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StartseiteCampus & KarriereBald geht es um die Wurst20.01.2006

Bald geht es um die Wurst

In der Exzellenzinitiative des Bundes fällt eine wichtige Vorentscheidung

Deutsche Universitäten sollen zu Leuchttürmen der internationalen Forschungslandschaft werden, so das Ziel der Exzellenzinitiative des Bundes. Aus dem Programm sollen ab Jahresende 1,9 Milliarden Euro an ausgewählte Hochschulen fließen. Mit der Auswahl sind sowohl die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) als auch der Wissenschaftsrat betraut, die am Freitagabend eine erste Vorentscheidung bekannt geben wollen.

Von Antje Allroggen

Viele Hochschulen hoffen auf einen Teil der insgesamt 1,9 Milliarden Euro Fördergelder. (AP)
Viele Hochschulen hoffen auf einen Teil der insgesamt 1,9 Milliarden Euro Fördergelder. (AP)

Wenn Anne Lipp aus ihrem Fenster schaut, hat sie einen unverbauten Blick auf die hügelige Landschaft des Bonner Kottenforstes. Doch zum In-die-Ferne-Schweifen fehlt Anne Lipp schon seit langem die Zeit. Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft koordiniert sie die Exzellenzcluster - einer der drei Förderungsbereiche, um die es bei der Exzellenzinitiative geht. Damit sollen Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in ihrem Vorhaben unterstützt werden, sich zu effizienten Forschungsverbünden zusammentun. Insgesamt können 30 solcher Cluster mit Hilfe der Exzellenzinitiative gefördert werden. 157 Bewerbungen sind allein für diesen Bereich bei der DFG eingegangen. Doch nur wenige von ihnen haben eine Chance, im Wettbewerb weiter zu kommen, meint Anne Lipp:

" Unser Eindruck war, dass das Feld an den Hochschulen unterschiedlich vorbereitet war. Es gab Antragsteller, bei denen klar wurde, dass sie dieses Potential der Exzellenzcluster erkannt haben und darauf vorbereitet waren, diese Möglichkeiten zu nutzen. Bei anderen scheint eher die Vorstellung vorherrschend gewesen zu sein, dass es darum geht, drei große Sonderforschungsbereiche zusammen zu schließen."

Auch für die anderen beiden Bereiche Graduiertenschulen und Zukunftskonzepte - damit sind Konzepte gemeint, um eine Hochschule zu einer Spitzenuni auszubauen - gab es insgesamt knapp 150 Bewerbungen. Das ist alles, was bislang offiziell aus der DFG-Zentrale über den ersten Ausgang der Exzellenzinitiative zu hören ist. Darüber hinaus hüllt man sich in eisernes Schweigen.

" Ich muss Sie leider um Verständnis dafür bitten, dass ich dazu zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen machen kann."

Aber einige Journalisten waren fleißig und fanden durch mühsame Recherchen heraus, welche Hochschulen derzeit im Rennen sind: Aus Baden-Württemberg sind demnach sieben Bewerbungen für den Bereich Spitzenuniversität eingegangen, aus Bayern vier. Den Recherche zufolge sind die übrigen Bundesländer deutlich schwächer vertreten. Freiburg, Heidelberg, Kostanz und die TU München, die Berliner Humboldt-Uni sowie die Universität Göttingen und die RWTH Aachen gehören unter anderem zu den Anwärtern. Mehr ist bislang nicht bekannt. Nur die Tatsache, dass bei den einzelnen Hochschulen die Nervosität zunimmt, bei der ersten Auswahlrunde wider Erwarten vielleicht doch nicht dabei zu sein. Die Uni Heidelberg entschied sich dafür, ihre Kandidatur selber öffentlich bekannt zu geben - wohl mit der Hoffnung, dass dieser Schritt in irgendeiner Weise die Entscheidungsfindung beeinflussen könne.

Ansonsten ist von offizieller Seite nur zu hören, dass alle Fachbereiche innerhalb des Exzellenzwettbewerbs gut vertreten seien. Anne Lipp:

" Wir waren sehr angenehm überrascht von der hohen Zahl an Antragsskizzen aus den Geisteswissenschaften. Die liegt nämlich bei einem Viertel der Anträge."

Darauf ist die DFG besonders stolz, denn im allgemeinen wird der Deutschen Forschungsgemeinschaft immer wieder vorgeworfen, die Geisteswissenschaften bei der Förderung von Drittmitteln im Vergleich zu anderen Disziplinen zu vernachlässigen. Auch einer anderen Kritik begegnet man vonseiten der DFG und des Wissenschaftsrates mit Widerspruch: Wer den Titel Eliteuniversität bekomme, würden einzig und allein namhafte internationale Wissenschaftler entscheiden - keine Politiker. Max Einhäupl, Vorsitzender des Wissenschaftsrats:

" Dieser Prozess ist ein völlig neuer Prozess, in dem die Politik überhaupt keine Rolle spielen kann. Es gibt einen so genannten mandatierten Ausschuss, der ausschließlich aus Wissenschaftlern besteht, in dem kein Politiker Platz genommen hat. Und dieser mandatierte Ausschuss wird mit externen Gutachtern, die aus dem internationalen Bereich rekrutiert wurden, die Auswahl treffen. Es findet kein Einfluss der Politik von irgendeiner Stelle statt."

Heute Abend werden nun endlich Tatsachen geschaffen und die Namen der Hochschulen bekannt gegeben, die im Wettbewerb weiterhin dabei sein werden. Dann geht der Wettbewerb in die nächste Runde. Bis Ende April wird es noch einmal eine zweite Bewerberrunde geben, bevor im Oktober endlich entschieden werden soll, welche Hochschule sich künftig Spitzenuniversität nennen darf und welche nicht.

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