Mittwoch, 22.11.2017
StartseiteKultur heuteKulturpolitik im Kalten Krieg01.11.2017

Ausstellung in BerlinKulturpolitik im Kalten Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es militärisches und kulturpolitisches Wettrüsten. In Westberlin betrieb etwa die CIA lange den Import eines bestimmten Begriffs der Moderne, erklärte Anselm Franke im Dlf. Franke hat die Ausstellung "Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg" mitkuratiert.

Anselm Franke im Gespräch mit Karin Fischer

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Museumsbesucher betrachten ein Bild der US-Künstlers Jackson Pollock, Titel: "Blue Poles" (1952) (picture alliance / dpa / EPA / Andy Rain)
Im Sinne der antitotalitären Erziehung der Nachkriegsdeutschen finanzierte die CIA Vertreter eines bestimmten Modernebegriffs wie etwa Jackson Pollock. Hier dessen Bild "Blue Poles" von 1952 (picture alliance / dpa / EPA / Andy Rain)

Es war ein Schock, als 1967 bekannt wurde, dass der Kongress für kulturelle Freiheit, eine 1950 in West-Berlin gegründete Institution, der es unter anderem um die Förderung einer universellen Sprache der Moderne in Literatur, Kunst und Musik ging, insgeheim von der CIA finanziert worden war. Heute klingt das fast logisch, es herrschte der Kalte Krieg.

"Es ging darum, Kulturförderung in großem Maßstab zu betreiben, um einen bestimmten Freiheitsbegriff amerikanischer Herkunft in der Tradition der Moderne durchzusetzen", sagte Anselm Franke im Dlf – er hat im Haus der Kulturen der Welt in Berlin die Ausstellung "Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg" mitkuratiert, die am Freitag eröffnet.

Eine Ideologie mit einer anderen austreiben

Anselm Franke benennt ein Paradox, das es immer neu zu verstehen gelte: "Dass nämlich das, was als Entideologisierung bezeichnet wurde, als eine Politik jenseits der Ideologien, gerade heute im Rückblick seine ideologischen Qualitäten zeigt. Genauso die künstlerische Freiheit, die ja auch die Freiheit von jeder politischen Inanspruchnahme bedeuten sollte, eben genau eine solche Inanspruchnahme darstellt."

Hauptprojekt des CCF, des Congress of Cultural Freedom, waren Magazine, an denen eine große Anzahl von wichtigen Schriftstellern und Intellektuellen beteiligt waren. In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren sie der revolutionären Politik, mithin der Sowjetunion, zugeneigt. Nun galt es, diese "fellow travellers" dem Projekt des Westens zu verpflichten. Das war die Aufgabe des CCF. Es galt, den Begriff der Freiheit gegen den "Totalitarismus" aufzubauen, die künstlerische Freiheit des Individuums vor der Uniformierung, der Konvention zu retten – ein Begriff, der später ja auch in der Studentenrevolte wichtig wurde.

USA finanzierte teils verdeckt, teils offen

In den frühen 50er-Jahren wurde deshalb in einer Serie beispielsweise George Orwells "1984" abgedruckt. Und auch Ausstellungen, die zum Teil international gezeigt wurden, wurden zum Medium der "soft power" im Kalten Krieg. Jackson Pollock habe zwar, so Anselm Franke, nie Gelder von der CIA erhalten, aber die Durchsetzung eines Jackson Pollock wurde vom amerikanischen Geheimdienst über Schein-Stiftungen gefördert, die dann etwa den CCF förderten oder, wie das Museum of Modern Art, Austellungen auf Tour schickten. Gar nicht im Verborgenen habe das State Departement damals auch die Beiträge von Künstlern zu den großen Biennalen oder documenten direkt finanziert.

Dass das Haus der Kulturen der Welt in Berlin dieser unguten Beziehung von kultureller Freiheit und Kaltem Krieg nachgeht, hat mit seiner Geschichte zu tun: Es liegt an der John-Foster-Dulles-Allee. Dulles war in den 50er-Jahren Außenminister der USA und hatte als "Falke" in der Regierung viel zu tun mit der Polarisierung der Welt im Kalten Krieg, auch der Kulturwelt. Dulles' Schwester war Berlin-Repräsentantin des Außenministeriums und setzte den Bau des Hauses der Kulturen der Welt damals im Alleingang durch, auch als einen Akt symbolischer Architektur im Kalten Krieg.

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