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StartseiteFirmenporträtRent a Lok11.08.2017

Bahn-VermieterRent a Lok

Die letzten verbliebenen Konkurrenten der Bahn auf der Schiene haben es oft schwer. Demonstrativ optimistisch gibt sich dagegen das Bahn-Unternehmen SRI Rail. Die von einem Bahn-Freak gegründete Firma vermietet Loks und Waggons, die zuvor mit Investorengeldern gebraucht gekauft wurden.

Von Alexander Musik

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Ein Zug des Crowdfunding-Unternehmens Locomore steht am  Hauptbahnhof in Stuttgart  (dpa)
Die Insolvenz von Locomore hat SRI Rail Invest zwar einen Kunden gekostet - doch der Verleiher lässt sich davon nicht aus der Bahn werfen (dpa)
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Mit Simon Scherer, Geschäftsführer von SRI Rail Invest, trifft man sich am besten am Bahnhof. Scherer ist oft mit dem Zug unterwegs - vom Sitz seiner Firma im Schwäbischen und neuen Investoren oder er schaut sich an, wie es den ausgemusterten Waggons der Österreichischen Bundesbahnen so geht, die er in einer Werkstatt in Bukarest herrichten ließ, weil das deutlich billiger war als in Deutschland. SRI Rail Invest hat er 2010 gegründet. Neben Scherer gibt es da einen Flottenmanager in Chemnitz, einen Waggonmanager in München und einen Mitarbeiter für Finanzen und Controlling. Scherer, 42 Jahre alt, wollte schon immer mit Eisenbahnen zu tun haben:

"Haben mir aber alle ausgeredet, so nach dem Motto, nachts kommst du nicht heim, und Wochenende musste auch arbeiten, findest du mal keine Frau, ist alles nix, lern lieber was Gescheites. So, dann hab ich mich zunächst für eine Ausbildung bei der Bank entschieden und bin dann über Umwege am Ende doch wieder dahin gekommen, wo mein Herz sozusagen schlägt und hab dann auch nebenberuflich eine Ausbildung zum Lokführer gemacht, damit ich weiß, wovon ich rede. Weil, wer anschafft, muss auch wissen, was er denn von sich gibt."

SRI Rail Invest hat ein gutes Dutzend Kunden, Eisenbahn-Unternehmen, die kurzfristig Fracht zu transportieren haben. Die Loks kann man bei Scherer auch wochenweise mieten. Seine Flexibilität ist sein Trumpf. Auf der Firmenhomepage lässt sich nachschauen, zu wie viel Prozent die Loks jede Woche im Einsatz sind: in der Regel steht da: 100 Prozent. Gut gewartet, sind Loks robust und zuverlässig.

Simon Scherer kommt auf die, wie er sagt, Ungleichbehandlung der Eisenbahn zu sprechen.

"Der Fernbus nutzt die Autobahnen umsonst, nutzt die Stationen zum Großteil kostenfrei, während die Bahn jeden Kilometer abdrücken muss, jeden Halt, jeden Meter, wo Bahnsteig beansprucht wird, wird Geld verlangt. Und die Busbetreiber nutzen alles gratis!"

Fasziniert von der Kraft und Eleganz, älterer Loks

Dafür laufe die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn gut, man werde auch als kleiner Anbieter ernst genommen, betont Scherer. Und die Bundesnetzagentur sorge dafür, dass SRI Rail Invest oder andere private Anbieter nicht diskriminiert werden, was die Trassenpreise oder die Einbindung in den DB-Fahrplan betrifft. Auch dass er jetzt als Externer Aufträge an DB-Werkstätten vergeben kann, mache alles einfacher, sagt Scherer. Vor 15 Jahren war das noch undenkbar. Damals hatte er seine eigene Werkstätte.

"Es gab gar nicht die Frage 'make or buy', sondern man hat sich das alles selber ans Bein gebunden, diese Firma habe ich 2009 verkauft, 2010 die SRI neu gegründet, dann die Strukturen weiterhin genutzt, die ich dort hatte."

Simon Scherer schaut gerne mal einem Güterzug hinterher wie hier am Bahnhof von Aschaffenburg. Er könnte ja von einer Lok von ihm gezogen werden. Scherer ist fasziniert von der Mischung aus Kraft und Eleganz, die besonders die älteren Loks noch ausstrahlten.

Bevor es zu seinem nächsten Termin geht, bleibt ihm noch Zeit für einen Kaffee. Simon Scherer ist etwas bedrückt, stellt sich heraus, weil ein guter Kunde kürzlich Konkurs anmelden musste. Das Unternehmen "Locomore", das der DB im Personenverkehr auf der Strecke Stuttgart-Berlin Konkurrenz machen wollte, hat nämlich schon nach wenigen Monaten wieder aufgegeben. "Locomore" fuhr mit eben den Waggons, die Scherer gerade in Rumänien herrichten ließ und die nun buchstäblich auf dem Abstellgleis stehen. Doch Simon Scherer ist nicht der Mann, den das aus der Bahn werfen würde. Er glaubt an die Eisenbahn als umweltfreundliches und langlebiges Transportmittel und bedient diese Nische im liberalisierten Markt, gerade weil es so wenig andere tun.

"Man muss die Früchte säen, um sie auch ernten zu können, bei uns gibt es keine Anlagen für ein Monat oder für ein Jahr, und dem entsprechend gibt's auch schon nach dem einen Jahr eine Verzinsung, egal wie gut's läuft, gibt es zwei bis drei Prozent Mindestverzinsung und on top gibt's Gewinnbeteiligung. Wenn's gut läuft, gibt's mehr, wenn's schlecht läuft, gibt's im worst case gar nix. Mit gewissem Stolz kann ich natürlich sagen, dass wir's bisher immer geschafft haben, auch die Gewinnbeteiligung auszubezahlen."

Ein bis zwei Millionen für eine 40 Jahre  alte Lok

20 Geldgeber investieren in den Fuhrpark der kleinen Firma. Mindesteinsatz: 10.000 Euro, die für fünf Jahre angelegt werden müssen. Vier Millionen Euro kostet eine neue Lok mit 10.000 PS. Und eine gebrauchte auch noch nach 40 Jahren eins bis zwei Millionen.

"Da ist dann der positive Nebeneffekt, dass man jedem unserer Investoren auch sagen kann: Dein Geld steckt in der grünen Lok, deins in der blauen Lok, und die ist gerade heute hier oder dort, die haben dann auch die Zugangsdaten und können gucken, wo ihr Geld gerade für sie arbeitet."

Das können sie per GPS-Ortung, mit der alle Loks ausgestattet sind. Das System hat Scherer vom LKW-Fuhrparkmanagement übernommen. Im Schienenverkehr Geld verdienen ist nicht einfach, das geht nur mittelfristig und mit bescheidenem Zinssatz.

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