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StartseiteForschung aktuellAsteroidenschutz und Kooperation26.01.2012

Asteroidenschutz und Kooperation

DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner mit Jahresausblick 2012

Raumfahrt. - Heute Morgen hat der Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt in Berlin seine Pläne für das neue Jahr präsentiert. Das DLR ist das nationale Forschungszentrum für die Bereiche Luft und Raumfahrt, Verkehr, Energie und Sicherheit. Wobei in diesem Jahr die Raumfahrt eine besondere Rolle spielt. Dirk Lorenzen gibt im Gespräch mit Arndt Reuning einen Überblick.

Dirk Lorenzen im Gespräch mit Arndt Reuning

Johann-Dietrich Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (AP)
Johann-Dietrich Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (AP)

Reuning: Herr Lorenzen, wir schreiben das Jahr 2012. Manche Menschen mahnen ja, dass es einen Maya Kalender gäbe, der zu Ende geht, und dass dadurch auch der Weltuntergang eingeläutet würde, möglicherweise durch einen Einschlag aus dem All. Nehmt das DLR diese Befürchtung denn ernst?

Lorenzen: Herr Reuning, man widmet sich zumindest möglichen Anschlägen aus dem All. Natürlich hält man von einem mutig interpretierten Maya Kalender auch wenig, dafür hält man sich lieber an das EU-Forschungsrahmenprogramm und und in dessen Rahmen hat jetzt vor wenigen Tagen das Projekt "Neo Shield" begonnen. Neo steht für die englische Abkürzung von erdnahen Objekten, und eben hin und wieder könnte so ein Objekt auch mit der Erde kollidieren. Die Frage ist: Wenn man das langfristig weiß, kann man diese Gefahr abwehren und wie? Und da laufen jetzt beim DLR und der beteiligten Industrie eine Vorstudie, die EU zahlt dafür vier Millionen Euro, die da investiert werden. Und die Frage ist: Kann man die langfristig irgendwie ablenken? Das könnte gehen mit Strahlung von Sonnenlicht, so ein kleines Triebwerk, das wir andocken an so ein Objekt, oder es mit einer parallel nebenher fliegende Raumsonde irgendwie ablenken. Kanonen, wie es sie in Action-Filmen gibt, das hat man schon gesagt, die scheiden schon mal aus, aber man muss genau gucken, was ist nun machbar, was möglich, und dann soll es irgendwann mal damit weitergehen.

Reuning: Bei so einer Bedrohung aus dem All denken viele doch eher an abstürzenden Weltraumschrott, wie unlängst die russische Sonde "Phobos-Grunt" oder der deutsche Satellit Rosat. Ist auch das ein Thema beim DLR?

Lorenzen: Weltraummüll bleibt ein Thema, man möchte da per Laser genau gucken, was gibt es da wirklich noch an Trümmerstücke, sich auch überlegen, ob man langfristig zumindest mit Laser einzelne Stücke so ablenken könnte, dass sie auf eine niedrigere Bahn kommen, so dass sie schneller abstürzen, bevor sie dort oben weiteren Schaden anrichten können. Man freut sich beim DLR, dass durch Rosat jetzt zumindest diese politische Diskussion über Weltraummüll und dessen Vermeidung wieder in Gang gekommen ist. Lange Jahre galt das ja einfach als Thema, das nicht zu wichtig sei und nur irgendwelche Kosten verursache. Und DLR-Chef Wörner sagt, er hoffe, auf "Neo Shield" bezogen, auf diesen Schutz vor Einschläge von erdnahen Objekten, dass er hofft, dass dort das Verständnis vor der Katastrophe komme. Allerdings müsse es dann über diese Vorstudien schneller hinauskommen. Allerdings hat das DLR in diesem Bereich schon mal einen auf die Mütze bekommen, um es mal so zu sagen: Man hatte vor, einen Minisatelliten zu starten, der die erdnahen Objekte innerhalb der Erdbahn angucken sollte. Das Projekt ist aus Geldgründen dann eingestellt worden.

Reuning: Ja die Kosten. Kann Deutschland allein da überhaupt etwas ausrichten oder spielt Raumfahrt nur noch eine Rolle im Rahmen von Europa, im Rahmen zum Beispiel der Esa?

Lorenzen: National kann man nur anschieben und ausprobieren. Sobald es dann mehr wird, ist auf dieser Esa-Rolle. Da wird es ja in diesem Herbst besonders interessant, dann treffen sich die Raumfahrt-Minister und legen die Marschroute für die nächsten drei bis sechs Jahre auf europäischer Ebene fest. Da geht es zum Beispiel darum, wird man die Ariane V modernisieren - das bevorzugt Deutschland - oder macht man das, was Frankreich sagt: Dass man lieber eine ganz neue Ariane-Rakete bauen sollte, eine Ariane VI. Ein großer Streitpunkt ist auch die Nutzung der Station. Jetzt ist sie fertig und Frankreich in Italien wollen da gar nicht mehr so mitspielen, also da muss man sich zusammenraufen im Herbst.

Reuning: Beim Navigationssystem Galileo arbeitet die Esa ja eng mit der Europäischen Union zusammen. Könnte das ein Modell sein auch für andere Bereiche in der Raumfahrt?

Lorenzen: Nicht jedenfalls aus der Sicht des DLR. DLR-Chef Wörter hat doch erstaunlich offen heute schon davon gesprochen, dass da Esa versus EU arbeiten, also zum Teil gegeneinander. Er hat auch betont, dass er extra nicht Esa und EU sagt. Aus deutscher Sicht möchte man die Esa schon gerne eigenständig lassen, und sagt: Da fallen die Entscheidungen, das möchte man nicht alles auf die EU-Ebene ziehen. Fusionieren können sie eh nicht, weil bei der Esa zum Beispiel Norwegen und die Schweiz mitarbeiten, die bekanntlich nicht in der EU sind. Aber ein politisches Thema, was ihm wirklich wichtig ist, ist China. Er sagt: China muss international bei der Raumstation hineinkommen und praktisch auch die Europäer ein bisschen aus der Bredouille bringen. Er sagt: Da macht es keinen Sinn einen neuen Wettbewerb zu machen. Das war dann allerdings mehr ein Appell nicht an die europäische Ebene sondern an die Amerikaner. Dort stößt das mit China bisher noch auf taube Ohren, aber vielleicht wird sich das im Laufe des Jahres ändern.

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