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StartseiteVerbrauchertippVertrauliches von Dritten mitgehört07.03.2016

Arztpraxen und DatenschutzVertrauliches von Dritten mitgehört

Ärzte und auch das Personal in einer Praxis unterliegen der Schweigepflicht. Das ist in den Berufsverordnungen und auch im Bundesdatenschutzgesetz so geregelt. Doch wird sich daran auch lückenlos gehalten? Die Stiftung Warentest hat den Praxistest gemacht - und festgestellt, dass oft zu viel preisgegeben wird.

Von Dieter Nürnberger

Eine Patientin bekommt eine Infusion.  (picture-alliance / dpa / Klaus Rose)
Eine Patientin bekommt eine Infusion. (picture-alliance / dpa / Klaus Rose)

Die Indiskretion kann schon beim Betreten der Praxis losgehen. Denn nicht selten liegen Empfangsbereich und Wartezimmer räumlich nicht weit auseinander. Was hier gesprochen wird, kann von anderen mitgehört werden. Diese Erfahrung machten auch Testpatienten, die im Auftrag der Stiftung Warentest zum Arzt gingen. Gegen ein kurzes, freundliches Gespräch am Empfang wird niemand etwas haben, allerdings sollten der Grund des Arztbesuchs und auch Behandlungsdetails doch lieber hinter verschlossener Tür erörtert werden. Warentester Gunnar Schwan nennt ein Beispiel:  

"Es ging um eine ganz konkrete Behandlungssituation bei einer Schuppenflechte. Und da konnten die anderen Wartenden schon verstehen, um wen es da ging und wie die Behandlung konkret aussah. Das ist vielleicht in erster Linie nur unangenehm, aber es könnte auch zum Stadt- oder Dorfgespräch werden. Und hätte theoretisch vielleicht sogar negative Konsequenzen - etwa, wenn man an den Arbeitgeber oder an Versicherungen denkt. Das möchte man dann eigentlich nicht."

In drei von zehn Praxen konnte somit durchaus Vertrauliches von Dritten mitgehört werden. Doch neben solch vergleichsweise leichten Verstößen gegen den Datenschutz gab es auch schwerwiegende Fälle: Per Telefon meldete sich zum Beispiel ein vermeintlicher Verwandter des Patienten in der Arztpraxis. Er wollte wissen, welche Laborwerte vorlägen oder auch, welche Medikamente konkret verschrieben worden seien. In acht von zehn Fällen gab das Personal recht freimütig Auskunft, ohne die Identität des Anrufers zu hinterfragen.

Via Internet - ohne Verschlüsselung

Eine weitere, gravierende Schwachstelle kann der E-Mail-Verkehr sein. Auch hier wurde Kontakt aufgenommen - mit bewusst unpersönlich gehaltenen  Mailadressen wie etwa "Sommerwind" Patientendaten abgefragt. Immerhin vier von zehn Praxen antworteten.

Die Daten gehen über das Internet - ohne Verschlüsselung. Wir haben teilweise Laborwerte bekommen - im Einzelfall auch ein ganzes Laborblatt. An eine völlig fremde Person und dann auch noch ungeschützt. Konkret: Jeder, der sich technisch damit auskennt und Interesse hat, hätte sich dazwischen klinken und Daten aufschnappen können.

Dabei gilt grundsätzlich, dass selbst Angehörige ohne Einwilligung des Patienten nichts über dessen Gesundheitszustand erfahren dürfen. Warentester Gunnar Schwan empfiehlt deshalb den Abschluss einer schriftlichen Vollmacht.

"Ich bevollmächtige meine Lieben, den Partner oder meine Kinder - wen auch immer - mich im Fall der Fälle zu vertreten. Das kann dann auch für den Fall gelten, wenn ich im Urlaub bin und keine Möglichkeit habe, mit dem Arzt in Kontakt zu treten. Brauche ich dann beispielsweise selber eine medizinische Behandlung im Ausland, dann kann man so einen schnelleren Weg einrichten."

Wege mit dem Arzt zu kommunizieren gibt es viele. Doch zeige die Stichprobe, dass unter Datenschutzaspekten nicht alle sicher sind, so das Fazit der Stiftung Warentest. Beispielsweise der E-Mail-Verkehr: Beide Seiten sollten dann zumindest eine Verschlüsselungstechnik nutzen.

Der Königsweg ist natürlich immer noch der Praxisbesuch, das heißt, man redet von Angesicht zu Angesicht mit dem Arzt. Der zweitbeste Weg ist dann letztlich der Postweg. E-Mail-Kommunikation ist problematisch. Telefon würde funktionieren, wenn man die Identität feststellen kann. Bei einem Praxisbesuch vereinbaren Sie mit dem Arzt ein Passwort. Und nur wenn Sie dieses Passwort am Telefon sagen, dann bekommen Sie die Information.

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