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StartseiteCorsoWie klingt Alaska?15.05.2017

Auf Soundsuche mit NSDOSWie klingt Alaska?

Der Franzose Krikoo Des ist immer auf der Suche nach neuen Instrumenten. Wenn er als DJ auflegt, sind auch immer seine vielen kleinen selbstgebauten Instrumente mit auf der Bühne. Für sein erstes Album "Intuition Volume I" hat er sich von Alaska inspirieren lassen.

Von Dennis Kastrup

Polarlicht mit Sternen über Alaska, aufgenommen am 20.11.2012 in der Nähe von Fairbanks (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
"Für mich ist Alaska ein Ort ohne automatisierte Vorgänge" (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
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"Bei diesem Massenmarkt für Computer weiß man doch nicht, was die Hersteller alles programmieren. Das kann gefährlich werden. Selber zu programmieren ist, wie einen eigenen Garten zu haben. Wenn man sein Essen im Supermarkt kauft, hat man keine Kontrolle. Wenn man es aber in seinem eigenen Garten anbaut, wird es interessant."

NSDOS sitzt im "Cité des sciences et de l’industrie". Das Wissenschafts-, Technik- und Industriemuseum ist ein großer Komplex im Norden von Paris. In dieser Umgebung fühlt sich der Franzose besonders wohl. Schon früh faszinierten den studierten Tänzer die Bits and Bytes.

"Der Computer ist zwar kein besserer Musiker, aber ein besserer Partner. Ich bin Einzelkind. Ich hatte niemanden, mit dem ich spielen konnte. Der Computer hat alles ermöglicht, was ich von ihm wollte. Er hat mir auch Ideen geliefert. Mit unterschiedlichen Algorithmen hat man auch mehr Möglichkeiten. Deshalb ist der Computer cooler."

"Die Natur kann den Song bestimmen"

Für sein Debütalbum "Intuition Volume I" hat er genau diese Hilfe in Anspruch genommen: Anderthalb Monate lang verbrachte NSDOS in Alaska, dem nördlichsten Bundesstaat der Vereinigten Staaten. Ihn faszinierten die weiten Landschaften und die enge Beziehung der Ureinwohner zur Natur. Mit seinen selbstgebauten Instrumenten, die ein bisschen an die Ausstattung für Astronauten erinnerte, wanderte er durch Wälder, Seen und an Flüssen entlang. Wasser, Eisschollen und Bäume wurden mit Sensoren abgetastet und dann mittels Video-Tracking in Musik umgewandelt.

"Wenn die Kamera eine Bewegung registriert, dann entstehen Daten, die die Parameter meiner Musik verändern. Das kann die Frequenz oder der Rhythmus sein. Für die Komposition ist das sehr hilfreich, weil die Natur dadurch den Song bestimmen kann."
 
NSDOS kopiert also nicht bloß die ursprünglichen Sounds aus der Natur, sondern lässt Bewegungen wie Wasserrauschen oder Wind durch einen Filter laufen: den Computer. Diese Methode unterscheidet ihn von vielen Soundkünstlern, die zum Beispiel das Original-Rauschen der Blätter eines Baums in einen Song integrieren und diesen Klang dann mit Effekten verändern.

Der Transhumanismus und die Freiheit des Tanzens

"Ich will eine Brücke bauen. Ich interessiere mich sehr für die Idee des Transhumanismus und die Bücher von George Orwell, also dass die Maschinen eines Tages die Macht über die Menschen übernehmen. Ich finde, Natur, Computer und Informatik können eine Einheit bilden."

Der Transhumanismus will die Einschränkungen des Menschen durch den Einsatz technischer Hilfsmittel überwinden. Dies wird als Fortschritt für die Menschheit gesehen. Für die Musik von NSDOS bedeutet das: Seine Programme entwickeln ein Eigenleben und schreiben eigenständig seine Songs mit.

Bis auf wenige Ausnahmen würden die Stücke auf "Intuition Volume I" auch in jedem Techno-Club funktionieren. Es ist also durchaus ein klassisches Elektro-Album geworden. Spannend ist es jedoch, zu versuchen, beim Hören die transformierten Naturklänge zu erkennen und ihnen Bilder zuzuordnen. Das ist der Mehrwert von NSDOS. Man kann sich aber auch einfach nur fallen lassen und tanzen.

"Für mich ist Alaska ein Ort ohne automatisierte Vorgänge. Er ist sehr polyrhythmisch. Da gibt es keinen konstanten Rhythmus. Das wollte ich auch in meiner Musik unterbringen. Polyrhythmus heißt für mich: die Freiheit des Tanzens."

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