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Bei den Krippenplätzen mangelt es an der Qualität

Familienpolitik im Jahr 2013: Betreuungsgeld versus Krippenausbau

Von Monika Dittrich

Streit um Familienpolitik und Kindeswohl
Streit um Familienpolitik und Kindeswohl (dpa / Frank Rumpenhorst)

Im Streit um Familienpolitik und Kindeswohl, Betreuungsgeld und Krippenausbau gibt einen besonders verlogenen Begriff: die Wahlfreiheit.

Davon sprechen Krippengegner und Konservative gern, wenn sie daheimerziehende Eltern in Schutz nehmen wollen. Das klingt fast so, als würden Mütter und Väter in Deutschland neuerdings gezwungen, ihre winzigen Babys einer staatlichen Krippe zu überlassen. Genau deshalb sollen sie nun also eine finanzielle Ersatzleistung in Form des Betreuungsgelds bekommen, wenn sie den teuer vom Steuerzahler subventionierten Krippenplatz nicht in Anspruch nehmen.

Das alles ist eine große Verneblungstaktik. Es gibt in Deutschland keine Krippen- und noch nicht mal eine Kindergartenpflicht. Eltern können sich selbstverständlich frei dafür entscheiden, ihre Kinder zu Hause zu betreuen – und die Mehrheit macht es ja auch so. Was aber ist mit denjenigen Eltern kleiner Kinder, die arbeiten wollen oder aus finanziellen Gründen müssen? Sie sind es nämlich, die keine Wahlfreiheit haben. Das Angebot an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren ist in Deutschland nach wie vor miserabel. 220.000 Plätze fehlen noch, um den Rechtsanspruch ab August 2013 zu garantieren. Viele Mütter oder Väter sind also umgekehrt gezwungen, mit ihrem Nachwuchs zu Hause zu bleiben. Einen Betreuungsplatz für ihre Kinder unter drei Jahren finden sie vielerorts erst dann, wenn sie einen Marathon an Bewerbungs- und Bittstellergesprächen geführt haben, mit Kita-Leitern, Jugendämtern, Elternvereinen oder Pfarrern. Wenn sie demütigst versprochen haben, das nächste Sommerfest zu organisieren, Spielgeräte zu reparieren oder die Kindergartentoilette zu putzen.

Wer dann letztlich einen Platz in einer Krippe ergattert hat, muss sich glücklich schätzen. Die leiseste Nachfrage nach der Qualität der Betreuung, nach dem Ausbildungsstand der Erzieherinnen oder dem pädagogischen Konzept verbietet sich da. Bloß nicht aufmucken. Eltern müssen nehmen, was sie bekommen. Und das ist meistens leider nicht von besonders guter Qualität.

Das ist der eigentliche Skandal deutscher Familienpolitik. Denn seit 2007 – also seit fünf Jahren - geht es vor allem um Masse. Beim Krippengipfel verständigten sich Bund, Länder und Gemeinden unter Führung der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen auf den massiven Ausbau der Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige. Seitdem werden Krippenplätze aus dem Boden gestampft, Hauptsache die Zahlen stimmen.

Einrichtungen, die bislang nur größere Kinder ab drei Jahren betreuten, nehmen plötzlich Babys und Kleinkinder auf, obwohl sie darauf weder räumlich noch personell eingestellt sind. Es ist beängstigend, dass die besonderen Bedürfnisse der sehr kleinen Kinder nicht ausreichend gewürdigt werden.

Kinder in diesem Alter sind in einer verletzlichen Lebensphase, was ihre körperliche, emotionale und geistige Entwicklung angeht. Sie brauchen eine intensive und vor allem ganz andere Betreuung als Kinder über drei Jahren.

Sie tragen Windeln, brauchen Hilfe beim Essen und Trinken, wollen in den Schlaf gesungen werden. Sie wollen in überschaubaren Räumen und kleinen Gruppen groß werden, mit wenig Lärm und Trubel, mit kontinuierlichen Bezugspersonen und feinfühliger Ansprache.

Das aber ist in deutschen Krippen selten: Die unter anderem vom Bundesfamilienministerium geförderte Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit, kurz NUBBEK, hat ergeben: Nicht mal zehn Prozent der frühkindlichen Betreuungsplätze in Deutschland sind von guter pädagogischer Qualität.

Radikale Krippengegner haben in diesem Punkt leider recht: Schlechte Krippen schaden kleinen Kindern. Wenn sich etwa eine einzige Erzieherin um sieben oder acht Kinder kümmern soll, dann darf wohl tatsächlich von Vernachlässigung gesprochen werden.

Die Lösung könnte ein eilig einberufener zweiter Krippengipfel bringen – mit dem einzigen Thema Qualität. Die notwendigen Standards sind in der Wissenschaft längst bekannt: niedriger Betreuungsschlüssel, kleine Gruppen, gut ausgebildetes Fachpersonal.

Familienministerin Kristina Schröder spricht viel und gern von der Qualität der Kinderbetreuung. Getan hat die CDU-Politikerin dafür bislang wenig. Mit einem angekündigten Qualitätsgesetz will sie sich Zeit lassen bis 2020 – sieben Jahre sind dann ins Land gezogen seit dem Rechtsanspruch. So lange wollen die Eltern kleiner Kinder aber nicht warten.

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