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StartseiteNachrichten vertieftUngewöhnliches Bündnis für menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen11.02.2016

"Aufstand der Anständigen"Ungewöhnliches Bündnis für menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen

In der hochemotionalen Debatte über die Flüchtlingspolitik in Deutschland wollen Vertreter der Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften und Arbeitgeber gemeinsam ein Zeichen setzen. Mit einem Aufruf zu mehr Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wenden sich sich gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt.

Vertreter von zehn Organisationen haben zu einem Bündnis für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat aufgerufen (DGB / Simone Neumann)
Vertreter von zehn Organisationen haben zu einem Bündnis für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat aufgerufen (DGB / Simone Neumann)
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Es soll ein Weckruf sein. "Die Würde des Menschen ist unantastbar." So steht es im ersten Artikel des Grundgesetzes und dies ist auch Leitlinie der "Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat". Angeschlossen haben sich zehn Gruppen, die nicht nur gut organisiert sind, sondern im gesellschaftlichen Diskurs auch Gehör finden. Bislang sprach jeder für sich, nun soll es gemeinsam geschehen.

Mit dabei sind die Arbeitgeber, die Deutsche Bischofskonferenz, die Wohlfahrtsverbände, die Evangelische Kirche, der Koordinationsrat der Muslime, der Zentralrat der Juden, der Deutsche Olympische Sportbund, der Naturschutzring und der Deutsche Gewerkschaftsbund. Der DGB war es, der maßgeblich das Projekt vor fünf Wochen ins Leben rief.

 "Wir wollen mit unserem Aufruf ein politisches Signal setzen", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann auf der Pressekonferenz in Berlin. Das Bündnis wendet sich gegen den erstarkenden rechten Rand in Deutschland. Es fordert, menschenfeindlichen Haltungen entgegenzutreten und rechtsextreme Angriffe auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte strafrechtlich konsequent zu verfolgen. 

Das Programm liest sich wie ein Gegenentwurf zu Pegida. Die Organisationen setzen sich für eine menschenwürdige Aufnahme der Flüchtlinge sowie für faire Asylverfahren und mehr Engagement bei der Integration ein. Dafür müssten Bund, Länder und Kommunen ausreichende finanziellle Vorsorge treffen, heißt es in dem Aufruf. Mit Sorge erfüllt die Initiatoren die Tatsache, dass rechtspopulistische Gruppierungen das Thema Flucht und Migration nutzen, Feindseligkeit zu schüren und die freiheitlich-demokratische Ordnung in Frage zu stellen.

Ausdrücklich wirbt das Bündnis für eine Stärkung des gesellschaftlichen Dialogs und des Zusammenhalts. "Gerade in schwierigen Zeiten muss die Gesellschaft zusammenstehen und sich für ihre Schwächsten einsetzen", erklärt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm.

"Nächstenliebe und Barmherzigkeit"

Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Zekeriya Altug, kritisierte die Flüchtlingsdebatte in Deutschland. "Nächstenliebe und Barmherzigkeit kennen keine Obergrenzen. Besonders dann nicht, wenn Menschen in höchster Not sind." Der Zentralrat der Juden in Deutschland warb eindringlich für den Schutz von Minderheiten. "Auch die Werte wie Glaubens- und Gewissenfreiheit müssten immer wieder neu errungen, mit Leben gefüllt und verteidigt werden", meinte der Vorsitzende Josef Schuster.

Der Aufruf ist übrigens nicht nur in deutscher, französischer und englischer Sprache verfasst, sondern auch in Arabisch, Urdu, Dari und Pashto. Auch auf Twitter verbreiten die Organisationen unter dem Hashtag #AllianzWeltoffenheit ihre Idee für mehr Solidarität. Doch nicht alle können sich dafür erwärmen. Einige Nutzer haben sich in die Debatte eingeschaltet und verunglimpfen Politiker wie die Grünen-Abgeordnete Claudia Roth - in einer Fotomontage, in der sie vermeintlich dazu aufruft, die AfD zu wählen.

 

Das Bündnis dürfte sich von so etwas nicht beeindrucken lassen. Es plant nach Angaben von DGB-Chef Hoffmann in Zukunft Veranstaltungen, will weitere Mitglieder hinzugewinnen, aber auch in die eigenen Organisationen hineinwirken. Ein Twitter-Nutzer lobte die Aktion unter dem Schlagwort #AllianzWeltoffenheit sogar als "Aufstand der Anständigen".

 

(rei/jasi)

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