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StartseiteKultur heuteAschenputtel-Geschichte auf der Leinwand24.09.2009

Aschenputtel-Geschichte auf der Leinwand

Der Film "Wüstenblume" von Sherry Hormann

Waris Diries flieht als Kind aus Afrika, in London schlägt sie sich als Putzfrau durch - und wird später zu einem Topmodell. Sherry Hormann hat diese wahre Geschichte eines traumhaften Aufstiegs verfilmt.

Von Josef Schnelle

Wie macht man einen Erfolgsfilm? Am besten nimmt man ein Thema, das die Menschen weltweit bewegt. Dann sucht man sich einen anerkannten Bestseller dazu. Und wenn dann die Autorin auch noch ihr eigenes Leben beschreibt und inzwischen ein berühmter Weltstar ist, dann kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen, möchte man meinen. Doch zwischen der Planung eines Filmerfolgs und dem Klingeln der Kinokassen hat Gott die Mühen der Dramaturgie eingeschummelt. Da kann so manches schief gehen und gelegentlich sogar alles. Mit 18 Jahren wurde Waris Dirie aus Somalia als Modell entdeckt – in einem Londoner Imbiss, wo sie für kargen Lohn den Dreck der Kunden wegputzte. Dort wurde Aschenputtel von einem Fotografen entdeckt.

Der Mann hat untertrieben. Es handelte sich nämlich um einen der Top-Fotografen der Modebranchen, Terry Donaldson, an den das Mädchen geraten war.

Ein märchenhafter Aufstieg begann. Waris Dirie posierte für Revlon und L´Oreal. Sie eroberte die Laufstege von Paris, Mailand und London. Dann entschloss sie sich, ihre persönliche Geschichte aufzuschreiben. Mit 13 lief sie von zu Hause fort, weil sie nicht den 60-jährigen Mann heiraten wollte, der ihr zugedacht war. Sie floh nach Mogadischu und schlug sich zu ihrem Onkel durch, der als Diplomat in London lebte. Bei ihm konnte sie als Zimmermädchen arbeiten. Als er abberufen wurde, blieb Waris in London und musste sich nun als Analphabetin mit kleinen Jobs durchschlagen - bis aus ihr ein Superstar wurde. Im Alter von fünf Jahren hatte Waris Dirie als Kind einer Nomadenfamilie in der Wüste die Qualen der Zwangsbeschneidung erlebt. An den Folgen des brutalen Rituals waren zwei ihrer Cousinen gestorben. Waris Dirie wurde zur Vorkämpferin des weltweiten Kampfes gegen die Klitorisbeschneidung und sie hat sogar eine berühmte Rede vor der UNO-Vollversammlung gehalten.

Sherry Hormann, eine deutsche Filmregisseurin, die in New Yorks Stadtteil Kingston geboren wurde und sich mit einigen Filmen und mit Folgen der Bella-Block-Krimiserie einen Namen gemacht hat, geht im Film direkt drauf los auf die Schauwerte des Stoffes. Die Laufstege, der Erfolg und das Schicksal des Naturkindes in Afrika in Rückblenden. Alles stimmt und trotzdem ist nichts im Film wirklich überzeugend. Die Filmfiguren bleiben flache Stichwortgeber. Die Hauptdarstellerin Leya Kebede ist ebenso schön wir ihr Vorbild. Sally Hawkins als beste Freundin in den schlechten Zeiten im Londoner Unterklassenmilieu tut ihr Bestes, aber niemals glaubt man ihr auch nur eine Aktion. Als aufrüttelndes Flugblattkino eignet sich der Film aber auch nicht, weil er immer den Schauwerten mehr vertraut als zum Beispiel einer subtilen Charakterstudie der Hauptfigur. Waris Dirie hat trotzdem noch immer eine ganz besondere Geschichte zu erzählen. Als Filmvorlage eignet sie sich vielleicht deshalb nicht, weil die Erfurcht vor der Leidensleistung dieser Frau so manches verschleiert, das ein Film, engagiert und formal brillant zum Vorschein bringen müsste. So fühlt man sich oft leicht manipuliert und ist verstimmt. Regisseurin Sherry Hormann selbst gibt zu, dass sie mit ganz viel Ehrfurcht zu Werke gegangen ist.

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