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StartseiteKalenderblattAuthentische Hippiewelt29.04.2008

Authentische Hippiewelt

Vor 40 Jahren feierte das Musical "Hair" am Broadway in New York Premiere

Im Sommer 1967 strömten die Blumenkinder nach San Francisco. Ihre Träume von Liebe und Frieden mischten sich ein Jahr später bereits mit dem Albtraum Vietnam. Das Musical "Hair" setzte am 29. April 1968 einen Schlusspunkt hinter die Ära der Sorglosigkeit.

Von Uwe Golz

Hippies beim Woodstock-Festival 1969. (AP Archiv)
Hippies beim Woodstock-Festival 1969. (AP Archiv)

Was dabei herauskommt, wenn zwei Schauspieler, Gerome Ragni und James Rado, und ein Kirchenmusiker, Galt McDermot, gemeinsame Sache machen, erlebte die Welt im April 1968 - eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten: Hair.

Der 29. April 1968 war ein denkwürdiger Tag. Die Hippies, Anhänger der freien Liebe und Kämpfer für Frieden und Glückseligkeit hatten das Establishment erobert. Hair, das "American Tribal Love-Rock Musical", feierte im Biltmore Theater am Broadway seine Premiere. Zuvor war das Musical als Off-Broadway-Produktion bereits 100-mal zusehen gewesen. Nun, und nach kleineren Veränderungen, erhielt es seinen musikalischen Ritterschlag, und Clive Barnes schrieb in der "New York Times":

"Der Erfolg ist schnell erklärt. Dieses Musical ist einfach und bescheiden, auch in seinen Ansprüchen."

Und Walter Winchell, einer der dienstältesten Musical-Kritiker seiner Zeit, setzte in seiner "New York Daily"-Kolumne noch eins drauf:

"Tennessee Williams, Edward Albee, LeRoi Jones und andere Meister der Vier-Buchstaben-Wort-Literatur erscheinen wie ein alter Hut im Vergleich zur Sprache in 'Hair’. Dieses Musical hat die Kraft, die Obengenannten aus dem Show-Business herauszukicken."

"'Hair’ ist eine authentische Hippiewelt mit einer großen Anzahl von talentierten, attraktiven und nackten jungen Menschen."

"Spitzenfinger, Sonnensoße, Silberpapier, ein Bettfedernsturm oder graublaue Uniformen. Zum Teufel, wir wollen nicht so weitermachen. Ich will mein Haar nicht vom Stahlhelm frisieren lassen."

So zitierte das deutsche Programmheft zur Münchner Premiere 1968 die beiden Hair-Librettisten Rado und Ragni - und was die zwei in ihren Songs formuliert hatten, war nichts anderes als der Protest der Jugend gegen das Establishment und den Vietnamkrieg.

Als "Hair" seine ersten Aufführungen erlebte, kämpften 500.000 junge Amerikaner in Vietnam, 50.000 Wehrdienstverweigerer hatten in Kanada Unterschlupf gefunden, 100.000 Menschen waren für die Bürgerrechtsbewegung gegen Washington marschiert. Der Sänger und Schauspieler Ron Williams sagte damals:

"Überall auf der Welt war die Jugend unruhig geworden. Demonstrationen, Go-in, Hippie-Bewegung, Provokation - Protest-Symptome einer unruhigen Übergangszeit. 'Hair’ gibt eine künstlerische Antwort auf die Frage nach dem Sinn der Unruhe der Jugend."

"Hair" folgt keiner Dramaturgie, hat keine Handlung im klassischen Sinn. Die Themen steigern sich von einer Szene zur anderen - dieses Musical war und ist radikal und auch radikal pazifistisch. Was Milos Forman elf Jahre nach der Bühnenpremiere im Film inszenierte, war politischer als das ursprüngliche Musical.

Bei Forman marschieren zu den Klängen von "Let the Sunshine In" Soldaten in einen dunklen Flugzeugrumpf - Ziel der Maschine: Vietnam. Dieses Ende hat wenig mit dem Original zu tun. Im Musical wird am Ende die Hand zur Versöhnung ausgestreckt.

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