Dienstag, 24.04.2018
 
Seit 01:10 Uhr Hintergrund
StartseiteGesichter EuropasTraditionsunternehmen in Tschechien erfinden sich neu31.03.2018

Auferstanden aus RuinenTraditionsunternehmen in Tschechien erfinden sich neu

Es war ein ökonomischer Kahlschlag nach dem Fall des Eisernen Vorhangs: Viele Branchen, die Tschechien schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu einem der stärksten europäischen Industrieländer gemacht hatten, schienen ausgestorben – aber jetzt beleben findige Geschäftsleute, junge Designer und Nostalgie-Enthusiasten die Traditionen wieder neu.

Von Kilian Kirchgeßner

Flagge Tschechien, Tschechische Republik (picture alliance / dpa / David Tanecek)
Flagge der Tschechischen Republik (picture alliance / dpa / David Tanecek)
Mehr zum Thema

Lithiumvorkommen im Erzgebirge Tschechien im Goldrausch

Hospital Kuks in Tschechien Wunderbare Wiedergeburt

Könige des Trickfilms in Tschechien Die gemalte Weltmacht

Tschechien Trotz Wirtschaftswunder wandern junge Menschen ab

Und sie haben Erfolg: Böhmisches Kristall, High-End-Plattenspieler und selbst Textilien made in Czech Republic finden weltweit ihre Nischen. Die Pioniere nutzen geschickt die Kombination aus den alten Handwerkstechniken, die im Land bewahrt geblieben sind – und modernsten Entwicklungsabteilungen, mit denen sie die verstaubte Produktpalette beleben. Alte Textilhersteller entdecken die Nano-Technologie für sich, Spielzeugfabrikanten profitieren von der Retro-Welle und Glasbläser von der Nachfrage nach exklusiver Handarbeit.

Designer Rony Plesl präsentiert eine Vase aus seiner Kollektion für die tschechische Glashütte Rückl (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner) (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner)Glaskunst für Designfans
Böhmisches Kristall genoss Weltruhm im Barock. In der kommunistischen Tschechoslowakei verstaubte die Glasschleiferkunst. Designer Rony Plesl will dem alten tschechischen Handwerk jetzt mit modernen Kollektionen wieder zu neuem Glanz verhelfen.

Jaroslav Madle ist Glasschleifer in der traditionsreichen tschechischen Glashütte Rückl (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner) (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner)Der Mann für den Feinschliff
Menschen wie Jaroslav Madle ist es zu verdanken, dass die vom Aussterben bedrohte tschechische Glasindustrie nochmal die Kurve gekriegt hat: Der Glasschleifer liebt seinen Beruf und führt den jetzt wieder benötigten Nachwuchs gern in das uralte Handwerk ein.

Jaromir Kriz (65), Geschäftsführer des Baukasten-Herstellers Merkur, hinter einem riesigen roten Modell aus Metall (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner) (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner)Mit Modellbau zum Technik-Verständnis
Bagger, Brücken, Kugelbahnen: Mit den Metallbaukästen der tschechischen Firma Merkur wird jedes Kind zum Konstrukteur. Um zukunftsfit zu bleiben, setzt der Hersteller auch auf Schulen und Universitäten, die mit dem Modellbau technische Bildung vermitteln sollen.

Ex-Skifahrprofi Lukas Hermansky ist Chef der Firma Nanomembrane im traditionsreichen Fabrikareal im tschechischen Svitavy (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner) (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner)Der Trick mit der High-Tech-Faser
Sportler kennen nur Goretex, hat Lukas Hermansky festgestellt. Der ehemalige tschechische Profi-Skifahrer will das ändern: Aus Nanofasern hat der Sohn eines Textilfabrikanten ein Produkt entwickelt, das der US-Marke Konkurrenz machen und den Niedergang der tschechischen Textilindustrie stoppen soll.

Musikliebhaberin und Unternehmerin Jozefina Lichtenegger mit einem Hightech-Plattenspieler aus tschechischer Fertigung (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner) (Deutschlandradio/ Kilian Kirchgeßner)Plattenspieler ohne Grenzen
Lastwagen voller neuer Plattenspieler aus tschechischer Fertigung kommen jede Woche bei Jozefina und Heinz Lichtenegger in Österreich an. Highend-Geräte von einer Perfektion, wie sie nur Tschechen bauen können - davon ist das Unternehmerpaar überzeugt. Die beiden verkaufen sie in 80 Länder weltweit.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk