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StartseiteCampus & Karriere"Innerhalb weniger Jahre an die 400 Studiengänge"30.11.2015

Ausbildung in grünen Jobs"Innerhalb weniger Jahre an die 400 Studiengänge"

Auf dem Arbeitsmarkt ist für grüne Jobs noch deutlich Luft nach oben. Dass die Ausbildung in klassischen Beruf weniger Nachwuchs finde, trotz sehr zukunftsträchtigen ökologischen Themen, sei vor allem ein Vermittlungsproblem, sagte Krischan Ostenrath, Redaktionsleiter für den Arbeitsmarkt "Umwelt und Natur" beim Wissenschaftsladen. Die Hochschulen seien da schon deutlich weiter.

Umweltjournalist Krischan Ostenrath über grüne Ausbildung:|"Innerhalb weniger Jahre an die 400 Studiengänge"

Solarzellen auf einem Dach. (dpa / picture-alliance / Wolfram Steinberg)
Immer mehr Jobs entstehen zum Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien. (dpa / picture-alliance / Wolfram Steinberg)
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Kate Maleike: Dass auf dem Arbeitsmarkt noch Luft nach oben ist und sich mehr herumsprechen muss, dass bestimmte Berufe sehr gute Beschäftigungschancen haben und attraktiver sind, als man so denkt, das gilt auch für den ganzen Bereich der Umwelt- und Naturberufe. Das Thema Klimawandel steht ja nicht nur beim Gipfel in Paris groß auf der Agenda, sondern verändert natürlich auch Berufe, weil neue Technologien zum Beispiel für die Energiewende gefordert sind und auch neues Wissen. Krischan Ostenrath ist Redaktionsleiter für den Arbeitsmarkt "Umwelt und Natur" beim Wissenschaftsladen in Bonn, dort beobachtet man die Entwicklung in diesen Branchen schon seit vielen Jahren.

- Guten Tag, Herr Ostenrath!

Krischan Ostenrath: Ich grüße Sie!

Maleike: Sie sagen, der Ausbildungsbereich hat noch nicht ausreichend sich umgestellt auf diese künftigen Herausforderungen wie die Energiewende. Welche Berufe sind das denn, geben Sie uns mal eine Idee.

Ostenrath: Na ja, das sind zwar auf der Ausbildungsseite, also auf der Ebene der grundständigen Ausbildungsrufe durchaus die klassischen Berufe, die man nur eben einfach bislang nicht als Umweltberufe versteht. Ich sag mal vielleicht ein, zwei Beispiele: Das sind diverse Elektroberufe – Elektriker – oder auch diverse Technikerberufe, die hochgradig für die Energiewende bei uns wichtig sind. Das sind aber auch solche Klassiker wie Anlagenmechatroniker, SHK, also Sanitär, Heizung, Klima. Das sind ganz klassische Ausbildungsberufe, wo ganz heftig die Betriebe nach Azubis eigentlich suchen und Schwierigkeiten damit haben. Und ich persönlich glaube, dass den Unternehmen sehr gut anstehen würde, auch klar zu machen, wie stark der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbezug in den grundständigen Ausbildungen ist.

Maleike: Das heißt, wir haben es da wieder mit diesem berühmten Attraktivitätsproblem zu tun. Die Unternehmen schaffen es nicht, zu zeigen, dass diese Berufe tatsächlich eben eine große Zukunft haben und vielleicht eben auch Karrieremöglichkeiten schaffen?

Ostenrath: Das ist in der Tat ein ganz großes Vermittlungsproblem, und das ist auch einer der wesentlichen Hintergründe, wo ja durchaus auch einzelne Initiativen im Moment versuchen, diesen Kommunikationstransfer hinzubekommen. Ich erinnere daran, dass wir seit einigen Jahren den Green Day haben, wo die Unternehmen sich als attraktive Arbeitgeber vorstellen. Auch unsere eigene Initiative, energiewende-schaffen.de, die von zwei großen deutschen Stiftungen gefördert wird. Und hat denselben Auftrag, nämlich einfach mal klar zu machen, welche Ausbildungswege führen denn eigentlich in die Umweltberufe, in die Energiewendeberufe. Da ist ein riesengroßes Vermittlungsproblem, und ich sage ausdrücklich, dass es vor allem ein Vermittlungsproblem ist und nicht so sehr ein objektives Problem, weil die Arbeitsplätze – Marktverwerfung hin oder her – grundsätzlich sich hinter anderen Arbeitsplätzen, die deutlich bekannter sind, nicht verstecken müssen.

