Kultur heute / Archiv /

 

"Außerordentlich wichtig für die Geschichte des Landes"

Afghanisches Nationalmuseum erhält großen Teil der historischen Sammlung zurück

Dina Netz im Gespräch mit Karin Kathöfer

Eine historische Statue als Exponat im Afghanischen Nationalmuseum in Kabul.
Eine historische Statue als Exponat im Afghanischen Nationalmuseum in Kabul. (picture alliance / dpa / Xinhua/Landov)

Das kulturelle Erbe spiele in Afghanistan eine herausragende Rolle, auch weil sie für die Identitätsbildung im Zuge des Wiederaufbaus ausschlaggebend sei, meint Karin Kathöfer. Die Beraterin für Kultur und Kulturerbe im Nationalmuseum Kabul begrüßt deshalb die Rückgabe von mehr als 800 Exponaten.

Dina Netz: Aus Afghanistan kommen zur Abwechslung einmal gute Nachrichten: Das afghanische Nationalmuseum in Kabul hat gestern einen großen Teil seiner historischen Sammlungen zurückerhalten: 843 Exponate sind dem Museum gestern zurückgegeben worden, die zum großen Teil mit britischer Hilfe vor den politischen Wirren der vergangenen Jahre und Jahrzehnte gerettet werden konnten. Der Kurator Fahim Rahimi sagte: "Ich bin glücklich als Afghane, dass wir all diese Stücke wiederhaben, die so wichtig für unsere Geschichte und Kultur sind." Karin Kathöfer ist Beraterin für Kultur und Kulturerbe im Nationalmuseum Kabul. Ich habe sie gefragt: Mehr als 800 Exponate sind jetzt zurück – welche sind die Glanzstücke, die wieder im Museum sind?

Karin Kathöfer: Ja, eines der Glanzstücke, was auch immer wieder gerne genannt wird, ist eine Buddha-Statue, die schon 1.800 Jahre alt ist, und die wurde auch schon vor einer Woche – im Museum hat sie einen besonderen Platz erhalten und wurde erneut ausgestellt, und mit den gesamten Beschriftungen et cetera, wie das hier im Museum, in der Museumspraxis gehandhabt wird, wurde das schon vorher ausgestellt, und das wurde auch dann gestern im Rahmen zelebriert – neben exemplarischen Objekten aus anderen Materialien, wie jetzt der genannte Steinbuddha aus der buddhistischen Phase, so auch aus anderen kulturellen Phasen der Geschichte Afghanistans und auch Objekte aus Elfenbein zum Beispiel.

Netz: Ich habe vorhin den Kurator zitiert, der sehr froh über die Rückgabe ist. Nehmen die Afghanen denn diese Objekte wirklich als so wichtigen Teil ihrer Kultur und Geschichte wahr?

Kathöfer: Ja, die werden als zentral betrachtet, und gerade vor dem Hintergrund der Geschichte, dass viele Stücke und Artefakte zerstört wurden im Zuge des Krieges, des langen Bürgerkrieges, die Zerstörung zu Zeiten der Taliban und dadurch dieser florierende Schwarzhandel – also dass jetzt diese Stücke wirklich wieder identifiziert werden konnten, dann in Zusammenarbeit mit dem britischen Museum wurden die auch schon katalogisiert, und dass die jetzt wieder in Afghanistan gelandet sind, das ist wirklich außerordentlich wichtig für die Geschichte des Landes und auch für die Museumsgeschichte in Afghanistan, wo das kulturelle Erbe eine herausragende Rolle spielt, gerade auch im Hinblick auf Identitätsbildung in diesem Land im Zuge des Wiederaufbaus.

Netz: Frau Kathöfer, Sie sagten gerade schon, katalogisiert sind die Werke zum Teil schon. Können die jetzt sofort ausgestellt werden, oder muss da noch was restauriert werden?

Kathöfer: Einige Stücke, da stehen noch Restaurierungsarbeiten an, soviel ich weiß, aber die anderen können dann schon ausgestellt werden und geplant. Und da ist auch dann eher meine Aufgabe, weil mein Hintergrund ist, ich bin nicht Archäologin, sondern meine Aufgabe als Beraterin ist dann auch konzeptioneller Natur, sprich, diese Artefakte sollen dann der afghanischen Bevölkerung zugänglich gemacht werden in einer Ausstellung.

