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Atomkonflikt mit NordkoreaDie Lage bleibt hochriskant

Der Atomkonflikt mit Nordkorea sei festgefahren wie nie, kommentiert Asien-Korrespondent Martin Fritz. Das Regime in Pjöngjang werde seinen Status als Atommacht unter keinen Umständen aufgeben - und US-Präsident Trump sei nach wie vor ein destabilisierender Faktor.

Von Martin Fritz

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Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un inspiziert angeblich den Sprengkopf einer Wasserstoffbombe. Das Foto wurde von der Regierung in Pjöngjang verbreitet. (dpa / picture-alliance / KCNA)
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un inspiziert angeblich den Sprengkopf einer Wasserstoffbombe. Das Foto wurde von der Regierung in Pjöngjang verbreitet. (dpa / picture-alliance / KCNA)
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Knapp eine Woche nach Nordkoreas Atomtest sind die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang unverändert groß. Präsident Donald Trump drohte mehrmals mit einer militärischen Lösung. Nordkorea kündigt neue Geschenkpakete an. Südkorea befürchtet einen weiteren Probeschuss einer Langstreckenrakete.

Die Krise hat viele Verästelungen und ist festgefahren wie nie. Der Westen will die wirtschaftlichen Sanktionen gegen die Diktatur in Pjöngjang massiv verschärfen und rechtfertigt diesen Schritt mit dem ungehörigen Verhalten von Nordkorea. Doch damit drehen Washington, Brüssel und Berlin genauso an der Eskalationsschraube wie die andere Seite.

Nordkorea wird nicht bereit sein, die Atombombe aufzugeben

Der vernünftigste Spieler in dieser Krise scheint China zu sein. Aber der erste Kompromissvorschlag von Peking, nämlich ein Moratorium von Atom- und Raketentests von Manövern in Südkorea, ist für die USA und Südkorea schwer zu akzeptieren. Nun scheint China auf die Position zu schwenken, schärfere Sanktionen mit Gesprächen zu verbinden. Der Vorschlag hätte durchaus Chancen bei den nachdenklicheren Politikern in Washington. Präsident Trump hat zwar Reden mehrmals abgelehnt, aber das muss nichts bedeuten.

Das Problem ist der Inhalt der Gespräche. Lieber fressen die Nordkoreaner Gras, als die Atombombe aufzugeben, hat der russische Präsident Putin in dieser Woche gesagt. Das trifft den Kern der Sache: Nordkorea will sprechen, aber nur, wenn es als Atommacht akzeptiert wird. Doch damit würde sich das Sicherheitssystem in der Region verändern. Die USA müssten dann die taktischen Atomwaffen nach Südkorea zurückbringen, die in den neunziger Jahren nach dem Atom-Abkommen mit Nordkorea abgezogen wurden. Eine Annäherung der USA an Nordkorea, um sich selbst zu schützen, würde die Regierungen in Seoul und Tokio an der Zuverlässigkeit ihres Bündnispartners zweifeln lassen. Solche Zwietracht will Kim mit seiner aggressiven Rüstung auch säen.

Die landläufige Weisheit von Nordkorea-Experten ist, dass das Regime in Pjöngjang die Atomwaffen als Überlebensgarantie braucht. Dann könnte es in Verhandlungen mit den USA einen Friedensvertrag aushandeln und Wirtschaftshilfe fordern. Doch die erklärten politischen Ziele von Nordkorea sind auch eine Konföderation der beiden Koreas unter seiner Führung und ein Abzug der Amerikaner von der Halbinsel. Letzteres wiederum ist auch ein Ziel von China und Russland. Beide wollen den Einfluss der USA in Ostasien schwächen. Das Atom- und Raketenprogramm hilft ihnen dabei, deshalb sind Peking und Moskau keine neutralen Akteure.

Trumps Narzissmus als Risikofaktor

Bisher sind die Provokationen aus Pjöngjang kalkuliert unterhalb der Schwelle geblieben, die eine militärische Antwort der USA erzwingt. Aber ein Restrisiko bleibt, da die andere Seite nur vermuten kann, was Pjöngjang wirklich erreichen will. Eine berechtigte Sorge zum Beispiel ist, dass Nordkorea sein militärisches Know-how an andere Schurkenstaaten verkaufen könnte. Aber Präsident Trump ist ein destabilisierender Faktor. Seine Idee, Handel und Sicherheit miteinander zu verknüpfen, etwa durch Strafmaßnahmen gegen Nordkoreas Handelspartner wie China, würde der Weltwirtschaft schaden, ohne dass Nordkorea ein Gramm angereichertes Uran weniger hätte.

Trumps Narzissmus könnte ihn zu einem militärischen Abenteuer in Korea verleiten. Denn Nordkorea hat bei diesem Pokerspiel derzeit das stärkere Blatt. Die USA sehen deswegen wie ein Papiertiger aus. Mit einem Militärschlag könnte Trump seine Frustration abbauen. Seine Rhetorik hört sich jedenfalls so an, als ob er sich langsam mit diesem Gedanken anfreunden würde.

Vielleicht sollte sich Washington einen neutralen Vermittler suchen. Dann könnte man hinter den Kulissen und ohne Tweets mögliche Verhandlungen ausloten. Wahrscheinlicher ist, dass dies nicht passiert und die Spannungen auf hohem Niveau anhalten. Die Welt muss wohl weiter Angst vor einem Atomkrieg haben.

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