Maleike: Die Hochschulen haben sich schon besser eingestellt, als das der Ausbildungsbereich getan hat. Können Sie da mal sagen, wie im Moment der Stand der Dinge ist?

Ostenrath: Ja, das liegt nicht zuletzt daran, dass die Hochschulen untereinander ja mittlerweile auch viel stärker in dem Wettbewerb stehen, als es noch vor einigen Jahren und Jahrzehnten war. Und das heißt, die Hochschulen haben relativ schnell begriffen, dass es nicht schlecht ist, einen Studiengang als grünen Studiengang zu konzipieren, weil es damit deutlich leichter gelingt, entsprechende Studierende zu bewegen, da auch das Studium aufzunehmen. Das klingt jetzt ein bisschen nach Greenwashing, das ist damit gar nicht so sehr gemeint. Ich meine da durchaus eine ernst zu nehmende Profilierung. Wir haben mittlerweile Studienstandorte, die sich dezidiert als Nachhaltigkeitstürme sozusagen selber verstehen. Ich erinnere da beispielsweise an die Leuphana, aber auch andere Studienstandorte ...

Maleike: In Lüneburg liegt die.

Ostenrath: Richtig, genau. Und das gelingt einzelnen Hochschulstandorten und einzelnen Studiengängen auch sehr gut. Man kann es sehr deutlich machen in einem engeren Bereich der erneuerbaren Energien: Da sind innerhalb weniger Jahre an die 400 Studiengänge – das ist ein Befund, den wir selber vor etwa zwei Jahren hier im Wissenschaftsladen neu angestellt haben –, also innerhalb weniger Jahre sind bis zu 400 Studiengänge entstanden, die sich mehr oder weniger stark mit erneuerbaren Energien beschäftigen. Und wenn man jetzt den Bereich Green Economy noch größer zieht, dann ist die Zahl der relevanten Studienspezialisierung oder auch grundständigen Studiengänge sicherlich noch um ein Vielfaches größer.

Maleike: Gibt es Berufe oder Tätigkeiten, von denen Sie jetzt gerade sagen, dass sie total im Trend liegen, dass man da gute, besonders gute Jobaussichten hat?

Ostenrath: Man kann so was sicherlich machen, das hängt schlicht und einfach natürlich dann mit den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zusammen. Eine Weile, beispielsweise auf der Ebene der Studienberufe, waren es Klimaschutzmanager, die man massiv in den Stellenanzeigen gefunden hat. Oder auch Energieberater, das ist auch so ein Berufsbild, was relativ neu ist und sehr stark nachgefragt wird im Moment. Auf der grundständigen Ausbildungsebene wie gesagt sind es die schon längst bekannten Berufe. Und zunehmend mehr gibt es eben auch die Weiterbildungsberufe, die Spezialisierung – das sind dann die Solartechniker oder der Techniker für Windenergieanlagen. Also, immer da, wo einfach in der entsprechenden Branche was passiert, entwickeln sich dann in der Regel auch die entsprechenden Berufsbilder.

Maleike: Aber es gilt nicht die Gleichung, jeder grüne Job ist auch ein toller Job.

Ostenrath: Nein, so einfach ist die Gleichung nicht, die grünen Arbeitgeber sind sicherlich nicht automatisch die besseren Arbeitgeber. Objektiv, was jetzt also die Rahmenbedingungen betrifft, sagte ich schon, müssen sie sich nicht verstecken. Auch die Arbeitgeber zahlen vernünftige Gehälter, zum Teil sogar überdurchschnittlich. Aber die Jobs sind halt nicht alle nur sinnvoll, zukunftsfähig und anspruchsvoll, sondern sie sind zum Beispiel auch damit verbunden, dass man viel in der Weltgeschichte rumfahren muss. Ein Servicetechniker macht seinen Job nun mal nicht vor Ort, sondern muss in ganz Europa rumfahren. Oder in stark wachsenden Branchen hat es auch in grünen Unternehmen natürlich so was wie Leiharbeit gegeben. Das ist in den letzten Jahren Gott sei Dank wieder zurückgegangen. Aber auch da muss man eben etwas genauer hingucken, denn, wie Sie sagten, es ist leider nicht so, dass jeder grüne Job automatisch ein guter Job ist.

Maleike: Sagt Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen in Bonn zu den aktuellen Jobchancen in Umwelt- und Naturberufen. Herzlichen Dank für das Gespräch!

Ostenrath: Ich danke Ihnen!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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