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StartseiteCorsoDürer trifft LA-Graffiti27.06.2014

Ausstellung in Los AngelesDürer trifft LA-Graffiti

Das Getty Forschungsinstitut in Los Angeles hat sich mit einem der jüngsten und kleinsten Museen der Stadt, dem ESMoA, El Segundo Museum of Art, zusammen getan: Nun bedecken gigantische Graffitis die Wände des ESMoA. Die Graffitis sind inspiriert von Büchern aus Renaissance oder Aufklärung, und sie tragen Spuren alter Meister wie Albrecht Dürer oder Leonardo da Vinci.

Von Kerstin Zilm

Dürers "Betende Hände" mit Spraydose (Montage) (Deutschlandradio / Dürer / dpa)
Dürers "Betende Hände" mit Spraydose (Montage) (Deutschlandradio / Dürer / dpa)

Vor gut einem Jahr lud Getty-Kurator David Brafman rund 150 Graffitikünstler aus Los Angeles ein – und zwar ins Forschungsinstitut der Kunststiftung. Er zeigte ihnen Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert, darunter Kalligrafie-Anleitungen, Wappensymbole, Illustrationen, arabische Briefe und Albrecht Dürers 'Unterweisung der Messung". Brafman forderte die Straßenkünstler auf, inspiriert von den alten Meistern ein Skizzen-Buch zu schaffen, das alle Stile der Straßenkünstler vereint. Es entstand das ‚Getty Black Book': Graffiti-Zeichnungen, Graffiti-Gemälde und Graffiti-Schriftzüge auf Blättern von 30 mal 50 Zentimetern, gebunden in schwarzes Leder.

David Brafman wollte mehr:

"Daraus ist der Wunsch entstanden, die Straßenkunst direkt mit den Werken alter Meister zu konfrontieren. Ich wollte im Grunde genommen eine Explosion des Black Books: Die Graffiti-Künstler sollten an den Wänden arbeiten - mit den Büchern daneben."

Die Idee wurde Wirklichkeit im ESMoA - Museum of Art von El Segundo, einem jungen Museum mit nur einem schmalen Ausstellungsraum:

Studio für bis zu 50 Graffiti-Künstler gleichzeitig

Etwa 25 Meter lang, acht Meter breit und zehn Meter hoch. Gut zwei Wochen lang wurde dieser Raum zum Studio für bis zu 50 Graffiti-Künstler gleichzeitig. Schicht für Schicht bedeckten sie die weißen Wände bis zur Decke mit Farbe, Tinte, Drucken und Schablonenkunst: Ein rotgesichtiger Samurai richtet seinen Säbel auf brennende Palmen; eine ägyptische Königin aus Ebenholz wehrt grüne Schlangen ab; neben einem gigantischen Totenkopf lehnt ein blasser Junge, darunter ein aufgeschlagenes altes Buch. Dazwischen: sich wiederholende geometrische Formen, arabische Kalligrafie, Perspektivstudien und Vermessungsskizzen - Inspirationen der alten Meister. Die Graffitikünstler wussten vor dem Projekt wenig über Albrecht Dürer, da Vinci und Co. Doch als sie in ihren Büchern blättern, spüren sie Respekt und eine enge Verbindung. Fishe, Defer und Co:

"Hoffentlich wird unsere Arbeit irgendwann ähnlich geschätzt wie ihre, aber sie sind die wahren Meister. Ich glaube nicht, dass wir jemals ihr Niveau erreichen. Sie haben die Originale geschaffen. Wir bauen nur darauf auf."

"Allein zu sehen, wie viel Zeit, Präzision und Sorgfalt sie für ihre Kunst aufwandten - jedes Detail ist makellos! - das inspiriert mich, meine Kunst auf ein höheres Niveau zu heben."

Die Graffiti-Künstler hinterließen keinen weißen Fleck auf Wänden und Fußboden. Kaum war die Farbe getrocknet, brachte David Brafman die antiken Bücher ins Museum. Sie sind in Glasvitrinen vor den Kunstwerken ausgestellt. Besucher können mithilfe von Tablet-Computern virtuell in ihnen blättern. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen alten Meistern und Graffitikunst.

Der Kurator hat früher selbst U-Bahn-Züge in Brooklyn besprüht

Kurator David Brafman hat selbst als Junge U-Bahn-Züge in Brooklyn besprüht, bevor er klassische Arabistik studierte. Für ihn geht mit SCRATCH ein Traum in Erfüllung. Die Show schafft Respekt zwischen Kunstrichtungen, die bisher in getrennte Schubladen gesteckt wurden.

"Es klingt kitschig, aber: Jeden Abend, wenn ich hier hin komme, steigt mir eine kleine Träne ins Auge. Es ist einfach so verdammt schön, was diese Menschen hier geschaffen haben."

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