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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Übernahme mit Risiken04.06.2018

Bayer und MonsantoEine Übernahme mit Risiken

Lohnt sich Bayers Übernahme der Agrar- und Biotech-Firma Monsanto? Schließlich sei der Kauf nicht nur teuer und die Risiken beträchtlich, kommentiert Klemens Kindermann - mit der Entstehung eines neuen Agrar-Oligopolisten gehe es um nicht weniger als die Zukunft der Welternährung.

Von Klemens Kindermann

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Demo gegen die Fusion von Bayer und Monsanto in Bonn (Patrik STOLLARZ / AFP)
Demo gegen die Fusion von Bayer und Monsanto in Bonn: Die Übernahme hat viele Gegner. (Patrik STOLLARZ / AFP)
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Wenn das mal gut geht: Zwar wird heute in Leverkusen gefeiert, dass Genehmigungen und Geld für den Kauf von Monsanto da sind. Dass also der größten Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland nun nichts mehr im Wege steht. Aber die Liste der Fragezeichen ist beunruhigend lang.

Erstes Risiko: Die Übernahme könnte für Bayer zu teuer sein. Der Kaufpreis ist bereits deutlich höher als zu Beginn der Verhandlungen vor zwei Jahren gedacht. Kapitalerhöhung und Verschuldung werden die Kräfte des Unternehmens beanspruchen.

Zweites Risiko: Die Synergien durch die Fusion könnten deutlich geringer ausfallen als gedacht. Noch niemals in der Wirtschaftsgeschichte der USA sind einem Auslandskonzern schärfere Kartell-Auflagen gemacht worden. Bayer muss Unternehmensteile für neun Milliarden Dollar abstoßen, vor allem das starke Saatgutgeschäft. Das schmälert Synergie-Effekte deutlich.

Trotz Umbenennung – Bayer kauft das Glyphosat-Image mit

Drittes Risiko: Die jetzt anstehende Integration. Die wird nicht dadurch gelingen, dass Bayer – wie heute angekündigt – den Namen Monsanto streicht und damit vielleicht die Erinnerung an "DDT" oder "Agent Orange". Glyphosat, genveränderte Pflanzen – all dies ist jetzt das Thema des Bayer-Konzerns, der sich bisher vor allem mit Aspirin und Mitteln gegen Bluthochdruck beschäftigt hat.

Hinzu kommen die Mitarbeiter: Wie umgehen mit hemdsärmeligen Amerikanern, die erst einmal etwas ausprobieren, bevor sie an die Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen in der EU denken? Die letzte transatlantische "Hochzeit im Himmel" zwischen den Autobauern Daimler und Chrysler scheiterte nach nur neun Jahren kläglich – vor allem wegen der nicht gelungenen Integration der Unternehmenskulturen.

Es geht um die Zukunft der Ernährung der Welt

Doch bei Bayer und Monsanto geht es nicht um Autos, sondern um die Zukunft der Ernährung der Welt. Dass die Ackerfläche für die wachsende Weltbevölkerung proportional immer weiter zurückgeht, reklamiert Bayer auf bunten Schautafeln – auch heute wieder – als Argument für effizientere Produktion. Aus Sicht von Verbrauchern und Kleinbauern gehörten noch Schaubilder von Saatgut- und Pestizidketten dazu, denen sie wegen der Oligopole in der Ernährungsindustrie immer mehr ausgesetzt sein werden.

Im guten Fall gelingt die Bayer-Monsanto-Fusion und das Unternehmen setzt seine Forschung dazu ein, ertragreiche Sorten ressourcenschonend und unter weniger Gifteinsatz zu produzieren. Im schlechten Fall scheitert die Fusion und es ist mit noch stärkeren Marktkonzentrationen weltweit zu rechnen – zu Lasten von Verbrauchern und Landwirten. Also: wenn das mal gut geht. 

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

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