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StartseiteCampus & KarriereVerbotene Regierungskritik18.02.2016

Aufruhr an indischen UnisVerbotene Regierungskritik

In Indien ist der Vorsitzende der Studentenvertretung der renommierten Nehru-Universität bei einer Demonstration gegen die Todesstrafe festgenommen worden. Der Vorwurf: aufrührerische Aktivitäten. Die Regierung Modi reagiert mit aller Härte auf die zunehmende Kritik der linken Hochschule.

Von Peter Mücke

Indische Studierende protestieren gegen die Festnahme eines Vorsitzenden einer Studentenvertretung der Nehru-Universität (SAJJAD HUSSAIN / AFP)
Indische Studierende protestieren gegen die Festnahme von Kanhaiya Kumar. (SAJJAD HUSSAIN / AFP)
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Die Stimmung ist aufgeheizt: Den fünften Tag in Folge haben sich hunderte Studenten vor dem Verwaltungsgebäude der renommierten Nehru-Universität versammelt und demonstrieren: "Nieder mit der Delhi Polizei", "Schäm Dich Ministerpräsident Modi" und immer wieder "Freiheit für Kanhaiya Kumar.

Kumar ist der Vorsitzende der Studentenvertretung – und seit Freitag in Haft. Der Vorwurf der Behörden: aufrührerische Aktivitäten – ein Paragraf, der noch aus der Kolonialzeit stammt und der schon gegen Mahatma Ghandi angewendet worden ist. Der Anlass: Eine Demonstration gegen die Todesstrafe, bei der auch "anti-indische Slogans" gerufen wurden:

"Wie kann man denn da von aufrührerischen Aktivitäten reden? Sie haben sich einen rausgesucht und ihn ins Gefängnis gesteckt. Da wird einfach eine ganze Karriere zerstört auf Anweisung von oben."

So wie diese Studenten denken viele auf dem Campus. Auch die Lehrenden haben sich mit den Studenten solidarisiert. Sie wollen streiken, bis Kumar wieder frei ist. Für die Deutsch-Professorin Rekha Rajan ist klar, dass es um einen größeren politischen Konflikt geht.

"Ich würde es so sehen: Die Regierung hat nur darauf gewartet, unserer Uni eins auszuwischen. Weil wir bekannt sind als eine Universität, die etwas gegen den Strom ist."

Gewalt gegen Studenten, Dozenten und Journalisten

In der Tat gilt die Nehru-Universität JNU als linke Hochschule, in der die hindunationalistische Regierung Modi kritisiert wird. Bildungsministerin Smriti Irani spricht von einem Angriff auf "Mutter Indien", der nicht toleriert werde. Und Innenminister Rajnath Singh droht offen:

"Jeder, der anti-indische Slogans ruft oder die Einheit des Landes in Frage stellt, wird verfolgt. Ich habe der  Delhi Polizei die notwendigen Anweisungen nach den Vorfällen an der Uni gegeben. Wir werden weiter hart durchgreifen. So etwas ist unverzeihlich."

Der Vorfall zieht immer weitere Kreise. Anfang der Woche wurden vor einer Anhörung vor Gericht wartende Studenten, Dozenten und Journalisten verprügelt. Woraufhin die indischen Journalistenverbände einen Protestmarsch organisierten:

"Wir sind keine Landesverräter, wir machen nur unsere Arbeit. Wer die nicht mag, braucht unsere Sender nicht anschalten oder unsere Zeitungen lesen. Aber man kann doch nicht einfach auf Journalisten losgehen!"

Sagt Rajdeep Sardesai, ein prominenter Fernseh-Acorman. Und auch unter den Studenten auf dem Uni-Campus bleibt die Stimmung aufgeheizt:

"Dieser Vorfall wird doch nur von der Regierung genutzt, um von den größeren Problemen des Landes abzulenken. Um das freie Denken an den Unis zu unterdrücken, damit die Menschen keine Fragen mehr stellen. Dafür stehen wir hier."

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