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Seit 08:00 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheTransparenz nach Art des Hauses VW 27.07.2017

Autokonzern unter VerdachtTransparenz nach Art des Hauses VW

Statt durch echte Aufklärung und uneingeschränkte Kooperation, glänze der Autohersteller VW im Abgas-Skandal bislang durch fehlende Transparenz, meint Dietrich Mohaupt. Dabei wäre die nötig um Vertrauen zurückzugewinnen.

Von Dietrich Mohaupt

Blick auf das Verwaltungshochhaus des VW-Werks in Hannover (dpa)
Kaum ein anderes Unternehmen werde im Zusammenhang mit dem Wörtchen "Transparenz" so häufig erwähnt wie VW, kommentiert Dietrich Mohaupt. (dpa)
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Transparenz – bei Volkswagen das Wort des Jahres, ach was, mindestens der vergangenen zwei Jahre. Nun ist der Konzern nicht gerade ein besonders leuchtendes Beispiel für Transparenz, aber kaum ein anderes Unternehmen wird im Zusammenhang mit dem Wörtchen "Transparenz" so häufig erwähnt wie der Autohersteller aus Wolfsburg. Nur eben leider – aus Sicht des Unternehmens – regelmäßig wegen fehlender Transparenz. Wie oft haben wir schon von geforderter und versprochener "vollumfänglicher Aufklärung" gehört, von uneingeschränkter Kooperation mit Behörden bei dem Versuch, die Puzzleteile des Skandals um die Abgasmanipulationen zusammenzusetzen. Und dann das: Bei Tests wurde jetzt auch im Porsche Cayenne mit Drei-Liter Dieselmotor eine illegale Abschalteinrichtung in der Abgasreinigung entdeckt. Verkehrsminister Dobrindt hat gleich mal ein Zulassungsverbot für Autos von diesem Typ verhängt.

Transparenz statt herumeiern

So viel zum Thema Vertrauen, dass die VW-Vorstände gerne wieder zurückgewinnen möchten – vielleicht sollte denen mal jemand sagen, dass sich dieses Vertrauen nicht gewinnen lässt, indem man möglichst häufig betont, dass man es gewinnen wolle. Also: Transparenz! Der Konzern hätte da einiges an Boden gut machen können, wenn die Verantwortlichen auf das übliche Herumeiern verzichtet hätten, als der Verdacht illegaler Kartellabsprachen mit Daimler, BMW, Audi und Porsche aufkam. Stattdessen verkündete ein Konzernsprecher, dass man ja gerne mehr sagen wolle, man dürfe aber nicht.

Jedes einzelne Wort dieser bewegenden Erklärung wirkt wie purer Hohn und Spott. Absprachen zwischen Autobauern seien weltweit üblich – und ausschließlich dafür gedacht, Kunden die Segnungen neuester Technologien schneller und preiswerter bringen zu können, als das bei aufwendigen Einzelentwicklungen möglich sei – wer’s glaubt. Da bietet dann auch der routiniert empörte Auftritt des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil als Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums von Volkswagen keinen wirklichen Trost. Medienwirksam verlangt er, dass der Aufsichtsrat künftig vollumfänglich – schon wieder dieses Wort – und rechtzeitig informiert werden müsse. Er selbst habe erst aus den Medien von dem Kartellverdacht erfahren – das sei sehr ärgerlich. Und Stephan Weil verlangt Kooperation des Vorstands mit den Kartellbehörden, eine bessere Kommunikation mit der Öffentlichkeit … also – genau, Transparenz.

Entlassung und Abfindung

Irgendwas fällt mir bei diesem Wörtchen immer ein … da war doch mal was! Transparenz … und Volkswagen … stimmt – Christine Hohmann-Dennhardt! Die war im Zuge des Dieselskandals doch in den Vorstand des Volkswagen-Konzerns berufen worden. Ihr Verantwortungsgebiet: Recht und Integrität. Laut Süddeutscher Zeitung soll sie den Aufsichtsrat schon im Jahr 2016 über mögliche illegale Kartellabsprachen informiert haben. Dass sie im Januar – nach gerade einmal einem Jahr – wieder gehen musste, und eine üppige Abfindung von angeblich mehr als zwölf Millionen Euro kassierte – na ja, Transparenz eben, nach Art des Hauses

Dietrich Mohaupt  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Dietrich Mohaupt (Deutschlandradio / Bettina Straub)Dietrich Mohaupt, geboren 1961 in Dannenberg an der Elbe und aufgewachsen in Salzgitter. Nach dem Abitur Studium der Politikwissenschaft in Bamberg. Es folgten ein Hörfunk-Volontariat in Bielefeld und – nach einer Zwischenstation beim privaten Hörfunk in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel – der Wechsel als freier Journalist zum NDR. Seit 2011 ist er als Landeskorrespondent beim Deutschlandradio tätig - zunächst in Schleswig-Holstein und aktuell in Niedersachsen.

 

 

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