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StartseiteComputer und KommunikationBarrierefreiheit als Geschäftsmodell11.12.2010

Barrierefreiheit als Geschäftsmodell

30 Internetauftritte haben sich der BIENE-Jury gestellt

Internet.- Bereits seit sieben Jahren zeichnet der sogenannte BIENE-Award deutsche Webseiten für ihre herausragende Barrierefreiheit aus. Zu den sechs Goldgewinnern gehört in diesem Jahr auch das Webangebot von DRadio Wissen.

Von Wolfgang Noelke

Bei DRadio Wissen lobte die Jury speziell die ausführlichen Bilderklärungen für blinde und sehbehinderte Besucher der Website.  (Stock.XCHNG / Daniel V.)
Bei DRadio Wissen lobte die Jury speziell die ausführlichen Bilderklärungen für blinde und sehbehinderte Besucher der Website. (Stock.XCHNG / Daniel V.)

"Für den gelungenen Auftritt der Stiftung Lebenshilfe Duisburg nehmen die Stammtisch-Leute eine BIENE in Gold mit nach Hause"

Acht Webdesigner des mehr als 70 Mitglieder zählenden "Best Practices Stammtisch Essen" hatten eine Idee: Ehrenamtlich den Webauftritt einer sozialen Einrichtung zu realisieren, mit dem Ziel, eine BIENE zu gewinnen. Die BIENE gilt nach inzwischen sieben Jahren als beste Referenz, für gutes Webdesign, weil die Kriterien des BIENE-Awards noch etwas härter bemessen sind, als die sogenannten WCAC-Richtlinien für barrierefreie Webinhalte. Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch, die gemeinsam mit der Stiftung Digitale Chancen für den Wettbewerb verantwortlich ist:

"Das ist ja auch das Beispielgebende, das wir durch diesen Wettbewerb erreichen wollen, dass man sehen kann, welche Seiten sind gut. Dann kann man sich die Seiten ja mal ansehen. Und es gibt natürlich auch die Möglichkeit, bei den jeweiligen Designern sich zu informieren und insofern entsteht durch diesen Wettbewerb und dadurch, dass einige Leute auch jährlich hier sind, mit immer wieder neuen Ideen, entsteht auch so etwas, wie eine Community von Leuten, die am Thema Barrierefreiheit Interesse haben und sich auch gegenseitig informieren und austauschen."

Genauso sammelten sich um Sandra Kallmeyer in Essen die Webstammtischmitglieder zum Biene-Projekt:

"Der größte Knackpunkt war, wie verteilen wir uns? Also wir waren dann acht Personen, die tatsächlich als Kerngruppe vom Stammtisch gesagt haben, 'Wir machen dieses Projekt'. Jetzt sind wir natürlich alle freie Webentwickler oder in Agenturen und eigentlich decken wir sehr viele Bereiche ab und die erste Aufgabe war, wer macht jetzt was? Das hieß, auch mal ein bisschen Verantwortung abzugeben an die Kollegen, auch zu vertrauen, dass die anderen auch ordentliche Arbeit machen. Wir haben zuerst das Design etwas überarbeitet, dann haben wir die HTML- Umsetzung gemacht, dann wurde das Ganze auf ein Content Management System übertragen , wir haben dann die verschiedenen Wai Aria-Sachen eingesetzt, speziell für das Spendenformular. Am Ende sind wir dann hingegangen, als alles soweit fertig war und haben zunächst nach der WCAG 2.0 alles abgeprüft und zusätzlich nochmal unter den BIENE- Kriterien. Beides unterscheidet sich nochmal ein bisschen."

Diese strengen Kriterien erfüllten 21 Webauftritte, von insgesamt 30 nominierten: Sieben gewannen die Biene in Bronze, achtmal gab es Silber. Zu den sechs Goldgewinnern gehört auch das Webangebot von DRadio Wissen. Hier lobte die Jury speziell die ausführlichen Bilderklärungen für blinde und sehbehinderte Besucher der Website, die von Beginn nach BIENE- Kriterien barrierefrei entwickelt wurde. Gleich mehrsprachig präsentiert sich die Website "Einfach teilhaben" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, betreut von Jana Oberth:

"Es gibt einmal die normale Alltagssprache, es gibt die deutsche Gebärdensprache und es gibt den Auftritt in 'leichter Sprache'. Das ist ein dreifacher Ansatz, den ich so nirgendwo gesehen hab. "Einfach Teilhaben" probiert auch viel aus mit Gebärdensprach-Avataren und ist da auch wirklich Vorreiter."

In den Agenturen wird Barrierefreiheit noch größtenteils ignoriert. Ein Fehler, den Unternehmen langfristig mit schleichendem Kundenverlust bezahlen werden, meint Sandra Kallmeyer vom Essener 'Best Practices- Stammtisch':

"Alle wollen in 20 Jahren das Internet noch bedienen können. Ich bin jetzt 40 Jahre alt. Mit 60 bin ich vielleicht nicht mehr so fit und möchte vielleicht... Vielleicht habe ich Parkinson oder irgendwas und es fällt mir schwer, eine Maus zu bedienen. Man kann nicht einfach sagen, es sind nur die Behinderten, für die man arbeitet. In die Agenturen ist das leider nicht durchgedrungen, zum großen Teil. Wenn ich eine Message sagen sollte, dann wäre das auf einen Satz reduziert: Wir machen heute das Internet für unser zukünftiges Selbst. Wir wollen in mehreren Jahren im Internet noch fröhlich unterwegs sein, chatten und twittern und facebook nutzen und alles Mögliche. Und daher muss es barrierefrei sein."

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