• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 16:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteFirmenporträtOBO: Modernste Verzinkerei der Welt16.01.2015

Bedeutung stabiler NetzwerkeOBO: Modernste Verzinkerei der Welt

Nächste Woche beginnt das Weltwirtschaftsforum in Davos. Vor allem Firmen aus den USA und Großbritannien nehmen dort teil, die einen Umsatz von über 5 Milliarden Dollar im Jahr haben. Mit dabei ist aber auch ein Mittelständler aus dem Sauerland: Die Firma OBO aus Menden.

Von Andreas Burman

Weltwirtschaftsforum in Davos, 27.01.2012 (picture alliance / dpa / Laurent Gillieron)
Jedes Jahr findet das Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos statt. OBO-Firmenpatriarch Ulrich Bettermann ist als einer der Gründerväter ständiges Mitglied des Forums. (picture alliance / dpa / Laurent Gillieron)
Weiterführende Information

Weltwirtschaftsforum - Rohani wirbt um Vertrauen
(Deutschlandfunk, Aktuell, 23.01.2014)

Weltwirtschaftsforum - Die Mächtigen beraten in Davos
(Deutschlandfunk, Wirtschaft am Mittag, 22.01.2014)

Davos - Gipfel der Entschleunigung
(Deutschlandradio Kultur, Reportage, 21.01.2014)

"Beziehungen, das ist so ein Spruch von mir, schaden nur dem, der sie nicht hat."

An diesem Grundsatz hält Ulrich Bettermann seit jeher fest. Der 68-jährige hat sein Unternehmen, OBO Bettermann, in 30 Jahren rund um den Globus aufgestellt - aus dem sauerländischen Menden. Bettermann kennt Gott und die Welt. Eng befreundet mit Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, lange auch mit CSU-Patriarch Franz-Josef Strauß, mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, befreundet ebenso mit Altkanzler Gerhard Schröder, Außenminister Frank Walter Steinmeier, Vizekanzler Sigmar Gabriel, Michail Gorbatschow, Henry Kissinger – und mit Klaus Schwab.

Beziehungen in Wirtschaft und Politik

Zusammen mit dem deutschen Professor hat Bettermann das Davoser Weltwirtschaftsforum gegründet. Seine Vizepräsidentschaft im WEF als einziger Mittelständler spielt für Sohn Andreas Bettermann nach wie vor eine wichtige Rolle:

"Weil wir eins zu eins live, ich sag' mal, die neuesten Entwicklungen, Trends, Diskussionen vom Weltwirtschaftsforum mitbekommen. Und zwar ungefiltert, also in O-Tönen. Gute Kontakte, Beratungen und, und, und. Einfach Leute, die man fragen kann. Da wir ja mit 500 Millionen Euro Umsatz nicht in jedem Winkel dieser Welt jemanden haben, den wir fragen könnten, nützen diese Verbindungen enorm."

Automatisierte Produktion

Ulrich Bettermann führt durch den Kernbereich des Mendener Stammwerks, das sogenannte Kompetenz-Zentrum, hundert Meter breit, 300 Meter lang, Kosten: rund 40 Millionen Euro. "Sie sehen, alles wie von Geisterhand, Computer steuert das. Und wir sind stolz darauf, die modernste Verzinkerei der Welt hier zu haben. Man riecht nichts, mitten in der Fertigung einer Verzinkerei. Finden Sie fast kein zweites Mal."

Viele Mitarbeiter sind in der auffallend sauberen Halle nicht zu sehen. Die Produktion verläuft in großen Teilen automatisiert – und besonders umweltfreundlich, wie Bettermann betont. 2011 ist das vom eigenen Ingenieurteam entwickelte Prestigeobjekt eingeweiht worden, im Rahmen der Feier zum 100-jährigen Bestehen von OBO.

Rund 30.000 Artikel im Sortiment

Seinen Namen hat das Unternehmen von einem Metalldübel, der sich ohne Bohren, abgekürzt "OBO", verwenden lässt. Die patentierte Entwicklung aus den 1950er Jahren ist noch immer gefragt, heute aber nur einer von rund 30.000 Artikeln. In den Bereichen Verbinden, Befestigen, Tragen und Führen von Strom- und Datenkabel sowie im Blitz- und Überspannungs-Schutz ist OBO international an der Spitze, sagt Bettermann Junior Andreas:

"Wir sind unangefochtener Marktführer bei den kleinen Kunststoff-Schellen zur Befestigung von Kabeln und Rohren. Dann sicherlich die Kabelrinne Magic, die also durch ein Federstahl-Element am Ende sich direkt vom Installateur mit drei Metern Länge zusammenklicken lässt. Ein Riesenvorteil für den Elektroinstallateur."

Das Fundament des Erfolgs von OBO hat Vater Ulrich gelegt, als er Mitte der 1980er Jahre seine ehemaligen Mitgesellschafter vergeblich für eine Vergrößerung gewinnen wollte. Weil sie meinten, das Familien-Unternehmen erwirtschafte in Deutschland genug, nahm er statt dessen einen Kredit von einer Viertelmilliarde D-Mark auf und zahlte sie aus. Danach begann er, das Geschäft zu internationalisieren. Der Mauerfall 1989 öffnete dann den Weg nach Osteuropa:

"Wir waren in den Ländern dort überall die Ersten mit eigenen Gesellschaften, mit Teilproduktionen. Und wir haben natürlich auch den einen oder anderen Rückschlag gehabt. Wenn man in fremden Ländern ist, dann muss man auch damit rechnen, dass man hier oder da mal, auf Deutsch gesagt, beschissen wird."

Trotz Lehrgeld auch im Ausland erfolgreich

Trotz des Lehrgelds brachten die neuen Märkte den endgültigen Schwung. Dabei stand und steht im Vordergrund nie das schnelle Geld, sondern langfristige Planung. Doch Erfolg macht sexy und weckt Käufer-Interessen. Ulrich Bettermann hat daher Vorsorge getroffen, das Unternehmen als Familienbesitz zu sichern: "Die Anteile liegen in drei Stiftungen. Es sind liechtensteinische Stiftungen, haben den Vorteil, dass sie nicht alle dreißig Jahre wieder Erbschafts- und Schenkungssteuer zahlen müssen, sondern aus diesen Stiftungen bekommen die Kinder Geld. Und die Firma kann ihr Kapital behalten. Wir haben eine Eigenkapitalquote zwischen siebzig und achtzig Prozent, "um von den Banken unabhängig zu sein."

Ausgeprägtes Netzwerk

Seit zehn Jahren ist Sohn Andreas Bettermann Konzernlenker, zwei weitere Söhne und eine Tochter leiten Werke im Ausland. Der Vater flankiert mit seinem ausgeprägten Netzwerk in Wirtschaft und Politik in der Rolle des aktiven Beiratsvorsitzenden.

OBO ist mittlerweile mit 3.000 Mitarbeitern in mehr als 60 Ländern vertreten. Weltweit sieht Andreas Bettermann erhebliches Wachstumspotenzial in Afrika: "Weil wir im Jahr 2012 in Südafrika den Marktführer in unserem Segment übernommen haben. Und gerade in der Subsahara-Zone – Angola, Mozambique, Südafrika selber, Simbabwe etc. – gibt es deutliche Entwicklungs-Potenziale. Macht heute schon für uns über zehn Prozent des Umsatzes aus. Und werden auch in Richtung China, Südostasien deutliche Schritte machen in den nächsten Jahren."

Bis 2020 soll der Umsatz sich auf 1 Milliarde Euro verdoppeln. Doch nicht um jeden Preis, fügt Andreas Bettermann hinzu.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk