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Aus der Traum vom "Auto-Disneyland"

Landtagssondersitzung in Mainz zur Nürburgpleite

Von Ludger Fittkau, Landeskorrespondent Rheinland-Pfalz

Luftaufnahme der Grand-Prix-Strecke am Nürburgring
Luftaufnahme der Grand-Prix-Strecke am Nürburgring (dpa/Thomas Frey)

Auch wenn heute die Mehrheit von SPD und Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag noch einmal 254 Millionen Euro bereitgestellt hat, um die Staatsbank, die den Nürburgring finanziert hat, liquide zu halten: Der Traum ist ausgeträumt vom gigantischen "Auto-Disneyland" in "Preußisch Sibirien".

So wurde die Eifel in den 1920er Jahren genannt, als der Nürburgring gebaut wurde. Ein glitzernder Vergnügungspark rund um des deutschen Mannes liebstes Kind - das Automobil - sollte 80 Jahre nach dem Bau der Rennstrecke entstehen. Die Hoffnung: neue Impulse für den strukturschwachen Raum im Norden von Rheinland-Pfalz und mehr als 1000 zusätzliche Arbeitsplätze!

Doch dieser Traum des rheinland-pfälzischen Landesvaters Kurt Beck ist nun endgültig geplatzt. Der Grund: Die Massen, die ins Auto-Disneyland strömen sollten, kamen seit der Eröffnung vor drei Jahren nie. Im Winter ohnehin nicht, weil dann auf dem Nürburgring keine Rennen stattfinden. Aber auch im Sommer herrscht außerhalb der Rennwochenenden meist tote Hose. Denn das Automobil ist längst nicht mehr so sehr des deutschen Mannes liebstes Kind, wie es Kurt Beck und seine SPD-Alleinregierung wohl glaubten, als sie grünes Licht für den Bau des Vergnügungsparks mit Steuermitteln gaben.


Sicher, ein Formel-1-Rennen in der Eifel mit Sebastian Vettel guckt man(n) sich vielleicht schon noch mal gerne an. Doch danach wird im Sommer mit den Liebsten an der Mosel geradelt und im Herbst auf dem Rheinsteig am Mittelrhein gewandert, anstatt für 20 Euro und mehr pro Runde auf dem Nürburgring herumzudüsen. Selbst Kurt Beck fährt in seinem Sommerurlaub lieber Fahrrad als Auto! Für den Winterurlaub im Süden gibt es längst den Billigflieger vom ebenfalls stark subventionierten rheinland-pfälzischen Flughafen Hahn im Hunsrück. Der Umweltbewusste fährt mit der Bahn oder dem Benzinsparauto zum Ski-Langlauf in den Schwarzwald. Wer will da noch in der inzwischen meist schneelosen Eifel im 3D-Kino sitzen und Autofahren simulieren?

Zu denken gegeben haben "König Kurt" diese Paradigmenwechsel im Freizeitverhalten seiner Landeskinder offenbar nicht. Obwohl er keinen privaten Investor fand, den eine parteiübergreifende Mehrheit in der rheinland-pfälzischen Landespolitik immer zur Bedingung für ein "Auto-Disneyland" in der Eifel gemacht hatte, ließ Kurt Beck losbauen, sobald er eine SPD-Alleinregierung in Mainz hatte. Bis heute ließ er rund 400 Millionen Euro am Ring in Beton gießen.

Dass die Opposition tobt und seinen Rücktritt fordert, ist mehr als nachvollziehbar. Dass Kurt Beck auch nach dem heutigen Schlagabtausch im Parlament nicht zurücktritt, war absehbar. Er will nach fast 18 Regierungsjahren in Mainz nicht als derjenige in die Analen der Landesgeschichte eingehen, der am Nürburgring alles verzockt hat, was der Landeshaushalt noch an Spielräumen bietet. Und mehr. Doch der Traum von benzingetränkten, blühenden Betonlandschaften in der rauen Wintereifel ist ausgeträumt. Wohl für immer.

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