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StartseiteUmwelt und VerbraucherGeschmacksverirrung durch Aromastoffe24.07.2014

BabynahrungGeschmacksverirrung durch Aromastoffe

Babys sollten mindestens bis zum vierten Monat gestillt werden, empfiehlt die Nationale Stillkommission. Danach kann zugefüttert werden. Doch in den ersten Monaten sollte auf Salz, Zucker und Aromastoffe verzichtet werden. Doch nicht alle Nahrungsprodukte für Babys verzichten darauf.

Von Anke Petermann

Ein kleines Mädchen löffelt ohne Hilfe allein und mit großem Appetit seinen Möhrenbre aus einer Plastikschüsseli. (picture alliance/dpa-Zentralbild - Hansjürgen Wiedl)
Verbraucherzentralen warnen vor "Geschmacksverirrung" durch Aromastoffe (picture alliance/dpa-Zentralbild - Hansjürgen Wiedl)
Weiterführende Information

Radiolexikon Babynahrung (Deutschlandfunk, Sprechstunde, 14.08.2012)

Vier Monate alt ist Ely ...

" ... und ich stille das Baby noch voll. Wir haben noch nicht angefangen mit Brei, das steht erst noch bevor."

Ely verpasst den Dialog über seine Ernährungszukunft, trotz sengender Hitze schläft er tief und fest im Kinderwagen.

"Erst mal kommt Gemüsebrei."

Weiter geht's frühestens vom sechsten Monat an mit Milch-Getreide-Brei, es folgt Getreide-Obst-Brei.

"Soweit es geht, koche ich es auch selbst und koch es vor in kleinen Dosen und Gläschen. Haferflocken, Obst, mildes Obst genau."

Was Ernährungsexperten empfehlen

Am besten Vollkorngetreide mit zwei Esslöffeln Obst, ersatzweise Fruchtsaft. Keine Aromen, auch nicht echte Vanille zuzusetzen, keinesfalls Zucker oder Honig, empfehlen Ernährungsexperten. Babys sollen einen Geschmack für unverfälschte Nahrungsmittel entwickeln - als Grundlage für eine gesunde Ernährung. Probieren Erwachsene vom Baby-Brei, dürfen sie ruhig den Eindruck haben, er schmecke fad. Eltern mögen glauben, dass sich die Hersteller von Baby-Fertignahrung an die Experten-Empfehlungen halten. Das jedoch ist ein Trugschluss, fanden die Verbraucherzentralen in Wiesbaden und Frankfurt beim Marktcheck im Rhein-Main-Gebiet heraus. Unter die Lupe nahmen sie die Zutatenlisten von 25 Beikost-Produkten der Marktführer in Drogerien und Biosupermärkten. Andrea Schauff:

"Zwei Drittel der Hersteller in unserem Test verwenden Aromastoffe in Baby-Beikost. Wir haben nur vier Bio-Hersteller, die gänzlich auf Aromastoffe verzichten. Fast alle - auch Bio-Hersteller - verwenden noch mal zusätzlich Süßungsmittel."

Sodass die Verbraucherschützer mit Blick auf die Zutatenlisten nur für zwei der gesichteten Produkte den Daumen heben: die Bio-Babymüslis von Holle und Alnatura nämlich. Alle anderen werden für zugesetzte Aromastoffe und Zucker abgewertet. Knappe Begründung: "fördert die Vorliebe für Süßes". Das tun auch Fruktose, Glukose, Sirup, Honig und Gerstenmalzextrakt - Daumen nach unten. Beim Aroma rangiert lieblicher Vanille-Geschmack vorn. Als Beikost bieten die Marktführer übrigens auch Produkte mit so kreativen Namen wie Milchis, Milch Minis und Jogolinos an. Andrea Schauff rät, sich von der Suggestion "gesundes Milchprodukt" nicht beeindrucken zu lassen.

"Also, so Joghurt-Erzeugnisse mit Frucht und Kinderkekse gehören unseres Erachtens auch nicht in eine Kinder-Beikost."

Packungsbeschriftung überprüfen

Auch wenn Hersteller "ab dem 8. Monat" auf die Packungen drucken. Das abgebildete Obst ist in den Baby-Joghurts teilweise nur in Spuren von 3,5 Prozent enthalten. Kostengünstiges Aroma hilft dem Geschmack nach. Das laut Packungsaufschrift auf einem Babyjoghurt Aprikose zugesetzte "natürliche" Aroma, wird nicht aus Aprikosen gewonnen, stellt Andrea Schauff klar, sondern mithilfe von Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen aus natürlichen Ausgangsstoffen. Es erinnert vage an Aprikose, und leitet den Geschmackssinn des Babys in die Irre. Aromastoffe fördern früh die Vorliebe für hoch verarbeitete aromatisierte Fertigprodukte, kritisieren die Verbraucherschützer. Das forciert vorhandene Probleme mit Fehlernährung und Übergewicht bei Kindern.

"Wir fordern den Gesetzgeber auf, Aromastoffe und auch Süßungsmittel in Baby-Beikost, in Säuglingsnahrung, in Kinderprodukten zu verbieten."

Vorbeugender Gesundheitsschutz müsse die Devise sein, verlangen die Verbraucherzentralen. Otto, Elys großer Bruder, kann sich nicht mehr daran erinnern, was er als Baby am liebsten mochte. Seine Mutter schon.

"Was er am liebsten mochte tatsächlich, war Süßkartoffelbrei. Das war Nummer eins vor allen anderen Dingen. Das gibt's auch gar nicht im Gläschen."

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