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StartseiteForschung aktuellAuf den Spuren der Dancing White Lady14.08.2003

Auf den Spuren der Dancing White Lady

Wie von einer seltenen Spinnenart die Wissenschaft profitieren könnte

<strong>Biologie. - Die meisten Menschen ekeln sich vor Spinnen. Einige leiden sogar unter einer Spinnenphobie. Kein Zweifel, die Krabbeltiere mit den haarigen Beinen zählen nicht zu den Tieren, mit denen wir uns gerne abgeben wollen. Dabei könnte die Raumfahrt von ihnen profitieren. Das hat der Zoologe Klaus Birkhofer vom Zoologischen Institut in Darmstadt herausgefunden. Mehrere Monate bereiste er die Wüste von Namibia und heftete sich an die Fersen einer ganz besonderen Spinne: Der Dancing White Lady. Die - wie ihr Name schon sagt - eher weiß ist. Und auch sonst unterscheidet sie sich sehr von unseren Hausspinnen. Klaus Birkhofer hat das Verhalten der weißen Lady studiert. Und in der Tat - von ihr könnte die Wissenschaft einiges lernen.</strong>

Von Hans Rubinich

Normalerweise sind Spinnen braun oder schwarz. Die Dancing White Lady nicht. Diese seltene Spinnenart ist cremefarben, fast weiß, handtellergroß und lebt ausschließlich in der Wüste von Namibia. Um sich vor der Hitze zu schützen, bauen sich diese Spinnen unter dem Sand eine Röhre. Die verlässt das Weibchen kaum. Ganz anders das Männchen. Nachts entsteigt es der Röhre, geht auf Beutejagd und - das hat der Zoologe Klaus Birkhofer herausgefunden - vor allem auch auf Partnersuche. Dabei legt das Spinnchen-Männchen einige hundert Meter zurück. Das ist erstaunlich, ist es doch nur ein kleines Tier. Hoch gerechnet auf den Mensch, würde es jede Nacht etwa 8 km zurücklegen. Doch noch erstaunlicher ist, wie die Dancing White Lady ihren Weg zurück zu ihrem Bau findet.

Sie geht im 45 Grad Winkel nach links weg. Im 45 Grad Winkel dieselbe Distanz wieder nach rechts. Und kriegt dann die Idee zu ihrem Bau zurück zu wollen. Dann läuft sie nicht wieder diesen Schlenker zurück, sondern den relativ geradesten Kurs zurück zur Röhre. Also eine gerade Linie. Es ist also immer ein anderer Weg.

Die weiße Spinne geht also im Zick-Zack Kurs los und krabbelt auf dem kürzesten Weg geradeaus zurück. Weder die Sonne noch der Mond helfen ihr dabei. Für den Zoologen Klaus Birkhofer ist das eine unglaubliche Leistung:

Man könnte sich überlegen, dass sie in der Lage ist, bei ihrem Weg nach draußen jegliche Informationen, die sie erhält, die Auslenkung ihrer Gelenke, alles das speichert. Und daraus einen Rückweg errechnen kann.

Fünf Monate lang beobachtete Klaus Birkhofer vom Institut für Zoologie in Darmstadt diese seltene Spinnenart in der Wüste von Namibia. Er lebte entweder in einem Zelt. Oder übernachtete im weltgrößten Forschungszentrum für Tiere, die in der Wüste leben - das Goabeb-Training-Resarch Center. Sollte die Weiße Spinne wirklich fähig sein, ihren langen Rückweg zu berechnen, dann wäre das eine kleine Sensation, von dem einmal die Raumfahrt profitieren könnte. Etwa:

Wenn man an die Pathfinder-Sonde auf dem Mars denkt. Man könnte die auf Knopfdruck auf kürzestem Weg zurückholen. Wenn man diese Algorithmen, knackt, die dahinter stecken.

Dann ließe sich ein Computerprogramm schreiben. Mit dem könnte der Roboter der Sonde programmiert werden. Und auf Knopfdruck ließe sich er sich zielsicher zurückholen, nachdem er genügend Proben eingesammelt hat. Birkhofer:

Wobei man nicht vergessen darf, einem solchen Gerät dann Sensoren einzubauen, damit er nicht gegen eine Wand fährt oder eine Schlucht runterstürzt. Diese Sensoren hat das Tier auch. Es sollte mit einer Programmierung schon jetzt kein Problem sein. Es könnte nur sein, dass es mit einer aus der Natur erhaltenen Lösung einfacher ist.. Es ist erprobt.

Um herauszufinden, wie das die weißen Spinnen immer den kürzesten Weg nach Hause finden, hat Klaus Birkhofer Hunderte ihrer Bauten ausfindig gemacht und jeden einzelnen Bau mit einem Esslöffel markiert. Sein Forschungsgebiet grenzte er mit einem kleinen Zaun ein. Die Weiße Lady ist ein Nachttier. Am frühen Morgen kehren die Männchen in ihren Bau zurück. Kurz darauf - so gegen 6.15 Uhr - machte sich dann Klaus Birkhofer mit Turban und langen Hosen auf den Weg, um ihre Spuren zu untersuchen:

Allerdings habe ich auf diesen Flächen einige Kilometer zurückgelegt. Man wandert dann mit dem Kopf nah über dem Boden im Slalom Kurs über seinen Flächen, damit einem wirklich nichts entgeht und damit man wirklich alles herausfindet, was einem die Spuren im Sand über die letzte Nacht erzählen können.

Seit einigen Jahren reist Klaus Birkhofer regelmäßig in die Wüsten Afrikas um seinen Lieblingstieren - den Spinnen - auf die Schliche zu kommen. Das war nicht immer so. Während seines Studiums hatte er noch Angst vor ihnen. Als eines Morgens sein Professor die Tierthemen für die nächsten Semester vergab, kam Klaus Birkhofer zu spät. Übrig blieben nur die Spinnen:

Damit war auch der Bearbeiter entschieden. Das war dann ich. Jeder hatte seine Tiergruppe. Die meisten hatten mehr Glück. Saßen bei ihren bunten Schmetterlingen. Oder bei den niedlichen Käfern. Und ich hatte diese haarigen, großen borstigen Tiere vor mir, die ich im Feld todesmutig gesammelt hatte.

Als nächstes will Klaus Birkhofer untersuchen, wie sich die weißen Spinnen gegenseitig wahrnehmen. Denn Spinnen sehen schlecht. Und jede sitzt für sich durch eine Wand getrennt in ihrer Röhre. Dennoch gelingt es ihnen mit ihren Nachbarn Kontakt aufzunehmen. Im November dieses Jahres geht es los. Dann reist Klaus Birkhofer wieder in die Wüste von Namibia.

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