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Aufbruchsgeist in Greifswald

Warum das Studium an einer ostdeutschen Uni besonders attraktiv ist

Michaele Böhmer

Unistadt mit Flair und Innovationswillen: Greifswald
Unistadt mit Flair und Innovationswillen: Greifswald (AP)

Köln, Hamburg, Berlin - diese bundesdeutschen Metropolen erscheinen manchem Erstsemester wie das Mekka der Universitätsstädte. Seit einiger Zeit zeigt sich allerdings ein anderer Trend. Immer mehr junge Studierende zieht es in den Osten. An der Uni Greifswald weiß man, warum: keine Studiengebühren, enger Kontakt zu Professoren und Komilitonen und der Wille, etwas neues zu machen.

Strahlend blauer Himmel, die Herbstsonne lässt das frisch sanierte Hauptgebäude der Greifswalder Uni am Rubenowplatz in der Greifswalder Innenstadt erstrahlen. Hier tummeln sich zurzeit die Erstsemester. Gleich nebenan im AStA-Büro hat der Vorsitzende Sebastian Nickel jede Menge zu tun. Die Erstis, wie die Erstsemester liebevoll genannt werden, geben sich hier bei ihm die Klinke in die Hand. In diesem Wintersemester sind es hier in Greifswald mehr als 2.500.

"Ja die meisten Fragen betreffen natürlich das Studium. Viele wollen wissen, wie ihr Stundenplan aussieht, wo die ganzen Sachen zu holen sind. Einige sind ein wenig ängstlich, dass sie irgendwas versäumen."

Inga Marken aus Flensburg hat sich gerade erkundigt, wo sie ihr Fakultätsgebäude findet. Sie wird an der mehr als 550 Jahre alten Uni Kunstgeschichte studieren. Eine von insgesamt 23 möglichen Fachrichtungen. Die 21-Jährige hat sich ganz bewusst für die Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, im äußersten Nordosten Deutschlands, entschieden.

"Ich denke, hier in Greifswald haben sie ja viel gemacht in den letzten Jahren. Sie stecken viel in die Forschung. Ich wollte speziell gerne in Greifswald studieren, weil die Stadt geschichtsträchtig ist. Ich wollte gerne im Norden bleiben. Ich finde die Stadt total schön. Ich war das erste Mal hier alleine mit der Bahn und musste mich alleine zurechtfinden und war total überwältigt von der Innenstadt von den Häusern hier. Und jetzt war ich mit meinen Freundinnen hier. Wir haben eine Uni-Führung gemacht, durch den Karzer, ja, das war total schön. Ich habe viele nette Leute kennengelernt bis jetzt."

Inga Marken hat eine kleine Wohnung gefunden direkt in der Innenstadt. Dort wohnt sie jetzt gemeinsam mit anderen Studierenden, hat schon Anschluss gefunden. Nicht allen fällt das so leicht wie ihr. Der AStA kümmert sich deshalb ganz bewusst um die Erstsemester. Sebastian Nickel hat die Erstsemesterwoche entscheidend mitorganisiert.

"Und machen Sportveranstaltungen, Kulturveranstaltungen, organisieren Vorträge, grillen, machen Begrüßungsabende, ja es ist ein ziemlich schillerndes Programm. Mit dem Hintergrund, dass sich die Erstis sich hier gleich eingewöhnen in Greifswald, dass sie sich untereinander kennenlernen und sich gleich heimisch fühlen und die ersten Kontaktadressen haben."

Johannes Höhn geht gerade am AStA-Büro vorbei. Er ist mit seiner zukünftigen Kommilitonin Caroline Göricke auf dem Weg zur Mensa. Die beiden beginnen in einer Woche mit ihrem Medizinstudium. Greifswald ist ihre erste Wahl - Johannes Höhn kommt aus Berlin, Caroline Göricke aus Halle.

"Weil die Uni klein ist und weil man sich einen gewissen persönlichen Kontakt sich zumindest momentan noch erhofft und weil es hier keine Studiengebühren gibt. Ich habe Greifswald ausgewählt, weil hier der Kontakt zu den Professoren sehr gut sein soll. Weiterhin wegen dieser modernen neuen Uniklinik und weil mir auch die Stadt sehr gut gefällt, das Ambiente, sehr schöne Gegend. Na ja, in den Broschüren von den Erstsemestern steht ja auch der Spruch 'Da studieren, wo andere Urlaub machen' und den finde ich auch sehr toll den Spruch. Ja und es eist einfach so zusammen, die Nähe zum Wasser, eine tolle Gegend und ich denke es macht einfach auch Spaß, hier zu wohnen."

Der Greifswalder Uni-Rektor Rainer Westermann freut sich über jeden neuen Studierenden. Er ist selbst vor mehr als 15 Jahren aus Göttingen in die alte Hansestadt mit ihren knapp 53.000 Einwohnern gekommen, zunächst als Psychologieprofessor, seit fünf Jahren ist er nun Rektor.

"Ich bin damals hergekommen, weil ich gespürt habe, hier herrscht ein Aufbruchgeist. Ich habe gemerkt, hier herrscht der Wille, etwas Neues zu machen. Das hat sich auch in den letzten Jahren sehr bestätigt. Es gibt kaum eine Universität, wo auch unter den Lehrenden ein so hoher Zusammenhalt herrscht. Wo wirklich alle versuchen, aus dem wenigen, was wir hier haben, das Beste zu machen."

Damit zielt der Uni-Rektor auf die finanzielle Situation ab. Seit der Wende hat sich die Studierendenzahl verdreifacht. Erstmals hat die Ernst-Moritz-Arndt-Universität in diesem Jahr mehr als 12.000 Studenten - dem gegenüber stehen rund 1000 Dozenten. Das Budget für Personal und Sachmittel liegt mit rund 90 Millionen Euro weit unter dem anderer Universitäten in den alten Bundesländern. Trotzdem hat es die Greifswalder Uni bei der letzten Umfrage unter Studierenden, die vom Zentrum für Hochschulentwicklung gemacht wurde, unter die Spitzenreiter in Sachen Zufriedenheit geschafft.

"Wenn Sie in einem Satz sagen sollten, warum man als Erstsemester hier nach Greifswald kommen sollte, wie würden Sie das formulieren?"

"Weil alle die hergekommen sind, es nicht bereut haben."

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