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StartseiteUmwelt und VerbraucherMehr Vorteile durch neues Bahnkonzept?12.02.2016

Bahnverkehr Baden-WürrtembergMehr Vorteile durch neues Bahnkonzept?

Mehr Komfort, weniger Zugausfälle und geringere Kosten: Baden-Württemberg will durch ein europaweites Vergabeverfahren für seine Bahnstrecken den ÖPNV rentabler und kundenfreundlicher gestalten. Für das Bahnnetz rund um Stuttgart ist die Streckenvergabe bereits abgeschlossen. Die Deutsche Bahn hatte dabei jedoch das Nachsehen.

Von Uschi Goetz

Eine Reisende sitzt am Stuttgarter Bahnhof. (dpa / picture alliance / Klaus RoseWolfram Kastl)
Künftig sollen in Baden-Württemberg mehr Privatbahnen für mehr Komfort sorgen. (dpa / picture alliance / Klaus RoseWolfram Kastl)
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Das Geld ist knapp und doch war es das Ziel des Landes, bessere Leistungen für die Fahrgäste des Regionalverkehrs zu bekommen. So kam das Verkehrsministerium auf die Idee, die Bahn-Strecken im Land in 17 einzelne Netze aufzuteilen und die Netze europaweit auszuschreiben.

Für die sogenannten Stuttgarter Netze ist das Ausschreibungsverfahren bereits gelaufen, die Bedingungen stellte dabei das Land. Winfried Hermann, grüner Verkehrsminister in Baden-Württemberg:

"Man musste Neufahrzeuge anbieten. Diese Neufahrzeuge mussten auch dem neuen Stand dessen entsprechen, was man im Nahverkehr heute anbieten muss, damit man wir mehr Kunden bekommen, wir wollen ja mehr Menschen in den ÖPNV bringen. Zu diesen neuen Bedingungen gehört, dass die voll klimatisiert sind, dass sie WLAN-Anschluss haben, und zwar kostenlos, dass sie einen Mehrzweckbereich haben, wo Rollstühle und Fahrräder besser mitgenommen werden können, dass sie im Landesdesign erscheinen, und zwar außen wie innen, egal, wer da fährt."

Ein sensationelles Ergebnis

Den Zuschlag für die in drei Gebiete aufgeteilten Stuttgarter Netze hat zum einen Abellio Rail Südwest bekommen, der Hauptsitz des Unternehmens ist in den Niederlanden. Zwei Gebiete gehen an das britische Unternehmen Go Ahead. Durch das neue Vergabeverfahren spart das Land rund 75 Millionen Euro.

"Es hat nicht nur der Wettbewerb funktioniert, sondern man kann sagen, in Euro ausgedrückt, ein sensationell gutes Ergebnis, ein sensationell gutes Ergebnis. Und nicht nur das, wir haben auch einen absolut überraschenden Gewinner, zwei überraschende Gewinner."
Abellio Rail Südwest und Go Ahead werden künftig Endpunkte des Stuttgarter Netzes, wie zum Beispiel Mannheim, Tübingen, Ulm, Karlsruhe oder Würzburg anfahren.

Neue Rand- und Rahmenbedingungen

Die Vergabe von Teilnetzen sei durchaus üblich, sagt Prof Ullrich Martin, Direktor des Instituts für Eisenbahn- und Verkehrswesen an der Universität Stuttgart. Neu sind die verschiedenen Rand- und Rahmenbedingungen im Ausschreibungsverfahren der Baden-Württemberger:

"Ich sehe das als einen sehr interessanten, verfolgenswerten Versuch, dieses Gesamtkonstrukt, der wettbewerblichen Vergabe von öffentlichen Leistungen im ÖPNV weiterzuentwickeln."

Kritisch sieht Martin die künftige Tarifgestaltung durch verschiedene Anbieter. Bislang könne man aus einem ausgefallenen IC mit einer Fahrkarte in einen Regionalzug der Bahn umsteigen. Bei privaten Unternehmen könnte das schwieriger werden, meint der Experte. Auch hätten private Anbieter im Vergleich zur Bahn nicht so viele Fahrzeugreserven:

"Und es gab dann auch schon Fälle, in anderen Bundesländern, wo Personale ausgefallen sind, dieser Unternehmen, oder auch Fahrzeuge ausgefallen sind, das muss gar nicht durch die Schuld von Unternehmen sein."

Fahrgäste profitieren vom neuen Vergabeverfahren

Viele Unfälle an Bahnübergängen führten bis heute häufig zu Ausfällen von Zügen. Wie die Privaten das lösen, müsse die Praxis zeigen. Neben neuen und komfortableren Zügen profitieren allerdings Fahrgäste vor allem durch das neue Verfahren. Die eingesparten rund 75 Millionen sollen künftig in den Ausbau weiterer Strecken in Baden-Württemberg fließen. Landesverkehrsminister Winfried Hermann:

"Und da haben wir auch schon Entscheidungen getroffen. Ob das jetzt der Ausbau der Breisgau- S-Bahn ist oder Ausbau der Rhein-Neckar- S-Bahn, wir haben im Prinzip schon damit gerechnet, dass wir weniger Geld im Stuttgarter Netz brauchen, um diese Ausbaumaßnahmen in anderen Bereichen zu machen."

Immer häufiger zieht dabei die Bahntochter bei Vergabeverfahren den Kürzeren. Bundesweit werden noch etwa 70 Prozent des regionalen Schienennetzes von der Bahn bedient.

Deutsche Bahn hat immer häufiger das Nachsehen

Im Fall des baden-württembergischen Verfahrens kam die Bahn auch nicht zum Zug, weil sie laut Verkehrsministerium einen Formfehler begangen hatte. Allerdings will die Bahn das nicht hinnehmen und geht juristisch gegen das Land vor. Mittlerweile ist der Fall vor der Karlsruher Vergabekammer gelandet. Noch im Februar will die Kammer entscheiden, ob der Ausschluss der Bahn bei diesem Verfahren rechtens war oder nicht.

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