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StartseiteKalenderblattAufwendiges Kino mit Anspruch31.12.2010

Aufwendiges Kino mit Anspruch

Vor 25 Jahren verstarb der amerikanische Filmproduzent Samuel Spiegel

Er war der letzte große Produzent der goldenen Hollywoodära: Sam Spiegel. Dabei kam er erst relativ spät zum Film. Nicht zuletzt durch die mondänsten Partys der Stadt knüpfte er die richtigen Kontakte wurde er zu einem der bedeutendsten Produzenten Hollywoods, der mit Meisterwerken wie "Lawrence von Arabien" Maßstäbe setzte. Am 31. Dezember 1985 verstarb er.

Von Christian Berndt

Sam Spiegel verband Anspruch mit Aufwand.
Sam Spiegel verband Anspruch mit Aufwand.

Dieser Marsch wird ein Welterfolg, genauso wie der Film, für den er geschrieben ist: "Die Brücke am Kwai", 1958 mit sieben Oscars ausgezeichnet. Das Konzept des Filmproduzenten Sam Spiegel ist aufgegangen: Aufwändiges Kino für ein Massenpublikum, aber mit hohem Anspruch. Es ist sein Markenzeichen, auf ungewöhnliche und auch politische Themen zu setzen. Einen Antikriegsfilm nennt er "Die Brücke am Kwai", in dem es um Loyalitätskonflikte englischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg geht. Alec Guinness spielt dabei einen britischen Offizier, der seine eigenen Leute verrät - eine zwiespältige und damit typische Figur für die Filme Spiegels, der sein Publikum fordern will:

Sam Spiegel: "Ich behaupte seit Jahren, dass das Niveau des Publikums viel höher ist, als die Filmproduzenten und Filmregisseure und Filmchefs der Welt vermuten. Und ich behaupte immer, dass man zum Niveau des Publikums hinaufschreiben muss und nicht patronisierend herunterschreibt."

Geboren 1901 als Sohn eines jüdischen Tabakhändlers im österreichisch-ungarischen Galizien, studiert Samuel Spiegel zunächst Staatswissenschaften in Wien. Einen Abschluss macht er nie, stattdessen verbringt er fünf Jahre in Palästina, dann geht er nach San Francisco. Hier nennt er sich Wirtschaftsberater, in Wirklichkeit schlägt er sich mit Scheckbetrug durch - zeitweise sitzt er im Gefängnis. Aber er hat ein gewandtes Auftreten und das Talent, die richtigen Kontakte zu knüpfen – und so wird er Lektor beim Film. Als er von den US-Behörden ausgewiesen wird, geht er Ende der Zwanzigerjahre nach Berlin. Spiegel kommt zur richtigen Zeit. Die Vertretung der amerikanischen Universal-Studios in Berlin sucht deutschsprachige Mitarbeiter. Bald produziert Spiegel seine ersten Filme. Doch 1933 muss er Deutschland verlassen, arbeitet in London und Paris, bis er kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wieder in die USA kommt. Hier helfen Spiegel die Kontakte zu deutschen Exilanten. Er ist zwar meist pleite, aber er gibt Partys, die bald zum In-Treff Hollywoods werden. 1947 gründet er mit Regisseur John Huston eine Produktionsfirma. Seinen Durchbruch feiert er 1954 mit "Die Faust im Nacken". Unter der Regie von Elia Kazan spielt Marlon Brando die Hauptrolle des Hafenarbeiters, der sich gegen Unrecht auflehnt:

Brandos kraftvolles wie verletzliches Spiel und der soziale Realismus des Films treffen den Nerv der Zeit. Mit "Die Faust im Nacken" hat sich Spiegel endgültig als unabhängiger Produzent in Hollywood etabliert. Der Höhepunkt seines Schaffens wird die Zusammenarbeit mit dem englischen Regisseur David Lean, mit dem er "Die Brücke am Kwai" und 1962 seinen wichtigsten Film produziert: "Lawrence von Arabien".

Der Monumentalfilm über den britischen Offizier Lawrence, der im Ersten Weltkrieg den Araberaufstand gegen die Türken führte, ist gewagt. Peter O'Toole ist in der Titelrolle ein ebenso brillanter wie sadistischer Held - nach Folter durch die Türken richtet er ein Massaker an. Einen so widersprüchlichen Helden hat man bisher in keinem Hollywood-Epos gesehen. Spiegel erhält für den Film seinen dritten Produzenten-Oscar, das ist einzigartig in der Filmgeschichte. Doch die nächsten Filme werden Misserfolge, der Umbruch der Sechzigerjahre macht Spiegel zu schaffen. Aufwändige Großproduktionen sind ebenso passé wie die allmächtige Produzentenrolle, an der Spiegel festhält:

Sam Spiegel: "Als Produzent beteilige ich mich an der Vorbereitung des Filmes, des Drehbuches, des Stoffes vom ersten Moment, wo an den Film überhaupt gedacht wird. Wir bereiten das Drehbuch immer zusammen und die letzten Entscheidungen über das Gesamturteil des Filmes bleibt in meinen Händen."

Ab Mitte der Sechzigerjahre produziert Spiegel nur noch wenige Filme. Als er am 31. Dezember 1985 stirbt, tritt mit ihm nicht nur der letzte allmächtige Produzent des alten Hollywood ab, sondern auch der mutigste – keiner hat Aufwand und Anspruch so erfolgreich miteinander verbunden wie er.

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