Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteForschung aktuellWie die Darmflora Fettleibigkeit beeinflusst09.06.2016

Bakterien als Dickmacher?Wie die Darmflora Fettleibigkeit beeinflusst

Darmflora und Fettleibigkeit – beides hat miteinander zu tun. Das haben Studien bereits gezeigt. Welche Rolle Mikroben genau dabei spielen – mit dieser Frage taten sich Wissenschaftler bislang schwer. In "Nature" beschreiben Forscher nun konkret, wie Darmbakterien die Entstehung von Fettleibigkeit bei Mäusen beeinflussen.

Claes Wollheim im Gespräch mit Lennart Pyritz

Seitenansicht eines nackten adipösen Menschen. Das Bild zeigt die Hälfte des Rücken im Anschnitt, von der Schulter bis zum Becken mit einem ausgestreckten Arm. (imago/Xinhua)
Seitenansicht eines adipösen Menschen. (imago/Xinhua)
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Lennart Pyritz: In der Studie wurde gezeigt, dass Bakterien im Nagerdarm auf Fettreiches Essen reagieren indem sie mehr Acetat produzieren. Was spielt sich dabei ab?!!

Claes Wollheim: Das Acetat wird durch die Fermentierung in den Bakterien gebildet. Und zwar in höherem Maße bei Tieren oder Menschen die eine hochkalorische, also Fettreiche, Ernährung haben. Das Acetat wird durch die Darmwand aufgenommen und gelangt über das Blut ins Gehirn. Im Gehirn bewirkt dieses Acetat eine Stimulierung des parasympathischen Nervensystems. Und zwar des Vagusnerves. Und der steuert viele Reaktionen im Körper, wie die Herzfrequenz oder zum Beispiel die darmperistaltik. Und der Vagusnerv stimuliert auch die Ausschüttung von zwei Hormonen: Ghrelin  in der Bauchschleimhaut und Insulin aus dem Pankreas. Das gesteigerte Insulin bewirkt dann eine Ansammlung von Fett in den Fettzellen und dadurch steigt das Körpergewicht.

Pyritz: Lassen sich die Ergebnisse von den Nagern auf den Menschen übertragen?!!

Wollheim: Man weiß, dass Insulin bei Menschen  zu erhöhtem Körpergewicht führt. Wenn man einen Diabetiker auf Insulin umsetzt nimmt da Gewicht immer zu. Zu viel Insulin ist immer gefährlich für die normale Regulierung des Körpergewichts.

Pyritz: Das heißt es gibt Anhaltspunkte, dass das auf Menschen Übertragbar ist?!!

Wollheim: Absolut. Man weiß natürlich nicht genau, ob Acetat bei übergewichtigen Menschen im Blut erhört ist. Aber man weiß: Übergewichtige haben ein verändertes Profil an Darmbakterien.

Pyritz: Eröffnet denn diese Studien neue Ideen oder Perspektiven für die Therapie von Fettleibigkeit? Wie könnte dieser Kreislauf aus fettreichem Essen und dann wieder verstärktem Hungergefühl unterbrochen werden? !!

Wollheim: Wenn man beim Menschen nachweisen kann, dass Acetat im Blut involviert ist, dann kann man versuchen die Steigerung des Acetats im Blutes zu verhindern. Entweder, dass man diese spezifischen Bakterien die mehr Acetat bilden bei den fettsüchtigen Individuen zerstört. Oder, dass man das Acetat, dass bereits produziert ist durch enzymatische Prozesse zerstört.

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