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StartseiteKultur heuteJosé Fuster - der kubanische Picasso27.03.2018

Ausnahmekünstler im PorträtJosé Fuster - der kubanische Picasso

Monsterkrokodile, Meerjungfrauen und andere Fabelwesen machen die Straßen Kubas unsicher - jedenfalls da, wo José Fuster seit über 30 Jahren lebt und wirkt. Ein ganzes Stadtviertel hat er mit seinen Malereien, Skulpturen und Mosaiken geprägt, strotzend vor Farben und Lebenskraft.

Von Burkhard Birke

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Eine Frau mit langen schwarzen Haaren im roten Kleid und ein Mann mit zwei Gesichtern und einem Hut auf dem Kopf, auf dem ein Hahn sitzt. Dahinter zwei große Gesichter im Profil - alles abstrakt gemalt. (Deutschlandradio / Burkhard Birke)
Ein Bild des kubanischen Malers José Fuster. (Deutschlandradio / Burkhard Birke)

"Ich male keine Märtyrer oder Helden. Das kann ich gar nicht. Ich male Männer, Frauen – die kubanische Realität!"
   
Naiv, aber nicht naturgetreu, sondern in verzerrten Dimensionen. In den schrillen Farben der Karibik stellt José Fuster seine Motive dar: Ein Mann mit Hut und Gitarre etwa, ihm gegenüber der in Picassomanier verzerrte Körper einer nackten Schönen mit Trompete, im Schoß der gelbe Kopf eines Hahnes mit knallrotem Kamm, am unteren Bildrand ein grünes Krokodil mit einer Palme im Maul.

Seit José Fuster als Jugendlicher den Bauern in den Bergen der Sierra Maestra - ganz im Osten der Insel – Lesen und Schreiben beigebracht hat, inspirieren ihn die einfachen Menschen und Dinge. "Die Seele dieser ganz einfachen Menschen hat mein künstlerisches Dasein begründet und meinen Stil und Charakter geprägt. Und ich bleibe dieser Linie treu."

Magischer Realismus

Fuster schöpft aus dem üppigen Reichtum der kubanischen Natur. Immer wieder begegnen sie dem Betrachter in den Bildern, aber auch in den Skulpturen oder Wanddekorationen: Die Frauen mit überzeichneten Körperproportionen, Gitarre spielende Männer und alles, was da so wächst, kreucht und fleucht in der Natur. Karibik pur und verzerrt - wohl deshalb hat er den Beinamen Picasso der Karibik bekommen.

"Ich werde auch als Surrealist oder naiver Künstler bezeichnet. Andere sagen, mein Werk sei magischer Realismus. Ich habe auch mit postmodernen Künstlern meiner Epoche zusammengearbeitet. Mein Ziel ist es, die Realität abzubilden. Deshalb würde ich sagen, ich mache eine Art magischen Realismus. Und ich habe viel Spaß bei meiner Arbeit."
 
Mit 14 bekam er Gelegenheit, Kunst zu studieren und sie ließ ihn nie wieder los. Mehr als Picasso beeinflusste ihn der rumänische Bildhauer Constantin Brancusi, sagt Fuster mit einem schelmischen Grinsen. Und auch wenn er es nicht so gerne zugibt: Der katalanische Architekt Antonio Gaudi mit seinen Naturformen und Mosaiken hat das Werk des Kubaners geprägt.

Mit Kunst die Welt verändern

Fusters Wohnhaus ist Museum geworden, die ganze Familie arbeitet mit und lebt davon. Täglich kommen ein paar hundert Besucher, zahlen Eintritt, um durch ein Labyrinth über mehrere Etagen verschnörkelter Architektur zu wandeln - vollgepackt mit Symbolik aus Natur und Santería, der afrokubanischen Religion, mit Keramik-Mosaik Fassaden, Sitzbänken, Skulpturen und Bildergalerien.

José Fusters Domizil ist nur das Zentrum eines einst eher bescheidenen Wohnviertels, in dem er ca. 150 Häuser, Fassaden oder Wände gestaltet hat.

"Im Periodo Especial, in der Zeit der akuten Versorgungsnotlage nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, hatte ich Geld. Als Künstler habe ich an vielen Orten ausgestellt und Geld verdient. Da habe ich mich gefragt: Was mache ich denn mit Geld in einem Land, wo die Leute nichts haben. Da habe ich mir vorgenommen, die Welt zu verändern und merkwürdige Dinge an den Häusern der Nachbarn anzubringen. Vorher hatte ich immer auf Leinwand gemalt, Keramiken gefertigt, aber die erste Wand die ich gestaltete, die gehörte nicht mir, sondern meinem Nachbarn. Das gefiel mir und am Ende stand dieses kleine Dorf hier."

Zäune aus Stein und Mosaik, krähende Hähne an Häuserwänden, Meerjungfraufiguren, Kacheln mit primitiven Fuster-Zeichnungen reihen sich über zwei überdimensionierten Krokodilen aus Mosaiksteinen aneinander. Überall, wo man im Stadtteil Jaimanitas hinschaut, hat José Fuster gewirkt. An einer Straßenecke ist auch ein Riesenporträt des verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zu sehen. Fuster macht aus seiner Überzeugung kein Hehl: Chávez sei ein Menschenfreund gewesen, er habe Kuba in der Not geholfen.

Stellt er also doch Menschen dar, die für ihn Helden sind? "Zuallererst geht es doch um den Menschen, darum, dass er besser wird, lange vor jeder politischen Frage."

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