Wirtschaft am Mittag / Archiv /

 

Auf der Suche nach Online-Geschäftsmodellen

Zeitungsverleger sehen Internet als Chance

Von Verena Kemna

Zeitungsstapel
Zeitungsstapel (Stock.XCHNG / Natalie Souprounovich)

Die Umsätze sind stabil, obwohl die Auflagen weiter sinken. Jetzt setzen die Zeitungen vermehrt auf Bezahlmodelle fürs Internet - denn mit Werbeeinnahmen lassen sich die Onlineangebote nicht bezahlen.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger vertritt nach eigenen Worten eine starke Branche. Im vergangenen Jahr seien Gesamterlöse von etwa 8,5 Milliarden Euro erwirtschaftet worden. Die Umsätze aus Anzeigen und Beilagen seien zwar um 2,2 Prozent zurückgegangen, doch die Vertriebsumsätze konnten um 1,7 Prozent gesteigert werden. Auch in diesem Jahr rechnet der BDZV mit einem ähnlichen Ergebnis. Dabei haben die 360 Verlage in Deutschland im ersten Quartal 2012 drei Prozent weniger Zeitungen verkauft als im vergangenen Jahr. Für die Verbreitung von Zeitungsinhalten sei das Internet ein Segen für die Verlage, meint Dietmar Wolff, BDVZ Hauptgeschäftsführer:

"Fast 40 Prozent der über 14-Jährigen sind auf den Webseiten der Verlage unterwegs. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 63 Prozent, Tendenz steigend. Das zeigt, die Zeitungen gemeinsam sind das reichweitenstärkste Angebot im Netz noch vor Portalen wie eBay oder T-Online."

Nun müssten die Verlage nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln. Eine Refinanzierung der Online-Angebote ausschließlich über Werbung sei angesichts der Entwicklung der Werbepreise nicht gewährleistet. Entsprechend versuchten immer mehr Zeitungsunternehmen im Internet eine Bezahlkultur zu entwickeln. 20 Zeitungstitel hätten bereits Bezahlsysteme fürs Internet eingeführt, ebenso viele würden in diesem Jahr noch folgen, erklärt Hans-Joachim Fuhrmann. Er ist beim Verband für Kommunikation und Multimedia zuständig:

"Wir brauchen Bezahlmodelle, wir müssen die Menschen dahin bringen, dass sie bereit sind, für Inhalte zu zahlen. Das ist im Augenblick die große Herausforderung."

Für Smartphones und Tablets gebe es bereits 330 Apps, 240 davon muss der Verbraucher bezahlen. Doch nur bei fairen Marktbedingungen könnten die Verlage den Weg in die digitale Medienzukunft bestreiten. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger fordert, dass öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten auf presseähnliche Internetangebote wie etwa bei der Tagesschau-App verzichten. Nach Ansicht der Verleger verstoßen derartige gebührenfinanzierte Angebote gegen Wettbewerbsregeln. Noch in dieser Woche verhandelt das Kölner Landgericht über eine gemeinsame Klage von acht Zeitungsverlagen gegen ARD und NDR. Eine gemeinsame Erklärung von BDZV, ARD und ZDF über die Textangebote im Internet sei zwar unterschriftsreif, aber nicht verabschiedet, beklagt Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Zeitungsverleger. Nur das ZDF sei bisher mit einem neuen Internetauftritt den Wünschen der Verleger entgegen gekommen:

"Ich denke, das ZDF ist auf dem richtigen Weg, hat einen wichtigen Schritt gemacht, aber eben noch nicht den entscheidenden. Die ARD, muss ich sagen, steht noch mit beiden Füßen regungslos vor der Tür. Aber, wir werden gemeinsam - ARD und die Verleger - durch die Tür gehen. Übermorgen beim Landgericht in Köln und dann schauen wir, wie es weiter geht."

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Wirtschaft am Mittag

SportausrüsterRusslandgeschäft macht Adidas zu schaffen

Der Vorstandsvorsitzende der adidas AG, Herbert Hainer, spricht am Mittwoch (02.03.2011) in Herzogenaurach (Mittelfranken) während der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens.

Alarmierende Zahlen beim Sportaurüster Adidas: Die bisherigen Umsatz- und Gewinnziele können nicht erreicht werden - Grund soll auch die schwierige Lage in Russland sein. Dort hat Adidas nicht erst seit der Krim-Krise Probleme.

Bilanz Deutsche BankAnalyst: "Ergebnis nach wie vor erbärmlich"

Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Die Bilanz der Deutschen Bank sorgte heute für unterschiedliche Reaktionen. Der Gewinn sackte um 29 Prozent auf 238 Millionen Euro ab. Die Bank erklärte, das liege vor allem daran, dass Kosten für Rechtsstreitigkeiten nicht von der Ertragssteuer abgezogen werden dürften. Aber sonst laufe alles bestens, sagte Co-Vorstand Anshu Jain. Analysten widersprechen.

SteuerverfahrenSchweizer UBS zahlt Rekordsumme

Das Logo der Schweizer Bank UBS in Zürich

Die Schweizer UBS Bank ist im Geschäft mit den Reichen und Superreichen unangefochtener Weltmarktführer. Aber auch Platzhirsche machen Fehler - und für einen muss die Bank nun 300 Millionen an die deutschen Steuerbehörden zahlen.