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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteForschung aktuellHektor, die kosmische Erdnuss12.03.2014

AstronomieHektor, die kosmische Erdnuss

Die Kugel hat sich als die optimale Daseinsform für Planeten und Monde herausgestellt. Besitzt ein Körper genügend Masse und rotiert, dann wird er im Laufe der Jahrmillionen von selbst rund. Ein Himmelskörper allerdings fällt aus der Rolle: Geformt wie eine Erdnuss und umkreist von einem Mond, gilt der Asteroid 624 Hektor Astronomen als das merkwürdigste Objekt im Sonnensystem.

Von Guido Meyer

Der Trojaner Hektor samt Mond in einer künstlerischen Darstellung. (H. Marchis, F. Marchis)
Der Asteroid 624 Hektor ist wie eine Erdnuss geformt. (H. Marchis, F. Marchis)

Die Kugel hat sich als die optimale Daseinsform für Planeten und Monde herausgestellt. Besitzt ein Körper genügend Masse und rotiert, dann wird er im Laufe der Jahrmillionen von selbst rund. Ein Himmelskörper allerdings fällt aus der Rolle: Geformt wie eine Erdnuss und umkreist von einem Mond, gilt der Asteroid 624 Hektor Astronomen als das merkwürdigste Objekt im Sonnensystem.

Wenn Sie bei sich zuhause staubsaugen und danach den Beutel öffnen, dann finden Sie alles Mögliche: Essensreste, Spielzeug Ihrer Kinder und noch vieles mehr. Wenn Sie das alles untersuchen, können Sie daraus schließen, woraus Ihr Haus besteht und wer darin wohnt.

Der Astronom Franck Marchis vom SETI-Institut in Kalifornien vergleicht den Inhalt eines Staubsaugerbeutels mit einer bestimmten Gruppe von Objekten im Sonnensystem: den sogenannten Trojanern.

"Trojaner sind Asteroiden, die irgendwann in der Geschichte des Sonnensystems von Planeten eingefangen wurden. Sie stammen aus allen möglichen Ecken des Sonnensystems und aus ganz unterschiedlichen Zeiten. Besonders die Trojanerschwärme des Planeten Jupiter entsprechen dem gemischten Inhalt eines Staubsaugerbeutels."

Jupiters Trojaner

Jupiters Trojaner sind Asteroiden, die mit dem Planeten gemeinsam die Sonne umkreisen. Viele von ihnen kommen wahrscheinlich ursprünglich aus dem Kuiper-Gürtel. Durch die Wanderungsbewegungen der großen Gasplaneten wurden sie irgendwann aus dieser Gesteinsansammlung am Rand des Sonnensystems heraus katapultiert und auf die Umlaufbahnen der Planeten gezwungen - so auch Hektor, ein Trojaner von extrem ungewöhnlicher Form.

"Er besteht aus zwei Hälften, die miteinander verbunden sind. Das ganze Objekt ist ziemlich symmetrisch aufgebaut. Im Prinzip sieht es aus wie eine Erdnuss. Wir könnten diesen Himmelskörper also als 'kosmische Erdnuss' bezeichnen."

Die Planetenwissenschaftlerin Julie Castillo vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena hat Hektor in den letzten acht Jahren untersucht und vermessen, primär mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii. Dieser Trojaner hat einen Durchmesser von rund 250Kilometer. Er besteht vorwiegend aus Eis und Gestein, ist aber porös und verfügt über einige Hohlräume. Und genau dieser Aufbau könnte auch seine ungewöhnliche Form erklären, so Castillo:

"Die Relativgeschwindigkeit zwischen Objekten im Kuiper-Gürtel ist gering, da sie alle gemeinsam die Sonne umkreisen. Wahrscheinlich sind zwei von ihnen im Kuiper-Gürtel zusammengestoßen und blieben aneinanderhaften."

Zwei Aufnahmen mit dem Keck-II-Teleskop aus dem Juli 2006 und Oktober 2010 zeigen die Erdnuss-artige Form von Hektor sowie seinen Mond. (WMKO / Marchis)Zwei Aufnahmen mit dem Keck-II-Teleskop aus dem Juli 2006 und Oktober 2010 zeigen die Erdnuss-artige Form von Hektor sowie seinen Mond. (WMKO / Marchis) 

Der namenlose Mond

Demnach hätte sich Hektor aus zwei Asteroiden des Kuiper-Gürtels gebildet, bevor er aus diesem heraus katapultiert wurde. Das glaubt auch Franck Marchis vom SETI-Institut.

"Wenn zwei Gesteinsbrocken zusammenstoßen, zerstören sie sich normalerweise gegenseitig in tausend Einzelteile. Bestehen sie jedoch aus porösem Material, so wie nasser Sand, kleben sie aneinander und formen einen größeren Asteroiden, der sich dann schneller dreht."

Bei diesem Zusammenprall ist wahrscheinlich Materie ins All geschleudert worden - genug, um daraus einen nur zwölf Kilometer großen Mond entstehen zu lassen.

"Das ist der einzige bekannte Trojaner, der einen eigenen Mond hat. Er umkreist Hektor auf einer lang gezogenen Umlaufbahn. Nur weil der Mond solch einen elliptischen Orbit beschreibt, kann er sich überhaupt im Anziehungsbereich dieser kosmischen Erdnuss halten."

Nach einem passenden Namen für diesen Mini-Mond suchen die Astronomen derzeit noch. 

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