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StartseiteCampus & Karriere"Die Bleiberquoten liegen bei etwa 50 Prozent"29.02.2016

Ausländische Studierende"Die Bleiberquoten liegen bei etwa 50 Prozent"

Um mehr Spitzenkräfte für die deutsche Wirtschaft zu bekommen, buhlen Hochschulen gezielt um ausländische Studierende. Deren Bereitschaft, nach dem Studium hier zu arbeiten, sei relativ hoch, sagte Cornelia Schu vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Leider mangele es oft an den nötigen Deutschkenntnissen.

Cornelia Schu im Gespräch mit Manfred Götzke

Blick in einen Hörsaal  (picture alliance / dpa - Jan-Philipp Strobel)
Um Sprachfähigkeiten zu verbessern, aber auch um die Netzwerke auszubauen, empfiehlt Cornelia Schu ausländischen Studierenden, hierzulande Praktika zu absolvieren oder sich in der Freizeit gesellschaftlich zu engagieren. (picture alliance / dpa - Jan-Philipp Strobel)
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Manfred Götzke: Mehr Internationalität an Hochschulen, das ist seit Jahren Ziel deutscher Bildungspolitik, und das lässt man sich auch einiges kosten, denn Studenten aus Indien, aus Kanada oder aus Tschechien, die zahlen wie deutsche Studierende keine Studiengebühren, und das hat sich rumgesprochen. Mittlerweile studieren 320.000 ausländische Studierende in Deutschland – mehr als doppelt so viele wie noch vor 20 Jahren. Selbstzweck ist das alles natürlich nicht. Man erhofft sich davon mehr Spitzenkräfte für die Wirtschaft. Aber geht das überhaupt auf? Damit hat sich der Sachverständigenrat Deutscher Stiftung für Migration beschäftigt. Ihre vorsitzende Geschäftsführerin ist Cornelia Schu. Frau Schu, wollen die ausländischen Studierenden überhaupt Fachkraft in Deutschland bleiben oder lieber das kostenfreie Studium mitnehmen und dann wieder zurück nach Hause?

Cornelia Schu: Ja, da ist erstaunlicherweise ganz ausgeprägt das Interesse der internationalen Studierenden. Wir haben als Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration vor einigen Jahren mal Masterstudierende befragt, und da kam raus, acht von zehn internationale Masterstudierende können sich grundsätzlich vorstellen, in Deutschland zu bleiben. Also die Bereitschaft, im Anschluss an ein erfolgreiches Studium hier dann auch den Berufseinstieg zu machen, ist sehr hoch.

Götzke: Die Bereitschaft ist da, aber wie sieht es denn in der Realität aus, also wie viele bleiben dann faktisch?

Schu: Die Bleiberquoten im besten Fall liegen bei etwa 50 Prozent. Da gibt es verschiedene Berechnungen. Manche sagen auch, es sind nur etwa ein Viertel, die bleiben. Auf jeden Fall kann man klar sagen, zwischen denen, die de facto bleiben und denen, die sich vorstellen konnten, zu bleiben, gibt es eine Lücke, und das ist angesichts der Tatsache, dass internationale Studierende Idealzuwanderer für den deutschen Arbeitsmarkt sind, eigentlich nicht so schön, die sollte man auf jeden Fall schließen.

"Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind da"

Götzke: Sie sagen, sie gelten als Idealzuwanderer. Was läuft denn da falsch, also wer müsste da nachsteuern? Die Studierenden selbst oder der Staat, das Bildungssystem?

Schu: Der Staat hat da eigentlich seine Hausaufgaben gemacht. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für bleibewillige internationale Studierende sind im internationalen Vergleich mittlerweile sehr gut. Die können 18 Monate nach dem Studium in Deutschland bleiben, um hier eine angemessene Arbeitsstelle zu suchen. Insofern, die rechtlichen Rahmenbedingungen sind da. Das ist schon mal sehr erfreulich. Es hat sich aber auch in anderen Untersuchungen schon rausgestellt, dass es Hürden gibt, die internationalen Studierenden da das ein bisschen schwerer machen. Die haben oft nicht so gute Deutschkenntnisse wie der deutsche Arbeitsmarkt sie verlangt, sie haben weniger Netzwerke, und teilweise wissen sowohl die Studierenden als auch die Unternehmen nicht wirklich Bescheid über die großzügigen rechtlichen Möglichkeiten, die es gibt. Da gibt es Hürden an verschiedenen Stellen, und da sind natürlich die Studierenden selber gefragt, die sich besser informieren können, aber das können ihnen Hochschulen und regionaler Arbeitsmarkt auch leichter machen.

Götzke: Das heißt, es scheitert dann vor allem an der Sprache tatsächlich.

Schu: Sprachkenntnisse sind ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Der deutsche Arbeitsmarkt ist nach wie vor im Wesentlichen deutschsprachig. Da zeigt sich einfach, dass Studiengänge, die vorwiegend auf Englisch angeboten werden, da eine Schattenseite haben. Die sind zwar einerseits sehr attraktiv, weil internationale Studierende das als Anreiz empfinden, sagen, oh, wunderbar, da können wir in Deutschland studieren erst mal, ohne Deutsch können zu müssen. Wenn Studierende hier bleiben wollen, sind sie gut beraten, im Studium ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, und dann wäre es auch sinnvoll, wenn die Studiengänge entsprechende Möglichkeiten auch verpflichtend vorsehen.

Götzke: Sie haben dann in Ihrer Studie noch untersucht und festgestellt, diejenigen, die sich zusätzlich zum Studium noch engagieren, Praktika machen, die reüssieren.

Schu: Ja, das ist eindeutig ein klarer Startvorteil, wenn Studierende auch außerhochschulisch aktiv sind. Praktika ist ein Weg dazu, und freiwilliges Engagement, sei es im Sportverein, in einer Hochschulgruppe oder in einer Kirchengemeinde, ist ein zweiter sehr guter Weg, weil beide Varianten das bringen, was auch wichtig ist, nämlich Netzwerke, Kontakte zu ersten einheimischen Berufs- und Arbeitserfahrungen oder zumindest Erfahrung in einem deutschen Kontext. Da können sowohl Praktika als auch Engagement sehr viel bewirken.

Götzke: Ausländische Studierende scheitern häufig an den Anforderungen des Arbeitsmarktes, hat Cornelia Schu vom Sachverständigenrat für Migration und Integration rausgefunden.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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