• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteKalenderblattAuf Kurs gebracht13.03.2009

Auf Kurs gebracht

Vor 30 Jahren trat das Europäische Währungssystem in Kraft

Schon in den 70er-Jahren sorgten Spekulationen für Unruhe auf den internationalen Finanzmärkten und für ein heftiges Auf und Ab der Wechselkurse. Angetrieben von den Regierungschefs in Frankreich und Deutschland, Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt, setzten sechs europäische Länder heute vor 30 Jahren im Europäischen Währungssystem ihre Währungen in ein festes Wechselverhältnis zueinander, das nur noch innerhalb enger Grenzen schwanken durfte.

Von Martin Hartwig

Das Archivfoto mit D-Mark-Münzen im Wert zwischen einem Pfennig und fünf DM. (AP Archiv)
Das Archivfoto mit D-Mark-Münzen im Wert zwischen einem Pfennig und fünf DM. (AP Archiv)

"Franzosen und Deutsche arbeiten seit über 30 Jahren als Partner und als Freunde zusammen. Miteinander arbeiten wir für die europäische Einigung. Wir tun dies alles, um unseren Staaten, um unseren Bürgern die freiheitliche, demokratische Ordnung zu erhalten, in der wir leben und um sie zu festigen", "

so rühmte Helmut Schmidt anlässlich eines Besuches des französischen Präsidenten Giscard d'Estaing im Frühjahr 1979 das besondere Verhältnis der beiden Länder. Dass Schmidt so allgemein blieb, lag daran, dass der jüngste Erfolg der deutsch-französischen Zusammenarbeit, die Einrichtung des Europäischen Währungssystems, dem breiten Publikum schwer vermittelbar war. Das "Luxemburger Wort" versuchte es in seiner Ausgabe vom 13. März 1979.

" "Das europäische Währungssystem EWS wird ab heute seine volle Wirkung entfalten. Änderungen der Leitkurse werden nur mehr nach gemeinsamer Übereinstimmung in den zuständigen Gemeinschaftsgremien vollzogen. Eine neue künstliche Währungseinheit, der ECU, wird die Funktion sowohl einer Bezugsgröße als auch eines gemeinsamen Nenners bei den Interventions- und Kreditmechanismen, sowie eines Zahlungsmittels beim Saldenausgleich zwischen den Nationalbanken übernehmen."

Waren die Detailregelungen des Europäischen Währungssystems für Laien schwer verständlich, seine Ziele waren klar und nachvollziehbar. Der Berliner RIAS berichtete:

"Europa wird eine Zone der monetären Stabilität. Die Gemeinschaft schützt sich gegen die gefährlichen Sprünge des Dollar. Unternehmer und Geschäftsleute können wieder längerfristig kalkulieren. Man erhofft sich davon nicht zuletzt eine Belebung der Investitionen in Europa. Leider machen die Briten beim Europäischen Währungssystem nicht mit."

Tatsächlich tat monetäre Stabilität Not, denn die 70er-Jahre waren von starken Turbulenzen im internationalen Geldverkehr geprägt. 1971 hatte US-Präsident Nixon die Golddeckungspflicht für den Dollar aufgehoben. Zwei Jahre später gaben alle wichtigen Industriestaaten ihre Wechselkurse frei. Die Währungen "floateten", wie es in der Finanzsprache heißt, frei auf dem Devisenmarkt. Giscard d'Estaing schrieb über diese Phase in seiner Autobiographie.

"Man konnte nicht damit rechnen, innerhalb des gemeinsamen Marktes den freien Warenaustausch stabil zu halten, wenn die Preise bald ebenso sehr schwankten wie die Währungen. Man musste also innerhalb Europas auf größtmöglichen Ausgleich bedacht sein. Das war nicht einfach. Durch die Spekulationswelle wurden die starken Währungen - die Deutsche Mark und der Gulden - nach oben getrieben und die schwachen Währungen - der belgische Franc, die italienische Lire und manchmal auch der französische Franc - gedrückt."

Alle Versuche die Wechselkurse durch abgestimmtes Verhalten der Zentralbanken stabil zu halten scheiterten - mal am Egoismus der Teilnehmerländer, mal an ihren finanziellen Möglichkeiten. Deshalb unternahmen die EWG-Länder angetrieben von den früheren Finanzministern d'Estaing und Schmidt einen neuen Anlauf. Am 5. Dezember 1978 fasste der Europäische Rat in Brüssel die entscheidenden Beschlüsse.

"Am 1. Januar 1979 wird ein Europäisches Währungssystem (EWS) errichtet. Wir sind fest entschlossen, den dauerhaften Erfolg des EWS durch eine auf größere innere und äußere Stabilität gerichtete Politik sowohl für Defizit- als auch für Überschussländer zu gewährleisten."

So hieß im Abschlussdokument der Sitzung. Der Einführungstermin wurde nicht ganz gehalten, sondern auf den 13. März des Jahres verschoben. Die Grundzüge des Systems wurden jedoch nicht mehr verändert. Zunächst sechs EWG-Länder setzten ihre Währungen in ein festes Wechselverhältnis zueinander, das nur noch innerhalb eines engen Korridors schwanken durfte. Deutliche Auf- und Abwertungen mussten mit den anderen Ländern abgestimmt werden. Die wichtigste Neuerung war der Wechselkursmechanismus. Die Kurse von Deutscher Mark, Lire und Gulden wurden jetzt nicht mehr direkt zueinander bestimmt, sondern aus ihrem jeweiligen Verhältnis zum ECU abgeleitet. Die "European Currency Unit", die in Anlehnung an eine alte französische Münze wie "Ekü" ausgesprochen wurde, fasste die europäischen Währungen zu einer Rechnungseinheit zusammen. Dadurch, dass jede Währungsbewegung fortan durch diesen Mechanismus gerechnet wurde, funktionierte der ECU als Puffer gegen heftige Devisenschwankungen. Da er auch die entscheidende Bezugsgröße gegenüber Drittwährungen wie dem Dollar bildete, war der ECU fast so etwas wie eine gemeinsame Währung - auch wenn dass im Gestrüpp der europäischen Institutionen nur schwer erkennbar war.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk