Corso / Archiv /

 

"Baut den Palast der Republik wieder auf!"

Thomas Pigor singt das Chanson des Monats Juni

Bricht eine Lanze für den Palast der Republik: Thomas Pigor (Thomas Pigor)
Bricht eine Lanze für den Palast der Republik: Thomas Pigor (Thomas Pigor)

Am 12. Juni ist es so weit: In Berlin wird der Grundstein für den Neubau des Berliner Schlosses gelegt. Für den Liedermacher und Kabarettisten Thomas Pigor kein Grund zum Feiern. Anstelle von historischem Kitsch fordert er den Palast der Republik zurück.



Thomas Pigor ist ein deutscher Kabarettist, Liedermacher, Buchautor und Komponist. Seit Ende der 1970er-Jahre ist er als Musikkabarettist mit verschiedenen Bühnenprogrammen unterwegs. Seine Texte beziehen sich vorzugsweise auf aktuelle Ereignisse und er gilt als einer der Erneuerer des deutschen Chansons.

Baut den Palast der Republik wieder auf!
Text und Musik: Thomas Pigor

Wegen Schinkel kam noch kein Tourist nach Berlin
Die wolln hier alle nachts um die Häuser ziehn
Die wollen kucken ob noch irgendwo die Mauer steht
Und ob hier wirklich der vielzitierte Zeitgeist weht
Man lockt doch niemand hinterm Ofen hervor
Mit den doofen Droschken am Brandenburger Tor!

Baut den Palast der Republik wieder auf
Das wär die absolute Härte
Baut den Palast der Republik wieder auf
Das sag ich als Tourismusexperte
Das wär der absolute Hammer für Berlin
Und schickt die Droschken zurück nach Wien!

Der verspätete Triumph der alten kalten Krieger
Schlossneubau heisst die Ästhetik der Sieger
Denn alles was für die die DDR repräsentiert
Gehört in deren Augen ausradiert
Die Mauer ein Symbol für die Teilung weltweit
Bekannt, abgetragen nach kürzester zeit
Wie der Palast der Republik trotz Protesten
Von den Politsaubermännern aus dem Westen
In ihrer biedermännischen Geschichtsvergessenheit
In ihrer westberliner Droschkenseligkeit
Liessen sie die Abrissbirnen bollern
Und was haben sie zu bieten? Hohenzollern!

Baut den Palast der Republik wieder auf
Berlin ist die Stadt der Moderne
Baut den Palast der Republik wieder auf
Und hängt den Schinkel an die Laterne!

Mit seim historischen Zentrum also Bitte
Macht doch Berlin numma wirklich keine Schnitte
Und das ewige Bohei um Schinkels Stil
Das kommt nicht ran an Paris oder Dinkelsbühl !

Klar das Brandenburger Tor und klar die Museen
Und was von Schinkel steht, lasst es meinetwegen stehn
Aber ein Schlossneubau das ist Disney-like
Wer sowas sehn will, der soll nach Braunschweig!
Das 20. Jahrhundert - die Teilung der Stadt
Das 21. Jahrhundert - was es zu bieten hat
Weiss man noch nicht - der grösste Schatz
Im Zentrum von Berlin ist der Platz
Und es ist tragisch dass man jetzt
Diesen Platz mit historischem Kitsch besetzt

Baut den Palast der Republik wieder auf
Was hat´n Schloss auf´m Schlossplatz verloren?
Baut den Palast der Republik wieder auf
Kein Hohenzollerparadies für Senioren!

Ich weiss es ist zu spät der Beschluss ist gefasst
Doch in Stuttgart ham sie die Fristen doch auch verpasst
Berlin 21 klingt gut und wenn der Bund
Kalte Füsse kriegt oder der Berliner Untergrund
Der Sumpf mitspielt und wenn es gut läuft
Und die Schlossbaustelle dauernd absäuft
Und die Fertigstellung rückt in weite Ferne
Dann modern Pfähle für die Moderne
Dann fordert die Avantgarde der Kritik
Den Palast der Republik zurück!

Baut den Palast der Republik wieder auf
Oder baut irgendetwas Intressantes
Baut den Palast der Republik wieder auf ,
Oder baut gar nicht und setzt auf Unbekanntes
Für die Zukunft des Zentrums von Berlin
Gibt es vielleicht noch andre Phantasien
Als in den nächsten hundert Jahrn
Immer wieder mit der Droschke ins Völkerkundemuseum zu fahrn

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Corso

LoneLady aus ManchesterUnruhe als Antrieb

Julie Ann Campbell alias LoneLady aus Manchester. (ALAIN JOCARD / AFP)

Die Musik von Julie Ann Campbell alias LoneLady aus Manchester lebt von den Gegensätzen. Sie will Musik dekonstruieren wie früher Industrial-Bands wie Throbbing Gristle - um am Ende doch wieder eine Harmonie zu finden. Ihr neuer Dekonstruktions-Harmonie-Entwurf heißt "Hinterland".

Hip-Hop von Young FathersWieder Preisverdächtig

Das Hip-Hop-Trio Young Fathers aus Edinburgh wurde im vergangenen Jahr mit einem der renommiertesten Musikpreise der Welt - dem Mercury Prize - für ihr Album "Dead" ausgezeichnet. Und auch auf ihrem neuen Album "White Men Are Black Men Too" drehen und dehnen sie den Hip-Hop wieder preisverdächtig in alle möglichen Richtungen.

Corsogespräch Mit Härte gegen den Pop

In den 90ern zählten The Prodigy zu den Pionieren der britischen Electronica-Szene und standen für laute, harte Beats, minimalistische Texte und eine lupenreine Punkrock-Attitüde. Ihr neues Album "The Day Is My Enemy" ist ein ungenierter Seitenhieb auf die Dance-Musik der Neuzeit - auf Superstar-DJs und Live-Sets aus der Konserve. Eine Entwicklung, für die Mastermind Liam Howlett kein Verständnis hat.

Max-Ophüls-Vortrag auf CD Alte Rede mit visionärer Kraft

Der deutsch-französische Regisseur Max Ophüls - aufgenommen im Jahr 1952. (dpa - Bildarchiv - Kurt Rohwedder)

Max Ophüls wirkte in Deutschland, Frankreich und sogar Hollywood. Doch der Theater- und Hörspiel-Regisseur wurde nicht freiwillig ein Wanderer zwischen den Welten. Die Nazis trieben ihn ins Exil. 1956 hielt er vor der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft einen Vortrag über den Film. Trotz ihres Alters ist die Rede beachtlich aktuell. Nun gibt es das Tondokument als Audio-CD.

Is was!? Der satirische Wochenrückblick

Corsogespräch mit Stephan Orth Über Couchsurfen im Iran