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StartseiteSprechstundeAuf dem Weg zur Volkskrankheit?03.02.2004

Auf dem Weg zur Volkskrankheit?

Neue Strategien bei Gelenkverschleiß

<strong>Wenn Gelenke verschlissen sind, können selbst einfachste Alltagsbewegungen, wie etwa Bücken, Treppen steigen oder gar langsames Gehen, zur Qual werden. Da degenerative Gelenkerkrankungen vor allem ein Problem älterer Menschen sind, nimmt die Zahl der Betroffenen mit steigender Lebenserwartung zu. Nicht selten leiden aber auch jüngere Menschen unter entsprechenden Beschwerden, die unter dem Begriff Arthrose zusammengefasst werden. Welche aktuellen Behandlungsmöglichkeiten es gibt, darüber diskutierten am Wochenende Orthopäden in Münster. </strong>

Von Christiane Raasch

Arztpraxis (AP)
Arztpraxis (AP)

Die Arthrose ist eine Entzündung der Gelenkschleimhaut, die letztlich zur Zerstörung des Gelenkknorpels führt. So wie bei Anneliese Espeter, heute 76 Jahre alt. Dass etwas mit ihrem rechten Kniegelenk nicht stimmte, spürte sie bereits mit 40:

Da hab ich’s gemerkt als ich eine Treppe runterging und wusste nicht, was mit meinem Knie war. Und es wurde immer schlimmer, da bin ich zum Arzt gegangen und der sagte, Frau Espeter, sie haben die beginnende Arthrose.

Mit zerstörerischem Verlauf. Die Schmerzen wurden irgendwann unerträglich. Anneliese Espeter bekam ein künstliches Kniegelenk. Auf der Tagung in Münster konnten Orthopäden und Chirurgen nun eine ganz neue Methode erlernen, künstliche Kniegelenke zu implantieren. Privatdozentin Dr. Susanne Fuchs, Oberärztin an der orthopädischen Universitätsklinik Münster, lehrte die bundesweit einmalige minimalinvasive OP-Methode. Kleine Instrumente machen das möglich. Susanne Fuchs:

Und das führt eben zu einer schnelleren und besseren Rehabilitation und das sieht man eben schon nach einigen Tagen und Wochen.

Eine weitere gute Nachricht für Arthrosekranke: auf dem Kongress wurde Kniegelenk-Ersatz aus neueren und besseren Materialien vorgestellt. Bisher gab es das Problem, dass solche Prothesen aus dem Kunststoff Polyethylen nach 10-15 Jahren abgenutzt sind, Wissenschaftler und Techniker versuchen deshalb seit Jahren die Eigenschaften des Polyethylens zu verbessern. Den Stoff grade für die Kniegelenk-Prothesen belastbarer, härter zu machen, aber auch neue Materialien anzuwenden:

Zum Beispiel gibt es da jetzt Prothesen, die mit einer Zirkoniumoxid-Beschichtung versehen sind oder auch mit einer keramikähnlichen Struktur. Und im Bereich des Polyethylens hat man einen Herstellungsprozess eingeführt, wo man die Kristallinität steigert und die Sprödigkeit verbessert, so dass das Material härter ist und man erhofft sich, dass eben die Haltbarkeit der Prothesen länger ist, dadurch.

Ein weiteres Thema des Kongresses waren die Knochen -ersatzmaterialien. In der Unfallmedizin und der Chirurgie kommt man ohne solche Stoffe nicht mehr aus, sagt Professor Dr. Dr. Reinhard Schnettler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie der Universitätsklinikum Gießen. Knochenersatz, den brauchen die Ärzte bei Unfallpatienten, bei Krebskranken und:

Gerade bei Frakturen bei älteren Menschen mit großem Defektstrecken, die wir aufbauen müssen, weil wir dann kein körpereigenes Material zur Verfügung haben. Und insbesondere im Blick auf die sich entwickelnde Bevölkerungspyramide, ältere Menschen, Entwicklung von Osteoporose immer mehr. Angeborene knöcherne Defekte, die dann im Grunde genommen mit Knochen oder Knochenersatzmaterial aufgefüllt werden müssen.

Dazu stehen nun moderne Materialien zur Verfügung, "intelligente" Stoffe, sagt Wissenschaftler Schnettler.

Wir haben neue und zwar resorbierbare Knochenersatzstoffe zur Verfügung, die im Grunde genommen dem Knochen als Matrize dienen und ihm die Möglichkeit geben, dass er in diese Knochenersatzstoffe einwächst und damit den Defekt verschließt und wiederum diese Knochenersatzstoffe resorbiert werden, so dass sie nach ein zwei, drei oder auch vier Jahren nicht mehr vorhanden sind.

Beim modernen, teilweise noch experimentellen Ansatz in der Therapie von Knochenschäden, mischen Forscher anorganische Materialien mit Stammzellen und Wachstumsstoffen und geben sie in den Knochendefekt. Durch diese Mischung schließt sich der Hohlraum schneller, als es mit den herkömmlichen Methoden der Fall ist.

Anneliese Espeter hat von dem Kongress an der Universitätsklinik in Münster nichts mitbekommen. Im Moment braucht sie sich auch nicht um OP-Techniken und Prothesen-Stoffe zu kümmern. Für sie zählt nur eins: das rechte künstliche Kniegelenk hält schon seit Jahren, und auch die linke Knieprothese, die vor eineinhalb Jahren notwendig wurde, funktioniert bestens. Wenn die Münsteranerin an das Thema Arthrose, fällt ihr spontan nur eines ein, wie schön es war, keine Schmerzen mehr zu haben, damals nach ihrer ersten Knie-OP:

Ich war wie befreit, ich konnte wieder Laufen, Spaziergänge machen, ein ganz normales Leben führen, es war ein Geschenk!

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