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BDA verlangt klügere Dreijährige

Arbeitgeber wollen Kitas zu Bildungseinrichtungen umformen

Von Philipp Banse

Keine Verwahrstationen:  Kitas als Bildungseinrichtungen.
Keine Verwahrstationen: Kitas als Bildungseinrichtungen. (AP)

Der BDA will mit einem Acht-Punkte-Programm den Fachkräftemangel auf ganz lange Sicht bekämpfen. Dafür soll die frühkindliche Bildung in Kindertagesstätten verbessert werden - mit verbindlichen Bildungsplänen und "Pisa-Test" für Kitas.

"Wir wissen, dass Investitionen in die frühkindliche Bildung die höchste Rendite hat. Aber ich meine hier gar nicht nur im pekuniären Sinne, sondern auch in einem ganz umfassenden sozialen Sinne."

Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, BDA:

"Eine Gesellschaft, die sich immer nur darauf konzentriert, Schwächen zu beseitigen, anstatt frühzeitig Talente zu fördern bei Kindern, wäre eine weniger humane Gesellschaft."

Eine bessere frühkindliche Bildung – das bedeute mehr und vor allem bessere Kitaplätze. Bisher ist geplant: 2013 sollen 35 Prozent aller unter dreijährigen Kinder einen gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz haben. Die saarländische Familienministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU, fordert, mehr als 40 Prozent der Kinder unter drei einen Platz zu garantieren. Die Arbeitgeber wollen in sozialen Brennpunkten für die Hälfte aller Kinder unter drei einen gesetzlich garantierten Platz. Das würde rund vier Milliarden Euro mehr kosten, schätzt Peter Clever, von der BDA. Diese Milliarden ließen sich leicht auftreiben: So koste die letzte Kindergelderhöhung um 20 Euro jedes Jahr 4,6 Milliarden Euro:

"Unser Wunsch ist, dass wir in der Gesellschaft und in der Politik mal darüber nachdenken, ob diese Fokussierung auf individuell zugeordnete Finanzströme in Cash den Notwendigkeiten unserer Gesellschaft tatsächlich entspricht. Oder ob wir nicht mit diesem Geld besser die Infrastruktur ausbauen."

Aber Arbeitergeber fordern nicht nur mehr Kitaplätze, sondern auch bessere Kitaplätze:

"Leitbild muss die umfassende und gezielte und systematische Förderung jedes einzelnen Kindes sein."

Sagt Christoph Fay, Vorsitzender des Arbeitskreises Frühkindliche Bildung bei den Arbeitgebern. Sprachlicher Ausdruck, selbstständiges Lernen, Neugier fördern – die Ziele fürs frühkindliche Lernen im Acht-Punkte-Papier der Arbeitgeber überraschen nicht. Allerdings: Die Qualität der Kita-Bildung drohe aber in den ganzen Ausbauplänen unterzugehen:

"Qualität heißt für uns eine Aufwertung der Kindertagesstätten zu Bildungseinrichtungen mit verbindlichen Bildungsplänen und entsprechend ausgebildetem Personal. Wenn die Kindertagesstätten nicht Verwahranstalten sein sollen, sondern Bildungseinrichtungen, sind die Kultusminister in der Pflicht."

Das hörte die saarländische Familienministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU und sagte: Erzieher seien zu schlecht bezahlt, aber ganz gut ausgebildet:

"Trotzdem brauchen wir – insbesondere mit Blick auf die Führungskräfte – Qualifizierungsoffensiven mit Blick auch auf eine akademische Ausbildung. Deswegen ist es zu begrüßen, dass wir hier vermehrt Hochschulangebote haben."

Von der Kita-Leitung zum Kita-Management also, durch bessere akademisch Aus- und Weiterbildung der Erzieher also. Notwendig seien gemischte Teams auch Fachkräften und Führungskräften mit Hochschulausbildung:

"Was wir brauchen, ist ein stärkeres Maß noch an berufsbegleitenden Angeboten. Denn viele der Erzieherinnen und Erzieher mit viel Berufserfahrung können diesen Weg zur Weiterqualifizierung nur dann gehen, wenn sie in ihrem Beruf bleiben können. Deswegen ist das ein Angebot, was kommen muss."

Bessere Kita-Plätze – dafür müssten auch bundeseinheitliche Bildungspläne geschrieben werden, fordern die Arbeitgeber-Lobbyisten in ihrem Acht-Punkte-Plan. BDA-Manager Peter Clever fordert einen Pisa-Test für Kitas – wie es ihn für Schulen gibt:

"Das wurde als Pisa-Schock bezeichnet und hat eine enorme Dynamik ins Bildungssystem gebracht. Und wir glauben, das muss für die frühkindliche Bildung jetzt auch initiiert werden. Wir müssen Ziele haben: Was soll in der frühkindlichen Bildung erreicht werden? Und die Ziele müssen auch gemessen werden."

Und was tun die Unternehmen für die frühkindliche Förderung? Etwa die Hälfte aller Betrieb mit mehr als 50 Beschäftigten biete seinen Mitarbeitern einen eigenen Kindergarten oder miete Plätze in staatlichen Einrichtungen, sagt BDA-Manager Clever – Tendenz steigend:

"Wir kriegen jetzt einen Arbeitnehmermarkt. Wir kriegen immer mehr diese Tendenzen, dass, um überhaupt attraktiv zu sein für qualifizierte Kräfte, Unternehmen dort Angebote machen müssen."

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