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Aufbruch und Katerstimmung

Branchenmesse Intersolar in München

Von Susanne Lettenbauer

Ein Besucher der Fachmesse Intersolar in München vor einem Foto einer Solaranlage.
Ein Besucher der Fachmesse Intersolar in München vor einem Foto einer Solaranlage. (AP - Sebastian Widmann)

So richtige Feierstimmung dürfte auf der Münchner Messe Intersolar diesmal nicht aufkommen: Die Solarbranche hat schon einmal bessere Zeiten gesehen. Vor allem die deutschen Hersteller müssen kämpfen - und einige haben schon verloren und sind insolvent. Neben der Konkurrenz aus Asien bereitet auch die Kürzung der Solarförderung den Anbietern Sorgen.

Matt scheinen die Solarmodule auf den Dachmodellen der Messeaussteller. Integrierte Dachanlagen oder Aufdachsysteme, Freiflächenmodelle oder Solarkomplettdächer - all das gab es hier schon in den vergangenen Jahren. Mit einem Unterschied: Die Module werden mittlerweile überwiegend in Asien gefertigt und ihr Preis ist im Sinkflug. Katerstimmung herrscht trotzdem nicht in München, beteuert der Sprecher des Bundesverbandes der Solarwirtschaft, David Wedepohl:

"Nein, wir gehen dem kommenden Jahr optimistisch entgegen. Es gibt in Deutschland jede Menge hochinnovative Solarunternehmen, und wir glauben, dass viele von diesen die Konsolidierungsphase überleben werden, die jetzt stattfindet."

Wer nach deutschen Firmen Ausschau hält, entdeckt nicht unbedingt die klassischen Solarmodule. Denn die Branche hat sich spezialisiert. Etwa auf sogenannte Systemanlagen, Stromspeicher und Wechselrichter. Das sei die Chance sich vom asiatischen Markt abzugrenzen, meint Jörg Sutter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie:

"Also es gibt in der Solarenergie eine ganze Reihe von Bereichen in denen Deutschland und Europa führend sind. Das ist ganz groß der Bereich der Forschung, es ist der Bereich Speicherung, der sehr aktuell auf der Messe vertreten ist. Da haben Deutschland und Europa mit Sicherheit die Nase vorn."

Die Dumping-Politik chinesischer Firmen habe die notwendige Marktbereinigung im Solarbereich nur beschleunigt, sagt Sutter, dass sie notwendig ist, davon ist er überzeugt.

Als Bremsklotz für die deutsche Solarindustrie erweise sich indes immer mehr die Politik in Berlin, die mit der Kürzung der Solarförderung eine enorme Verunsicherung vor allem bei den Kunden hervorgerufen habe. Neue Projekte würden auf Eis liegen, noch immer drohe die zweite Kürzung in diesem Jahr rückwirkend zum 1. April, weshalb auch die Banken bei der Finanzierung sehr zurückhaltend reagieren:

"Die Branche tritt ja im Moment auf der Stelle. Neue Projekte werden praktisch keine angegangen, weil keiner weiß, woran er ist, da ist es ganz wichtig, dass vor der Sommerpause eine Entscheidung fällt, genauso wichtig ist aber auch, dass es eine Entscheidung ist, hinsichtlich der Vergütungshöhe, die einfach mit Augenmaß getroffen wird."

Diese Entscheidung muss schnellstmöglich getroffen werden, so die Stimmung in München, zur Not sogar mit den angedrohten Kürzungen, wenn nur endlich Klarheit herrschen würde.

Einige Firmen wie die Würzburger Gildemeister-Gruppe haben sich indes längst von der staatlichen Alimentierung verabschiedet:

"Wir beobachten das ganz relaxt. Wir haben eigentlich seit Längerem nicht mehr den Ansatz irgendwo subventionsbasierte Solarkraftwerke zu bauen, wo ich Renditen für Fonds erzielen kann etc","

so Standvertreter Frank Beermann. Stattdessen entwickelt seine Firma All-in-one-Lösungen mit Speichermedien, also Großbatterien für Industriekunden, die bis in den Megawattbereich vordringen:

""Wir sind heute in der Lage einen Megawattspeicher zu bauen mit bis zu acht Megawattstunden Speicherleistung hintendran. Das ist im Industriebereich ein Produkt, mit dem ich schon richtig arbeiten kann, sowohl in Deutschland wie auch in Ländern, bei denen ich einen ganz anderen Leistungsdruck habe aufgrund der Netzstabilität."

Mit diesen Produkten, so wirbt das Unternehmen, können die Energiekosten stabil gehalten werden, Netzschwankungen lassen sich ausgleichen. Die Industrie müsse sich dezentral mit Energie versorgen können: von der Produktion über die Speicherung bis zum Verbrauch. Das, so Frank Beermann, sei das Produkt der Zukunft made in Germany. In München ist man sich einig: Die Politik soll diese Entwicklung fördern - und nicht behindern.

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