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StartseiteVerbrauchertippFahr-Fitness für Senioren28.04.2017

Autofahren im AlterFahr-Fitness für Senioren

Ab dem 75. Lebensjahr steigt das Risiko, als Autofahrer einen Unfall zu verursachen erheblich. Deshalb bieten einige Organisationen regelmäßig Fahr-Fitness-Checks für ältere Autofahrer an.

Von Susanne Kuhlmann

Eine 84-jährige Frau sitzt am Steuer ihres Kleinwagens. In der linken Hand hält sie ihren Gehstock, den sie zum Aussteigen benötigt. (dpa/picture-alliance/Felix Kästle)
Immer mehr ältere Menschen fahren noch Auto - ob sie noch fit dafür sind, können sie selbst in Fahr-Fitness-Tests überprüfen. Das kann unter Umständen Leben retten. (dpa/picture-alliance/Felix Kästle)
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Zu Polizeihauptkommissar Joachim Tabath und seinen Kollegen in Düsseldorf kommen alle, die bei der Aktion "Mensch und Auto" mitmachen wollen, mit dem eigenen Wagen. Einsteigen und angurten - unter seinen Augen sollen sie alles so machen wie immer vorm Losfahren. Joachim Tabath überprüft zunächst die Position der Spiegel.

"Senioren gucken sich im Außenspiegel mehr das eigene Auto an, als den toten Winkel zu verkleinern. Das ist ein großer Punkt immer wieder bei der Aktion."

"Den Außenspiegel perfekt einstellen"

Darum heißt das Programm im Untertitel "Sicherheit ist Einstellungssache". Wer körperliche Einschränkungen hat und beim Fahren nicht mehr gut nach hinten über die Schulter schauen kann, muss sich auf die Außenspiegel verlassen können.

"Da versuchen wir zu trainieren und zu erklären, was das ausmacht. Da ist wieder der Außenspiegel. Wenn ich den Kopf nicht weit genug nach rechts drehen kann, muss ich den Außenspiegel so perfekt einstellen, dass ich alles über den Außenspiegel sehen kann. "

"Sich selbst besser schützen"

Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe beim ADAC, verweist auf die technische Unterstützung, die viele neue Wagen bieten. Zum Beispiel mit dem Abbiege-Assistenten, der den Bereich unmittelbar links und rechts neben dem Wagen überwacht.

"Das kann durch ein Symbol im Rückspiegel erfolgen, das kann durch Radar erfolgen und Warntöne. Das kann aber auch dazu dienen, dass man in der Anfahrt, wo man abbiegen möchte, seine Blickstrategie ändert, um den toten Winkel im Vorfeld schon weitestgehend abtasten zu können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich selbst besser schützen zu können."

Perfekte Haltung: Lehne fast 90 Grad zum Sitz

Eine davon ist die aufrechte Sitzposition. Nicht nur, weil der Fahrer dann einen besseren Überblick hat, sondern vor allem, weil er bei einem Unfall besser geschützt wäre als mit bequem geneigter Rückenlehne, erklärt Joachim Tabath.

"Wir stellen den Sitz so ein, dass die Lehne fast 90 Grad zum Sitz hat. So wird man in den Sitz rein gedrückt. Alles andere wird nach oben gedrückt, wenn die Lehne schräg ist."

Falsche Einstellung kann "beim Aufprall zusätzlich verletzen"

Ist die Rückenlehne falsch eingestellt, kann der Sicherheitsgurt den Fahrer beim Aufprall sogar zusätzlich verletzen, statt ihn zu schützen. Der Trainer sieht sich auch den Kofferraum und die Rücksitzbank an.

"Liegt da was drauf, was nach vorne geschleudert werden kann? Ein Handy, muss man wissen, wird bei einem Aufprall, wenn es nach vorne geschleudert wird, so schwer wie ein Backstein. Den 1. Hilfe-Koffer gucken wir uns an, Warndreieck, teilweise üben wir das Zusammenbauen, weil viele sagen, ich habe ein Warndreieck, aber wie das aufgebaut wird, weiß ich nicht. Da kommen schon lustige Geschichten bei rum."

Tabuthema: Führerschein abgeben

Nicht jede körperliche Einschränkung lässt sich ausgleichen. Das Sehvermögen zum Bespiel verschlechtert sich im Alter allmählich.

"Mir ist einer schon mal vorgekommen, der konnte nicht mehr so gut gucken. Da hat die Ehefrau gesagt, für den gucke ich mit. Wir haben uns dann geeinigt, dass das keine gute Idee ist, weiter mit dem Auto zu fahren. Der hat den Führerschein irgendwann abgegeben."

"Fahranfänger an der Spitze des Unfallrisikos"

Oft passen ältere Fahrer ihre Gewohnheiten allerdings an, stellt Ulrich Chiellino vom ADAC fest.

"Das sehen wir auch, dass Fahrer adäquat reagieren, das Fahren bei Dunkelheit vermeiden, vorausschauend fahren, die Geschwindigkeit reduzieren, das Fahren und das Trinken ganz strikt trennen. Die einzige Ausnahme bilden nach wie vor die Fahranfänger, die an der Spitze des Unfallrisikos stehen. "

Fahrfitnesschecks bieten unter anderem die Deutsche Seniorenliga, der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC an.

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