• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteForschung aktuellAus für den Riesenhorcher?26.10.2007

Aus für den Riesenhorcher?

Dem größten Radioteleskop der Welt droht die Schließung

Astronomie. – Das Radioteleskop Arecibo auf Puerto Rico ist das größte seiner Art auf der Welt – und das berühmteste. Schließlich hat schon das dramatische Ende eines James-Bond-Films hier gespielt. Doch jetzt geht es diesem Teleskop an den Kragen. Ein US-Expertengremium hat die drastische Reduzierung des Teleskop-Etats empfohlen und erste schmerzhafte Einschnitte wurden bereits vorgenommen.

Von Dirk Lorenzen

Das Radioteleskop Arecibo auf Puerto Rico ist das größte seiner Art auf der Welt. (NAIC)
Das Radioteleskop Arecibo auf Puerto Rico ist das größte seiner Art auf der Welt. (NAIC)

"Arecibo ist immerhin das größte Radioteleskop der Welt und also in den Fächern, in denen Arecibo gut funktioniert, das empfindlichste Instrument der Welt…"

...und kaum ein Astronom kann sich vorstellen, auf dieses Teleskop verzichten zu müssen. Die riesige Radioschüssel von sage und schreibe 300 Metern Durchmesser füllt einen ganzen Talkessel in Puerto Rico. Jetzt droht das Aus aus finanziellen Gründen, erklärt Daniel Altschuler, der lange Jahre Direktor des Arecibo-Observatoriums gewesen ist:

"Es handelt sich eigentlich um eine minimale Ziffer für die US-Regierung. Wir sprechen hier nur von sechs Millionen Dollar im Jahr. Aber es ist so, dass dieses Komitee gesagt hat, in drei Jahren wird Arecibo nicht mehr die 10,5 Millionen Dollar im Jahr bekommen, sondern eben nur vielleicht vier Millionen. Und der Unterschied müsste dann von irgendwo anders kommen."

Bislang hat die US-amerikanische National Science Foundation das Teleskop weitestgehend finanziert. Doch vor einiger Zeit hat ein Gutachterkomitee empfohlen, die Mittel für Arecibo drastisch zu kürzen. Allerdings lässt sich das Teleskop mit nur vier Millionen Dollar im Jahr nicht mehr betreiben. Die ersten Mitarbeiter wurden bereits entlassen. Die laufenden Beobachtungen erfolgen nur noch auf die kostengünstigste Weise - nicht mehr auf die wissenschaftlich sinnvollste. Eine bedauerliche Entwicklung, die keineswegs unvermeidbar wäre, denn das legendäre Teleskop, das mittlerweile 44 Jahre alt ist, gehört noch längst nicht zum alten Eisen. Altschuler:

"Nein, nein! Bestimmt nicht. Das Einzige, was noch so alt ist, sind vielleicht die Türme und die Struktur. Der Reflektor ist neu, die Empfänger sind neu, die Kabel sind neu. Also Arecibo hat sehr viel Neues und es kann bestimmt noch in den nächsten zehn, 15 Jahren gute Wissenschaft machen."

Egal ob es um Molekülwolken in unserer Milchstraße geht, um kleine rasend schnell rotierende Sterne, so genannte Pulsare, oder um Galaxien in Milliarden Lichtjahren Entfernung: Für Daniel Altschuler und seine Kollegen weltweit ist das Arecibo-Teleskop in vielen Bereichen bis heute unentbehrlich. Während 90 Prozent seiner Beobachtungszeit empfängt Arecibo die Signale entfernter Himmelsobjekte. In der übrigen Zeit wird die Riesenschüssel selbst zum Sender und fungiert als kosmische Radarstation. Altschuler:

"Ein wichtiger Teil der Forschung in Arecibo hängt auch von dem planetarischen Radar ab. Das ist ein Radar, das auch das beste der Welt ist. Damit kann man Planeten und ihre Monde beobachten, bis zum Saturn. Und auch wichtig: kleinere Objekte im Sonnensystem, also Asteroiden, die zum Beispiel in die Nähe der Erde kommen. Es ist interessant, diese kleineren aber auch gefährlichen Objekte zu beobachten und wirklich zu wissen, wohin diese Objekte fliegen."

Per Radarmessung aus Puerto Rico lassen sich die Bahnen von erdnahen Asteroiden auf Meter genau bestimmen und damit auf Jahrhunderte hinaus präzise berechnen. Ohne diese Daten aus Arecibo wären künftige Gefahren für die Erde deutlich später zu erkennen. Doch das Gutachterkomittee erwähnt dies in seinem Bericht nur beiläufig - so als ob man die Bedeutung des Radars gar nicht erkannt habe. Daniel Altschuler ist heute an der Universität von Puerto Rico tätig. Doch in den zwölf Jahren als Direktor ist ihm "sein" Teleskop ans Herz gewachsen. Er setzt jetzt alle Hoffnung auf internationale Partner, die die fehlenden sechs Millionen Dollar im Jahr beisteuern könnten. Denn die Gefahr des Steinschlags aus dem All gehe schließlich alle an. Altschuler:

"Ich finde das beinahe eine Tragödie, wenn man wegen so wenig Geld das nicht schaffen kann. Ich finde, das würde dann wirklich ein Versagen von uns Astronomen sein und nicht so sehr ein Versagen der Gelder."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk