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StartseiteUmwelt und VerbraucherAtomindustrie auf absteigendem Ast08.03.2013

Atomindustrie auf absteigendem Ast

Studie: Fukushima hat Krise der Atomenergie beschleunigt

Nach dem Mehrfach-GAU im japanischen Fukushima vor zwei Jahren begann in Deutschland die Abkehr von der Kernenergie. Auch weltweit ist Atomindustrie auf dem Rückzug, konstatieren die Autoren des "Welt-Statusreport Atomindustrie". Die Katastrophe von Fukushima habe diese Entwicklung begünstigt, sei aber nicht der einzige Grund.

Von Verena Kemna

Dem Slogan "Atomkraft ? - Nein danke" schließen sich immer mehr Länder an.
Dem Slogan "Atomkraft ? - Nein danke" schließen sich immer mehr Länder an.

Zwei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima zeichnet der
"Welt-Statusreport Atomindustrie" das Bild einer Branche, die unter Druck geraten ist. Hauptverfasser Mycle Schneider lebt in Paris und bezeichnet sich selbst als unabhängigen internationalen Atompolitikberater. Seit Jahrzehnten berät und informiert er Ministerien und Institutionen vor allem in Deutschland und Frankreich. Schneider sieht die Zukunft bei den erneuerbaren Energien, während die Zukunft der Atomenergiebranche weltweit infrage steht. Der Statusbericht mit Stand vom Juli 2012 verzeichnet weltweit etwa 400 Atomreaktoren, die in über 30 Ländern in Betrieb sind. Fast zwanzig Kraftwerke wurden 2011 abgeschaltet. Dazu kommen Baustopps, annullierte Neubauprojekte und Zulassungsverzögerungen. All das seien nicht etwa Folgen von Fukushima. Mycle Schneider sieht die Branche seit Jahren in der Krise.

"Wir hatten bereits den Höhepunkt der Rolle der Atomkraft in der Stromerzeugung vor 20 Jahren. Mit etwa 17 Prozent Anteil an der weltweiten Stromerzeugung war Atomkraft vor 20 Jahren dabei, 2011 waren es noch etwa 11 Prozent."

Fukushima hat den Umschwung weg von der Atomenergie lediglich beschleunigt, meint Schneider. Frankreich, Deutschland, Japan, Russland, Südkorea und die USA stehen für zwei Drittel der nuklearen Energieerzeugung weltweit. Mit dem angekündigten Atomausstieg hat Deutschland nach der Katastrophe in Japan am deutlichsten reagiert. In Südkorea äußern sich inzwischen Umfragen zufolge zwei Drittel der Bevölkerung gegen Kernkraft. In China, wo bis heute die nukleare Stromerzeugung wächst, wurden kurz nach dem Unglück vorübergehend alle Bauprojekte gestoppt.

"Taiwan hat reagiert und angekündigt, dass langfristig die Insel Atom frei werden soll, die Schweiz hat einen Parlamentsbeschluss herbeigeführt, dass Neubau nicht mehr genehmigt werden soll."

Auch in Frankreich haben sich die Vorzeichen geändert. So soll der Anteil der Atomenergie bis 2025 um die Hälfte reduziert werden. Langfristig müssten dann über 20 Atomkraftwerke in Frankreich abgeschaltet werden. Für Mycle Schneider steht fest, dass den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört.

"Wenn sie nach China schauen, dann baut dieses Land zwar viele Atomkraftwerke im Verhältnis zu anderen Ländern. Aber die Investitionssummen waren schon vor Fukushima etwa das Fünffache für Erneuerbare im Verhältnis zu dem, was sie für Atomkraft ausgegeben haben. 2012 war das erste Jahr, wo Windkraft in China auch die Stromproduktion von Atomkraftwerken überflügelt hat."

Während der Welt-Statusreport für die Atomindustrie das Bild einer Branche zeichnet, die längst ihre Sonderstellung im Markt verloren hat, stehen die Mitgliedsfirmen des Deutschen Atomforums nach wie vor hinter der umstrittenen Kernenergie. Beide Technologien, sowohl Kernenergie als auch erneuerbare Energien stehen bei der Firma Areva im Programm. Stefan Pursche rechnet mit dem Neubau weiterer Kernkraftwerke sowohl in Asien als auch in Europa.

"Also Areva baut im Moment in drei Ländern neue Kernkraftwerke, nämlich in Finnland, eins in Frankreich und zwei in China und es laufen zurzeit konkrete Ausschreibungsverfahren für Neubauten beispielsweise in Tschechien, in Großbritannien, in Finnland sollen ein oder zwei weitere Kernkraftwerke entstehen."

Auch die polnische Regierung plant den Einstieg in die Atomenergie. Eine zuverlässige Energiequelle und obendrein CO2 frei, meint Stefan Pursche. Fukushima hat zwar eine Zäsur gesetzt, doch die Zukunft der Kernenergie sieht Pursche nicht gefährdet.

"Das Ereignis in Fukushima hat ganz sicher zu einem Innehalten und Nachdenken geführt. Ich kann aber nicht sehen, dass dadurch das Neubaugeschehen insgesamt infrage gestellt wurde. Also wenn man eine globale Perspektive einnimmt, dann sehe ich die Zukunft der Kernenergiebranche positiv."

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