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Ausstieg bei VWPiëch reicht's

Um Geld gehe es Ferdinand Piëch beim Ausstieg aus VW wahrscheinlich nicht, kommentiert Dietrich Mohaupt. Eher deute einiges darauf hin, dass er wirklich genug habe. Zudem sei nicht sicher, ob Piëch nach der Neuwahl des gesamten Aufsichtsrats im Mai noch in das Gremium gewählt wird - und das könnte Folgen haben, die Piëch gerade recht kämen.

Von Dietrich Mohaupt

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
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Wer – wie Ferdinand Piëch, einer der wichtigsten und zugleich umstrittensten Automobilunternehmer der Welt – sowieso schon Milliardär ist, dem geht es sehr wahrscheinlich nicht ums Geld – obwohl, mal ganz ehrlich, wir reden hier von rund 1,15 Milliarden Euro. Das ist – nach heutigem Börsenkurs – das Paket von 14,7 Prozent der insgesamt 153 Millionen Stammaktien der Porsche Holding wert. Es geht also nicht um die berühmten Peanuts – wobei natürlich nicht gesagt ist, dass Ferdinand Piëch diese Summe, 1,15 Milliarden Euro, auch wirklich bekommt.

Fakt ist, dass er sie nur von Familienmitgliedern bekommen kann – die haben nämlich ein Vorkaufsrecht und stecken nach Angaben eines Sprechers der Porsche Holding bereits mitten in Verhandlungen mit dem ehemaligen Firmen-Patriarchen. Wolfgang Porsche, Cousin von Ferdinand Piëch, habe schon sehr deutlich gemacht, dass die Familie immer die Stammaktien halten müsse, sagte der Sprecher der Porsche Holding.

Die liebe Familie

Also – um Geld geht es Ferdinand Piëch wahrscheinlich nicht … aber was bezweckt er dann mit dem offenbar geplanten endgültigen Ausstieg aus dem Konzern? Vermutlich genau das – den Ausstieg. Es deutet einiges darauf hin, dass da einer wirklich genug hat, kurz vor seinem 80. Geburtstag reicht es dem "großen, alten Mann" von VW. Nach dem verlorenen Machtkampf mit Martin Winterkorn im Frühjahr 2015 hatte er sich – schon deutlich vergrätzt – aus allen Konzernämtern zurückgezogen. Am Ende blieb ihm nur noch der Sitz im Aufsichtsrat der Porsche Holding – damit hatte er immerhin noch einen gewissen Einfluss auf den gesamten Konzern. Jetzt steht aber am 30. Mai eine Jahreshauptversammlung samt Neuwahl des gesamten Aufsichtsrats ins Haus. Und es ist absolut nicht sicher, dass ein Ferdinand Piëch noch ein weiteres Mal in das Gremium gewählt wird, eher im Gegenteil – sein Cousin Wolfgang Porsche ließ erst kürzlich verkünden, dass in dieser Sache noch nichts entschieden sei.

Überhaupt – die liebe Familie. Auch in dieser Beziehung knirscht es ja gewaltig – die Clans der Porsches und Piëchs sind derzeit nicht wirklich gut aufeinander zu sprechen. Er sei schon froh, wenn Piëch ihm noch die Hand gebe, so beschrieb Wolfgang Porsche kürzlich am Rande des Genfer Autosalons sein Verhältnis zum Cousin – Verwandte könne man sich eben nicht aussuchen. Die Clanchefs der Porschefamilie waren außerdem gar nicht begeistert darüber, dass Piëch inzwischen seine früheren Weggefährten in der Dieselaffäre schwer belastet hat. Neben Winterkorn und den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil habe er auch Wolfgang Porsche und andere Aufsichtsräte frühzeitig auf mögliche Manipulationen und die Folgen hingewiesen, soll Piëch gegenüber Staatsanwälten ausgesagt haben. Das hatte im gesamten Konzern heftige Schockwellen ausgelöst und könnte auch ein Grund dafür sein, dass die Porsches ihn nun loswerden wollen.

Piëch hält nicht viel von den Porsches der vierten Generation

Aber – wer weiß, vielleicht ist dieser Familienstreit ja auch die große Chance für VW – und vielleicht sieht Ferdinand Piëch ja genau diese Chance. Wenn er jetzt endgültig aussteigt, und der gesamte Aufsichtsrat der Porsche Holding neu aufgestellt wird, dann – so könnte er spekulieren – besteht ja die Möglichkeit, dass auch die Familie Porsche nicht mehr über so viel Einfluss in dem Kontrollgremium verfügt. Dem alten Mann wäre das vermutlich nur Recht – er hält eh nicht viel von den Porsches der vierten Generation, hinter ihrem Rücken gibt er angeblich gerne mal Kommentare von sich wie "Die wissen doch nicht, was sie tun." oder "Die verstehen eh nichts vom Geschäft".  Wenn also im Mai tatsächlich ein neuer Aufsichtsrat der Porsche Holding ohne Piëch gewählt wird – dann vielleicht auch ohne oder mit weniger Vertretern der Porsche-Familie. 

Dietrich Mohaupt  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Dietrich Mohaupt (Deutschlandradio / Bettina Straub)Dietrich Mohaupt, geboren 1961 in Dannenberg an der Elbe und aufgewachsen in Salzgitter. Nach dem Abitur Studium der Politikwissenschaft in Bamberg. Es folgten ein Hörfunk-Volontariat in Bielefeld und – nach einer Zwischenstation beim privaten Hörfunk in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel – der Wechsel als freier Journalist zum NDR. Seit 2011 ist er als Landeskorrespondent beim Deutschlandradio tätig - zunächst in Schleswig-Holstein und aktuell in Niedersachsen.

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