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StartseiteUmwelt und VerbraucherMehr Fenster für die Feldlerche06.06.2014

Bedrohte TiereMehr Fenster für die Feldlerche

Immer mehr Bauern richten auf ihren Getreideäckern Landebahnen für die Feldlerche ein. Die Vogelart ist vom Aussterben bedroht, weil intensive Landwirtschaft ihr kaum noch Platz zum Leben lässt. Schmale unbepflanzte Streifen auf dem Feld sollen dafür sorgen, dass sich die Lerchen-Bestände wieder erholen.

Von Britta Fecke

Ein Landwirt läuft durch ein Lerchenfenster in einem Weizenfeld
Ein Landwirt läuft durch ein Lerchenfenster in einem Weizenfeld

Die Bestände dieser Vogelart wurden derart dezimiert, dass sie nun auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht. Aline Foschepoth von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft nennt die Gründe:

"Auf der einen Seite die Intensivierung der Landwirtschaft. Es hat sich seit dem Krieg vieles geändert in der Landwirtschaft. Dann auch ganz klar die Versiegelung der Landschaft. Und ein Faktor, der bei uns jetzt nicht so eine große Rolle spielt, dass einfach ganz viele Feldlerchen in Südeuropa gefangen werden. Und dann ist es ganz klar, dass die Bestände auch hier zurückgehen."

Ein Acker irgendwo zwischen Köln und Aachen, der Weizen steht schon hoch dieses Jahr, die Bedingungen waren günstig, ein milder Winter und der warme Frühling haben die Halme schnell wachsen lassen.

Doch bei genauem Hinsehen fällt eine Lücke auf, da wächst kein Weizen. Ein braunes Loch in der grünen Fläche. Ein sogenanntes Lerchenfenster, eine freie Stelle im Acker, die der kleine Vogel als Anflugschneise nutzt.

Eigentlich geht Lerchenschutz ganz einfach

Willi Liesenberg bewirtschaftet 150 Hektar Ackerland und hat zum Schutz der Vogelart 30 solcher Lerchenfenster eingerichtet:

"Eigentlich ist der Umstand relativ gering. Beim Säen wird einfach die Sämaschine auf circa sieben Meter ausgehoben, damit setzt der Sä-Vorgang aus und damit bleibt ein Fenster über, was circa 20 Quadratmeter groß ist."

Pro Hektar kann der Landwirt zwei bis zehn Lerchenfenster anlegen, diese Aussparungen müssen aber mindestens 25 Meter vom Feldrand und 50 Meter von der nächsten Straße entfernt sein. Landwirt Liesenberg legt schon seit mehreren Jahren diese Lerchenfenster an und auch in diesem Jahr erfolgreich. Er lässt seinen Blick über das weite Weizenfeld schweifen:

"Hier sind jetzt aktuell - auf zehn Hektar - sind jetzt zwei Fenster von Feldlerchen besetzt, die ich jetzt beim Durchfahren gesehen habe."

Die Lerche braucht die Ackerlandschaft

Die Vogelart ist in so dicht besiedelten und intensiv genutzten Gebieten wie in NRW auf die Hilfe der Bauern angewiesen, ob sie nun ökologisch oder wie Willi Liesenberg konventionell wirtschaften. Denn die Feldlerche ist auf bestimmte Strukturen spezialisiert: Aline Foschepoth, Leiterin des Feldlerchenprojekts:

"Die Feldlerche kann man sagen, ist ein ganz klassischer Vogel der Feldflur, das bedeutet, dass sie bei uns hauptsächlich in Ackerlandschaften vorkommt, aber auch im Grünland und in bewachsenen Brachen zu finden ist."

Inzwischen wurden im Rheinland seit 2009: rund 10.300 Fenster angelegt. Hinzu kommen rund 18.500 Fenster in der westfälischen Kulturlandschaft.

Die intensiv genutzten Ackerflächen mit kleinen Fenstern zu unterbrechen, rettet aber nicht nur Feldlerchen, sondern noch einige andere Arten, der offenen Feldflur. Und so finden sich neben Lerchen auch noch "die Grauammer, das Rebhuhn oder auch Feldhasen, die diese Fenster eben auch nutzen".

Stiftungen fördern Lerchenfenster

Landwirte, die sich entschließen, einen kleinen Fleck im Acker den Lerchen und Rebhühnern zu überlassen, werden für den Aufwand mit zehn Euro pro Fenster entschädigt. Die Stiftung Rheinische und auch die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft halten die Förderanträge bereit.

In einigen Regionen, können die Stiftungen seit Beginn des Feldlerchenprojektes schon deutliche Bruterfolge nachweisen:

"In NRW kann man sagen, dass man im mittleren Wert drei Brutpaare pro Quadratkilometer hat. Aber es gibt auch Kreise, die herausstechen, zum Beispiel Weilerswist, das liegt im Kreis Euskirchen. Da gibt es bis zu 64 Brutpaare pro Quadratkilometer. Da kann man also sehen, dass es sich arg unterschiedlich verhält."

Aline Foschepoth zieht eine gemischte Bilanz, doch die Projektleiterin ist zuversichtlich, dass sich die Bestände auch mithilfe der Landwirte weiter erholen.

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