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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Präsident, auf den Verlass ist10.01.2017

Aufstockung der FIFA-WMEin Präsident, auf den Verlass ist

Künftig dürfen 48 statt wie bislang 32 Länder um den WM-Titel spielen: Gianni Infantino löse so sein Wahlversprechen ein und lasse gleichzeitig noch die Kasse der FIFA klingeln, meint Andrea Schültke. Es gebe Gewinner und Verlierer bei dem Konzept - und ob es funktioniere, könne dem Verbandschef egal sein.

Von Andrea Schültke

FIFA-Präsident Gianni Infantino  (picture alliance / Patrick Seeger/dpa)
FIFA-Präsident Gianni Infantino (picture alliance / Patrick Seeger/dpa)
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Toll! Das hat der FIFA doch gefehlt: ein Präsident, auf den endlich mal Verlass ist. Gianni Infantino ist so einer. Noch nicht mal ein Jahr im Amt, löst er sein wichtigstes Wahlversprechen ein, breitet die Arme aus und sagt vor allem an Länder in Asien und Afrika gewandt: Kommt, seid dabei spielt mit bei der Fußball-WM in neun Jahren. Damit hat er die einen glücklich gemacht und die anderen grottenunglücklich.

Die einen Afrika und Asien. Bisher im Teilnehmerfeld der WM absolut unterrepräsentiert. Afrika hat 54 FIFA-Mitglieder aber momentan nur fünf WM-Startplätze. Europa mit nur zwei Mitgliedsstaaten mehr darf aber aktuell dreimal so viele WM-Teilnehmer schicken wie Afrika. Das ist ungerecht. Eine WM-Aufstockung könnte diese Kluft ein wenig ausgleichen.

Wer redet schon von Geld?

Dass 80 statt 64 Spiele der FIFA noch mehr Geld bringen - ja gut - aber es geht Gianni Infantino doch selbstredend zuallererst darum, den Fußball in aller Welt zu verbreiten. Wenn die neuen Fernsehmärkte China, Indien oder Afrika dann zusätzlich noch viel Geld für die Übertragungsrechte in die FIFA-Kasse spülen, nun, da kann man ja schlecht Nein sagen. Ein netter Nebeneffekt, aber Hauptsache das Verhältnis von FIFA-Mitgliedsstaaten und WM-Teilnehmern ist ein wenig geradegerückt. Darum geht es doch - um einen Sport, an dem möglichst viele teilhaben sollen. Wer redet denn bei einem so hehren Ziel schon von Geld? Die FIFA doch nicht, die ist doch ein gemeinnütziger Verein!

So, damit wäre die unbedeutende geschäftliche Seite abgehakt. Jetzt zur sportlichen: Von vier Spielplankonzepten, die zur Wahl standen, hat der FIFA-Rat das sportlerfreundlichste gewählt. Die besten Nationen müssen nämlich genauso viele Partien absolvieren wie bisher, um Weltmeister zu werden, haben demnach also keine größere Belastung.

Langweilig nur durch die europäische Brille

Die großen internationalen Clubs schon. Je mehr WM-Teilnehmer desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Clubs mehr ihrer Spieler für Nationalmannschaften abstellen müssen als bisher. Möglicherweise also mehr teure Arbeitnehmer im Kader haben, die in der Sommerpause eine WM spielen, anstatt sich zu erholen.

Und dann noch die 16 zusätzlichen Spiele. Vielleicht langweilig durch die europäische Brille betrachtet. Aber sieht das durch die afrikanische oder asiatische auch so aus? "Nein", würde Gianni Infantino wohl antworten. Der FIFA-Präsident will ja das globale Fußballfieber anheizen. Durch mehr WM-Teilnehmer aus Afrika oder Asien.

Tja er ist halt einer, auf den man sich verlassen kann. Löst seine Wahlversprechen ein. Und lässt gleichzeitig noch die FIFA-Kasse klingeln. Ob sein Konzept funktioniert, kann ihm egal sein. Denn wenn er 2026 überhaupt noch im Amt ist, hat er maximal noch zwei Jahre auf dem FIFA-Thron. Geht die aufgestockte WM daneben, muss er sich um den Schaden nicht mehr kümmern.

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