Verbrauchertipp /

Auch Pflegende brauchen Auszeiten

Tipps zur Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Von Klaus Peter Weinert

Pflege hilft - kann aber den Pflegenden erschöpfen
Pflege hilft - kann aber den Pflegenden erschöpfen (AP)

Ein Pflegedienst oder andere pflegende Personen, zum Beispiel auch Verwandte oder Bekannte, können ältere Menschen betreuen. Was geschieht aber, wenn Pflegekräfte ausfallen oder häusliche Pflege nicht erbracht werden kann?

Die Pflege von Angehörigen nimmt die Pflegenden oft voll in Anspruch - manchmal ist es kaum noch möglich, die Wohnung zu verlassen. Ohne Unterstützung ist das kaum durchzuhalten, sagt Sylvia Menke-Hollenberg, Pflegedienstleiterin in der Diakonie:

"Man sollte darauf achten, dass man sich zwischendurch auch kleinere Auszeiten nimmt. Es ist keinem zuzumuten oder es ist auch nicht notwendig 24 Stunden am Tag immer nur für einen da zu sein, das schafft man auf Dauer nicht. Man muss sich seine kleinen Freiräume schaffen und dem zu Pflegenden das auch klar machen, dass man das braucht. Und derjenige sollte seine Auszeit wirklich dazu nutzen, sich zu erholen. Denn nur wer sich selber gut pflegt, kann andere gut pflegen."

Ganz wichtig ist es, dass Verwandte oder Bekannte sich von Anfang an informieren und Rat in Anspruch nehmen, welche Leistungen den Pflegenden zustehen. Dazu gibt es Pflegeberatungsstellen bei den Kommunen und natürlich auch den Pflegekassen. Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

"Dann geht es natürlich darum, dass man sich regelmäßig Entlastung holt, das heißt, nicht alles alleine machen, sondern guckt: Gibt es einen ambulanten Pflegedienst, gibt es jemanden in der Familie oder Nachbarschaft, der auch mal stundenweise einspringen kann. Und ein ganz wichtiger Tipp: Nutzen sie auch die Tagespflege, denn Leistungen der Tagespflege gibt es zusätzlich zum Pflegegeld, und insofern lohnt es sich wirklich, auch solche Entlastungsangebote mit ins Boot zu holen."

Die Tagespflege kann in Anspruch genommen werden, wenn der Pflegebedürftige zum Beispiel für einige Stunden pro Tag betreut werden muss. Dann gibt es auch noch die Kurzzeitpflege, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn die häusliche Pflege vorübergehend nicht ausreichend ist. Zu beachten ist hierbei, dass nur die Pflegekosten, nicht die Kosten für Miete oder Essen berücksichtigt werden. Diese müssen selbst bezahlt werden oder gegebenenfalls durch die Sozialhilfe.

Darüber hinaus hat jeder Pflegende das Recht auf eine längere Auszeit, pro Jahr bis zu vier Wochen, eine sogenannte Verhinderungspflege.

"Ganz wichtig ist, dass man vorher sechs Monate gepflegt haben muss, um diese Verhinderungspflege überhaupt in Anspruch zu nehmen, und die Verhinderungspflege zahlt Geld nur, wenn eine professionelle Unterstützung in Anspruch genommen wird oder wenn sonstige externe Personen diese Unterstützung leisten."

Wenn Familienangehörige sich gegenseitig helfen und die Verhinderungspflege übernehmen würden, dann zahlt die Pflegekasse nur das Pflegegeld. Heike Nordmann:

"Bei der Verhinderungspflege gibt es auch ganz viele Alternativen. Auch im Rahmen der Verhinderungspflege könnte man eine stationäre Einrichtung nutzen, man kann aber einen ambulanten Pflegedienst beauftragen oder auch Nachbarn, Freunde etc., die dann auch eine Rechnung schreiben, und dieses Geld kann man dann von der Kasse zurückbekommen."

Dafür genügt eine Aufstellung der Leistungen, die der Pflegende erbracht hat, die er dann einreichen kann. Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, dass die monatliche Höhe von 1550 Euro pro Jahr nicht überschritten wird, sonst muss der Pflegende die Differenz bezahlen.

Bisher wird während der Verhinderungspflege kein Pflegegeld gezahlt. Das ändert sich ab dem 1. Januar 2013. Die neue Regelung sieht den Anspruch auf die Hälfte des Pflegegeldes vor.



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Bundestag beschließt Pflegereform

 

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