Wir haben gerade jüngst eine Meldung des WWF - in Mosambik fehlen die Hälfte der Elefanten innerhalb der letzten zehn Jahre – letzten Freitag herausgegeben und wir befürchten, dass sogar diese großen Bestände an Elefanten im südlichen Afrika betroffen werden können.

Ehring: Die internationale Staatengemeinschaft will ja stärker gegen den Handel mit Wildtieren vorgehen. Wird das Problem denn schon ernst genug genommen?

Homes: Ich glaube, dass es ernst genommen wird vor allem auf hoher politischer Ebene. Es sind inzwischen Präsidenten und Minister, die sich dazu bekennen und auch wirklich Beschlüsse fassen. Allein es fehlt an der Durchsetzung, dass man dann hinterher tatsächlich die Wilderei im Feld bekämpft, dass man genügend Geld auch zur Verfügung hat. Es handelt sich um organisierte Banden, die mit Hubschraubern beispielsweise sogar vorgehen. Teilweise sogar wird Terrorismus oder andere Kriminalität davon finanziert. Es fehlt an der Umsetzung im Feld. Da hinken wir noch hinterher.

Harte Strafen für mit Elfenbein erwischte Touristen

Ehring: Kommt es da nicht mehr auf den Kampf vor Ort gegen die Wilderei an? Kann die internationale Staatengemeinschaft da überhaupt was ausrichten?

Homes: Ich glaube, dass wir gerade von Deutschland und Europa aus da unseren Beitrag leisten können, dass die Staaten finanziert werden, dass die Staaten gestützt werden, die ja häufig nicht ganz einfache Regierungssysteme haben, dass wir auch ein starkes Wort haben in Europa und diese Staaten unterstützen müssen, damit die Beschlüsse auch wirklich implementiert werden und vor Ort ankommen, es weniger Wilderei gibt, weniger Schmuggel und vor allem weniger Nachfrage in Ostasien.

Ehring: Diesen illegalen Handel – Sie reden jetzt viel von Ostasien -, gibt es so etwas auch in Deutschland?

Homes: Deutschland ist nicht der Schlüssel zur Lösung des Problems. Wir können unseren Beitrag dazu leisten. Es gibt auch immer wieder Schmuggelfälle, die bei uns aufgedeckt werden. Wir können auf jeden Fall als WWF vor allem Touristen dazu auffordern, wenn sie nach Thailand fahren, nach China, nach Vietnam oder Malaysia, dass Touristen von dort auf keinen Fall Elfenbein mitbringen sollen. Das ist illegal. An den deutschen Flughäfen kriegen die Personen, die aufgegriffen werden, harte Sanktionen.

Ehring: Worauf muss ich denn noch achten? Elfenbein ist das eine, da geht es um die Elefanten. Aber es gibt ja noch andere Produkte.

Homes: Nashorn zum Beispiel. Wir hatten eigentlich ein Anwachsen von Nashornbeständen in vielen Teilen der Welt, vor allem im südlichen Afrika. Diese Nashörner, die geraten zunehmend unter Druck. Die Republik Südafrika setzt inzwischen Militär ein, um die Nashörner zu schützen. Das bewirkt dann, dass die Banden in anderen Ländern wie beispielsweise Kenia jetzt zuschlagen, oder selbst in Asien merken wir ein Wiederkommen der Wilderei, vor allem in Indien auf die Panzernashörner.

Ehring: Touristen, die mit solchen Gütern geschnappt werden, womit müssen die rechnen?

Homes: Mit harten Sanktionen auf jeden Fall. Natürlich verlieren sie das Produkt, wo sie im Zweifel viel Geld dafür bezahlt haben. Das ist das eine. Aber natürlich hat Europa und Deutschland auch harte Strafen für die Personen, die erwischt werden. Bis zu fünf Jahren Gefängnis sind drin.

Ehring: Volker Homes vom WWF war das – das Interview mit ihm haben wir kurz vor der Sendung aufgezeichnet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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