Netz: Die Kunstwerke waren ja während des Bürgerkrieges und der Machtergreifung der Taliban gestohlen worden – Sie haben es angedeutet –, waren dann durch den Schwarzhandel auf der ganzen Welt verstreut, wie genau ist denn jetzt eigentlich die Wiederbeschaffung abgelaufen?

Kathöfer: Da kann ich leider nicht ganz so viel zu sagen, weil das alles in Zusammenarbeit mit dem British Museum und mit den Behörden von Großbritannien lief, weil einige Stücke konnten direkt beim Zoll identifiziert werden, und einige Stücke, wie zum Beispiel die erwähnte Buddha-Figur, die ist aufgetaucht in einer Privatsammlung, und durch reiche Sponsorengelder also praktisch dem Nationalmuseum zur Verfügung gestellt.

Netz: Das war Karin Kathöfer, Beraterin für Kultur und Kulturerbe am afghanischen Nationalmuseum, und Kabul ist eben weit weg, bitte entschuldigen Sie die Leitungsqualität.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Kabuls kulturelle Kostbarkeiten

 

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kultur heute

Kulturboykott russischer Medien"Man reagiert in der Ukraine über"

Ein Filmprojektor

Russland stelle die ukrainische Identität in Frage. Dagegen wehrt sich die Ukraine "mit untauglichen Mitteln", kritisiert Russlandexperte Hans-Henning Schröder von der FU Berlin im DLF. Er hoffe "auf den gesunden Menschenverstand der ukrainischen Elite", um einen Boykott russischer Medien zu vermeiden.

Salzburger Festspiele 2014Holocaust-Schicksal als revuehafter Bilderbogen

Festspielhäuser an der Hofstallgasse in Salzburg.

Im Zuge der Salzburger Festspiele 2014 wird eine Uraufführung von Marc-Andrés Dalbavies Oper "Charlotte Salomon" gezeigt. Darin geht es um die Lebensgeschichte der gleichnamigen jüdischen Protagonisten, die im Alter von 26 Jahren in Ausschwitz ermordet wurde.

Kandinsky und JawlenskyGemeinsamer Weg zur Abstraktion

Eine Besucherin betrachtet am Freitag (31.08.2012) in der Ausstellung «Ich arbeite für mich, nur für mich und meinen Gott» in der Kunstsammlung in Jena ein Bild des Malers Alexej von Jawlensky.

Das Schloßmuseum Murnau zeigt in seiner neuen Kunstausstellung Gemälde von Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Männerfreundschaft der beiden, die in Murnau zwischen 1908 und 1910 ihren Höhepunkt erreichte.

 

Kultur

Frans MasereelHolzschnitte für den Frieden

Der belgische Grafiker und Maler Frans Masereel

Frans Masereel erlebte die Widersprüche im Berlin der Vorkriegszeit. Seine Holzschnitte waren Appelle an den Frieden und wurden von Hitler verboten. Heute vor 125 wurde der Künstler geboren.

Kulturboykott russischer Medien"Man reagiert in der Ukraine über"

Ein Filmprojektor

Russland stelle die ukrainische Identität in Frage. Dagegen wehrt sich die Ukraine "mit untauglichen Mitteln", kritisiert Russlandexperte Hans-Henning Schröder von der FU Berlin im DLF. Er hoffe "auf den gesunden Menschenverstand der ukrainischen Elite", um einen Boykott russischer Medien zu vermeiden.

Kinostart: Die Geliebten Schwestern"Ein paar Briefe habe ich auch neu erfunden"

Dominik Graf

Dominik Grafs neuer Film "Die Geliebten Schwestern" erzählt eine Ménage à trois zwischen dem Dichter Friedrich Schiller und zwei mittellosen adlige Schwestern. Welche Erzähltricks er anwendet und warum der ARD-Krimi Tatort Daumenlutschfernsehen ist, verrät er im Corsogespräch.